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INKOTA-Brief 151 - März 2010

Südafrika vor der WM - Aufbruch mit Schwierigkeiten

Sie haben uns die Meinung gesagt

Aufschlussreiche LeserInnenumfrage zum INKOTA-Brief

An LeserInnenbefragungen beteiligen sich vor allem jene, die eine Zeitung oder Zeitschrift schätzen und an ihrer Weiterentwicklung ein Interesse haben. Eine wohlwollende Grundstimmung zum Medium und damit eine eher positive Bewertung ist daher zu erwarten. Nicht anders vermutet haben wir es für die Umfrage im INKOTA-Brief im vergangenen Herbst. Dass das Lob so deutlich ausfallen würde, hat uns dann doch etwas überrascht – und sehr gefreut. Hier die wichtigsten Ergebnisse und einige Kommentare.

Wie sieht der typische INKOTA-Brief-Leser aus? Er hat den INKOTA-Brief abonniert, liest ihn seit fast elf Jahren, findet den Umfang angemessen (81%) und auch den Preis (88%, wobei niemand den Preis als zu hoch einschätzte, aber 12% meinten, er könnte höher sein), liest die Mehrzahl der Artikel (39%). Das „er“ ist übrigens bewusst gewählt, denn 58 Prozent der LeserInnen sind Männer. 42 Prozent der LeserInnen sind zwischen 41 und 50 Jahren alt, jeweils zur Hälfte kommen sie aus Ost- bzw. Westdeutschland.

Fast alle lesen Kommentare und Editorial

81 Prozent schätzen die Länge der Texte im INKOTA-Brief als angemessen ein. Eine kleine Überraschung war, dass bei der Frage „Welche Rubriken lesen Sie im INKOTA-Brief“ die Kommentare ganz vorne gelandet sind (95% der Befragten lesen sie immer oder meistens) und darauf schon das Editorial folgt (85%). Mit 80 Prozent „immer“ oder „meistens“ folgt der Themenschwerpunkt, danach die Kampagnenseiten (71%). Deutlich unregelmäßiger gelesen werden Netzwerk (58% immer oder meistens) und die Fairhandelsseiten (54%), danach folgen Ökumene, Rezensionen und Literatur pur.

Interessanterweise möchte die Mehrheit aller LeserInnen alle Textgattungen, mit einer Ausnahme, im bisherigen Umfang lesen, auch die Rezensionen (62%), obwohl nur 45 Prozent angegeben haben, dass sie diese immer oder meistens lesen. Die Ausnahme: 60 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Interviews im INKOTA-Brief.

44 Prozent der Befragten finden, dass Information mehr Gewicht bekommen sollte (gegenüber 32%, die das nicht finden), während jeweils ein Drittel findet, dass Meinung mehr Gewicht bzw. nicht mehr Gewicht bekommen sollte. Jeweils 45 Prozent wollen weder mehr Unterhaltung noch mehr Service im INKOTA-Brief.
Ein wenig widersprüchlich sind die Ergebnisse bei der AutorInnenauswahl. 94 Prozent finden, dass diese stimmt, doch (bei allerdings weniger Antworten) immerhin 73 Prozent wünschen sich mehr AutorInnen aus dem Süden und 50 Prozent mehr AutorInnen von INKOTA. Gar kein so schlechtes Bild haben die Befragten scheinbar über PolitikerInnen und wünschen sich diese zu 42 Prozent verstärkt als AutorInnen.

Interessante Themenauswahl

Fast ungeteiltes Lob bekamen wir für die Themenschwerpunkte – die fast immer mehr als die Hälfte des gesamten INKOTA-Briefs füllen. 100 Prozent der Befragten fanden, dass es völlig oder weitgehend zutrifft, dass die Themenauswahl interessant ist und 96 bzw. 91 Prozent schätzen die Schwerpunkte völlig oder weitgehend informativ bzw. gut zu lesen ein. Immerhin noch 77 Prozent haben diese Einschätzung hinsichtlich der Aktualität der Schwerpunkte. 23 Prozent finden allerdings auch, dass sie zu umfassend sind, 14 Prozent empfinden sie als zu kompliziert und 10 bzw. 9 Prozent finden in den Schwerpunkten zu viel Meinung bzw. zu wenig Analyse.

