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Unabhängiges Indien: Seit 70 Jahren im Übergang

Nein zu Baysanto

Fusionen im Agrarsektor bedrohen die Ernährungssysteme weltweit. Doch es regt sich Widerstand gegen die weiter wachsenden Großkonzerne.

Für 66 Milliarden US-Dollar möchte Bayer den berüchtigten Saatgut- und Agrarchemiekonzern Monsanto übernehmen. Und das ist nur eine von drei anstehenden Fusionen im Agrarbereich. Neben schwerwiegenden Umwelt- und Gesundheitsschäden weltweit hat die Machtkonzentration vor allem für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im globalen Süden fatale Folgen. Gemeinsam mit Partnerorganisationen in Nord und Süd mobilisiert INKOTA gegen die geplanten Großkonzerne und klärt über die Gefahren der Fusionen auf.

In dem ohnehin schon stark konzentrierten globalen Markt für Saatgut und Agrarchemikalien könnten Ende dieses Jahres noch weniger Konzerne mit noch mehr Marktmacht stehen: Die Agrarkonzerne Dow Chemical und DuPont, ChemChina und Syngenta sowie Bayer und Monsanto haben Zusammenschlüsse angekündigt. Die EU-Kommission hat sowohl der Fusion zwischen Dow und DuPont als auch der Übernahme von Syngenta durch ChemChina bereits grünes Licht gegeben. Die Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager äußerte keinerlei grundsätzliche Bedenken und beschloss lediglich wenige Auflagen, die dazu beitragen sollen, den Innovationswettbewerb innerhalb spezieller Unternehmenssparten (etwa für bestimmte Pestizide) zu sichern. Auch wenn weitere internationale Behörden noch zustimmen müssen, werden diese Fusionen kaum noch gestoppt werden.

Offen ist dagegen noch, wie es mit „Baysanto“ weitergeht: Die Eröffnung des Prüfungsverfahrens durch die EU-Kommission wird im Frühsommer erwartet. Auch in Indien, Südafrika, Argentinien und über zwanzig weiteren Ländern muss die Übernahme des Weltmarktführers für gentechnisch verändertes Saatgut Monsanto durch den Agrar- und Pharmariesen Bayer noch genehmigt werden.

Bayer Monsanto
Hochzeit aus der Hölle: Protest gegen die Fusion von Bayer und Monsanto vor der EU-Kommission in Brüssel. Foto: Friends of the Earth Europe (CC BY-NC-SA 2.0)

Zugestimmt hat bisher einzig Paraguay. Dabei regt sich nicht nur unter AktivistInnen und besorgten VerbraucherInnen weltweit Widerstand – auch in den Reihen der Bayer-MitarbeiterInnen und -AktionärInnen herrscht Skepsis gegenüber der Übernahme des US-Konzerns Monsanto. Diese befürchten, dass der Deal Bayers Ruf schädigen könnte und die Dividenden in Zukunft niedriger ausfallen könnten. Zumindest Ersteres wird mit Sicherheit eintreten: Es gibt weltweit keinen Agrarkonzern mit einem ähnlich schlechten Ruf wie Monsanto.


Auswirkungen auf den globalen Süden

Besonders schwerwiegend sind die Folgen der zunehmenden Machtkonzentration für Kleinbauern und -bäuerinnen in Asien, Afrika und Lateinamerika. Hier befinden sich die zentralen Wachstumsmärkte für Pestizide: Allein die vier Länder Brasilien, China, Indien und Argentinien machen aktuell ein Drittel der weltweiten Nachfrage nach Pestiziden aus.

Auch gentechnisch verändertes oder Hybrid-Saatgut der Großkonzerne ist in den Ländern des globalen Südens auf dem Vormarsch. Es verdrängt immer mehr lokal angepasste Sorten, die die Menschen auf lokalen Märkten sehr günstig erwerben oder sogar kostenfrei nachbauen und austauschen. Die wachsende Marktmacht der Agrarriesen schränkt die Auswahl an Saatgut für die Bauern und Bäuerinnen immer weiter ein. Dies bedeutet, dass Monsanto & Co. nicht nur immer stärker bestimmen, was angebaut wird, sondern auch, was die Menschen in der Welt essen. Die Beschränkung auf besonders ertragreiche Sorten – sogenannte cash crops – stellt eine Bedrohung für die globale Ernährungssouveränität dar.

Darüber hinaus haben die Entwicklungen der Agrarindustrie in den vergangenen Jahren gezeigt, dass in der Regel auch die Preise steigen, wenn mehr patentiertes Saatgut verwendet wird. Die Preissteigerungen sind für die ländliche Bevölkerung verheerend, da sie schon heute am meisten von Armut und Hunger betroffen ist. Doch die Entwicklung ist nicht nur für KleinerzeugerInnen fatal, die über wenig Kapital verfügen. Langfristig müssen auch VerbraucherInnen weltweit mit höheren Preisen für Lebensmittel rechnen.

