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INKOTA-Dossier 6 - Dezember 2009

Gute Arbeit, schlechte Arbeit: Decent Work und der Kampf um würdige Beschäftigung weltweit

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

erinnern Sie sich an das Jahr 1999? Nach zwei Jahrzehnten scheinbar unangreifbarer Dominanz begann der schöne Schein der neoliberalen Traumwelt zu verblassen. Die Ideologie von Freihandel, Privatisierung und Deregulierung geriet in die Krise, eine neue Bewegung entstand und feierte bei den Protesten gegen die WTO-Ministertagung in Seattle ihre ersten Erfolge.

Doch nicht nur die globalisierungskritische Bewegung widersetzte sich und forderte eine Umkehr. Auch offizielle Institutionen realisierten, dass ein „Weiter so“ nicht möglich ist, und begannen, sich mit Alternativen zu beschäftigen.
Zum Beispiel die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), deren Generaldirektor Juan Somavia vor genau zehn Jahren erstmals das Konzept Decent Work in die öffentliche Diskussion brachte. Unübersehbar waren die Reichen reicher und die Armen ärmer geworden, weltweit hatten sich die Arbeitsbedingungen immer weiter verschlechtert. Es galt, verstärkte Anstrengungen für das Grundrecht auf „menschenwürdige Arbeit”, so die offizielle Übersetzung von Decent Work, zu unternehmen.

Seither hat das Konzept eine erstaunliche Karriere erlebt. Es hat Eingang in die Agenden von UNO, EU und zahlreichen Regierungen gefunden und wurde Bestandteil der Millenniumsentwicklungsziele. Auch die Gewerkschaften nutzen das Konzept, um ihre Vorstellungen von guter Arbeit voranzubringen, und begehen einen „World Day for Decent Work“.

Die Erfolge auf dem Weg zu besseren Arbeitsbedingungen sind indes eher bescheiden. Noch immer, und besonders in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise, sieht sich der Faktor Arbeit in der Defensive. So hat die EU beispielsweise eine „Decent-Work-Agenda“ erarbeitet und verabschiedet, setzt mit ihrer Lissabon-Strategie jedoch weiterhin auf eine Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse.

Zehn Jahre Decent Work sind ein guter Anlass für eine Zwischenbilanz. Was wurde erreicht, was kann noch erreicht werden? Wo liegen die Stärken, wo finden sich Schwächen? Hilft das Konzept, um verbindliche gesetzliche Regelungen im Bereich der sozialen Unternehmensverantwortung voranzubringen?

Gleich drei Organisationen zeichnen für dieses Dossier verantwortlich. CorA, das Netzwerk für Unternehmensverantwortung, setzt sich für verbindliche Regelungen für ein verantwortliches Verhalten von Unternehmen ein. WEED arbeitet seit Langem für die Einhaltung von Sozial-, Umwelt- und Menschenrechtsstandards in der öffentlichen Beschaffung und informiert über Missstände in der globalen Computerproduktion. Und das INKOTA-netzwerk kritisiert im Rahmen der „Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung“ menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in der internationalen Textilproduktion und setzt sich für eine unabhängige Überprüfung der global agierenden Textilkonzerne ein.

Im Namen der herausgebenden Organisationen wünschen wir Ihnen eine anregende Lektüre,

Sarah Bormann, Michael Krämer und Volkmar Lübke

Weitere Artikel aus dem Heft

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Anja Franck: Standards mit Schlagseite. Kernarbeitsnormen und Decent-Work-Agenda vernachlässigen die Situation von Frauen

Sarah Bormann und Johannes Knierzinger: Kauft gute Arbeit! Verbindliche Unternehmensverantwortung und öffentliche Beschaffung als Mittel zur Durchsetzung guter Arbeit

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