Die Hälfte der Befragten wünscht sich übrigens, dass Länder bzw. Regionen nicht häufiger Schwerpunktthema sein sollen (gegenüber 21%, die sich dies wünschen, und 20%, denen dies egal ist; der aktuelle Länderschwerpunkt wurde bereits vor der LeserInnenumfrage beschlossen). Als interessanteste Themenschwerpunkte der letzten beiden Jahre wurden „Fairer Handel“ und „Jahrhundertkrise Klimawandel“ bewertet.

Die Wunschliste, welche Themen (nicht unbedingt als Schwerpunkte) im INKOTA-Brief demnächst behandelt werden sollten, war lang. Wir versprechen, dass wir möglichst viele Vorschläge bald aufnehmen werden.

Layout verbesserungsfähig

Sehr uneinheitlich waren die Aussagen zum Layout des INKOTA-Briefs. Zwar gefällt es 82 Prozent gut, doch empfinden es 41 Prozent als zu altmodisch, 45 Prozent wünschen sich eine größere Schrift und 35 Prozent hätten gerne eine durchgehend vierfarbige Gestaltung.

Ein moderneres Layout wurde auch bei manchen Antworten auf die Frage „Was sollte sich am INKOTA-Brief ändern“ gewünscht. Weitere Antworten waren: „Mehr Reportagen, die Lebensbedingungen und soziale Bewegungen im Süden anschaulich vorstellen“, „Mehr Mut zu Glossen, bissigen Kommentaren und Eyecatchern“, „Nicht viel, ist schon das Beste auf dem Markt“, „Noch mehr Autorinnen, öfter Artikel, die die Geschlechterperspektive thematisieren.“ Eine sehr deutliche Kritik haben wir auch bekommen: „Mich stört nur, dass man zu wenig Informationen bekommt, aus denen man seine eigenen Schlüsse ziehen könnte. Stattdessen werden gebetsmühlenartig immer wieder die gleichen politischen und gesellschaftlichen Ansichten dargelegt.“

Wünsche an den INKOTA-Brief

Zum Abschluss der Umfrage wollten wir „Ihren besonderen Wunsch“ und „Ihre besondere Anregung“ erfahren und wissen, was Sie uns „schon immer mal mitteilen“ wollten. Neben reichlich Lob („Sehr anregende und anspruchsvolle Lektüre“, „Der Brief ist bewundernswert“ „Super! In den letzten Jahren immer besser geworden“) gab es auch den Wunsch nach „mehr Diversität, Streitgesprächen, Meinungsverschiedenheiten“. Sehr gut gefallen hat uns folgender Kommentar: „Ich habe mich über die zunehmend politische Ausrichtung gefreut, auch wenn wir als Grüne dabei manchmal nicht gut wegkommen.“ Besonders gefreut hat uns dieser Kommentar: „Meine Zustimmung drückt sich in einem neuen Abo aus.“

Wir möchten allen LeserInnen danken, die sich Zeit für die Umfrage genommen haben. Wir werden die Ergebnisse in der nächsten Redaktionssitzung genauer analysieren und versuchen, möglichst viele Ihrer Anregungen aufzunehmen. Die GewinnerInnen der Bücher haben diese Anfang März zugeschickt bekommen. Viel Spaß beim Lesen!

Weitere Artikel aus dem Heft

Editorial

Hein Möllers: Südafrika am Scheideweg. 16 Jahre nach dem Ende der Apartheid braucht der Hoffnungsträger ganz Afrikas einen Politikwechsel

Joe Walker: Abschieben und Aufpolieren. Für die Fußball-WM werden Straßenkinder und Arme aus den Städten vertrieben

Marjorie Jobson: Warten auf Entschädigung. Viele Opfer des Apartheid-Regimes sind immer noch marginalisiert

Kommentar von Armin Massing: Antikoloniale Straßenumbenennungen: Kampf um Deutungshoheit

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