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Die Agrarlobby und die Glyphosat-Debatte
Auch in Europa ist der große Einfluss der Agrarkonzerne auf Wissenschaft und Politik deutlich sichtbar: Aktuell berät die EU-Kommission darüber, ob sie das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für weitere 15 Jahre zulässt. 2015 stufte die Internationale Krebsagentur IARC den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

So werden in Argentinien in den Regionen, in denen großflächig Gensoja angebaut und Glyphosat gespritzt wird, deutlich mehr Fälle von Krebs, Missbildungen und Schwangerschaftsabgängen registriert als im nationalen Durchschnitt. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA1  hat den Verdacht, Glyphosat verursache Krebs, dieses Jahr jedoch von der Hand gewiesen. Ein klarer Sieg der Agrarindustrie: Die Behörde hat keine eigenen Untersuchungen durchgeführt, sondern lediglich industrienahe Studien geprüft. In den USA läuft derzeit ein Gerichtsprozess, in dem Monsanto die direkte Einflussnahme auf wissenschaftliche Studien und Zulassungsverfahren vorgeworfen wird.

Weltweit gibt es Proteste gegen das Totalherbizid Glyphosat, das vor allem unter dem Markennamen “Roundup“ von Monsanto bekannt ist. In der Europäischen Union haben sich bereits rund 700.000 Menschen an der Bürgerinitiative gegen die Zulassung von Glyphosat beteiligt.

Neben Glyphosat sind auch andere Pflanzenschutzmittel in den vergangenen Jahren massiv in Verruf geraten – darunter Bayers Neonikotinoide, die UmweltschützerInnen in Verbindung mit dem weltweiten Bienensterben bringen. Es ist nachgewiesen, dass zahlreiche Agrarchemikalien eine schädliche Wirkung auf Böden, Biodiversität und Gewässer haben. Nicht zuletzt leiden auch die LandarbeiterInnen, welche die Pestizide ausbringen, unter starken gesundheitlichen Problemen. Jüngste Recherchen des Europäischen Zentrums für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) ergaben, dass Bayer seine Pflichten vernachlässigt, Bauern und Bäuerinnen hinreichend über nötige Schutzmaßnahmen aufzuklären. So hat sich im indischen Bundesstaat Punjab gezeigt, dass Warnhinweise auf den Pestizidverpackungen teilweise nicht in den regionalen Sprachen verfasst waren und Warnungen für schwangere Frauen gänzlich fehlten.

Proteste vor der Bayer-Hauptversammlung

Vor der Bayer-Aktionärsversammlung am 28. April in Bonn protestierte INKOTA mit rund 300 DemonstrantInnen laut und bunt gegen Bayers Fusionspläne. Zahlreiche RednerInnen warnten vor den dramatischen Folgen der Monsanto-Übernahme. AktivistInnen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft verbrannten in einer qualmenden „Patentverbrennungsmaschine“ symbolisch Saatgutpatente und Fusionsverträge.

Auch wenn der Bayer-Konzern vor Gericht ein Demonstrationsverbot direkt vor der Kongresshalle durchsetzen konnte, kamen die AktionärInnen nicht ungehindert an den friedlich Protestierenden vorbei. Auch in der Hauptversammlung äußerten sich zahlreiche kritische Stimmen.

Weiterlesen über die Proteste

Was dringend geschehen muss
Die Chancen, die angekündigten Fusionen aufzuhalten, stehen aktuell eher schlecht. Dennoch versucht INKOTA gemeinsam mit einem breiten internationalen Bündnis aus umwelt- und entwicklungspolitischen Organisationen sowie Imker- und Züchterverbänden, die jeweiligen Behörden vor den dramatischen Konsequenzen der Konzernzusammenschlüsse für die globale Landwirtschaft und Ernährung zu warnen. So hat INKOTA zusammen mit 200 weiteren europäischen Organisationen in einem offenen Brief die EU-Wettbewerbskommissarin Vestager aufgefordert, die drei geplanten Zusammenschlüsse hinsichtlich ihrer Marktanteile gemeinsam zu bewerten und sich in ihrer Beurteilung nicht ausschließlich nach ökonomischen Kennzahlen zu richten.

Gleichzeitig liegt es auf der Hand, dass das Kartellrecht reformiert und ein grundlegender Wandel in der Agrarpolitik eingeleitet werden muss. So ist INKOTA Teil eines Bündnisses, das nationale politische Behörden dazu aufruft, das Wettbewerbsrecht zu verschärfen – etwa anhand von niedrigeren Grenzwerten, ab denen der Marktanteil eines Unternehmens als wettbewerbsgefährdend eingestuft wird. Ferner sollen Kontrollbehörden wie das Bundeskartellamt personell besser ausgestattet und Instrumente eingeführt werden, mit deren Hilfe die Politik zu große Konzerne entflechten kann.

Schließlich setzt sich INKOTA aktiv für das Konzept der Ernährungssouveränität ein und unterstützt beispielsweise den mosambikanischen Kleinbauernverband UNAC dabei, Saatgutbanken aufzubauen und Tauschbörsen für Saatgut zu organisieren. Außerdem fordert INKOTA von der Bundesregierung eine stärkere Förderung agrarökologischer Anbaumethoden – sowohl auf nationaler und EU-Ebene als auch in der Entwicklungszusammenarbeit. Agrarökologische Praktiken schonen nicht nur natürliche Ressourcen und Ökosysteme und fördern die Artenvielfalt. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung und ermöglichen nachhaltige Produktionssteigerungen, um KleinproduzentInnen aus der Armut zu verhelfen.

1 Die ECHA ist die wichtigste Regulierungsbehörde für die Chemikaliengesetzgebung der EU.

Bayer Monsanto

Lena Michelsen arbeitet bei INKOTA als Referentin für globale Landwirtschaft und Welternährung.