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Südlink 181 - September 2017

Soziale Ungleichheit: Wenn die Reichen immer reicher werden

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt kaum ein Thema, das mit so vielen Mythen behaftet ist und über das so viele Halbwahrheiten verbreitet werden wie das der sozialen Ungleichheit. Da lohnt es sich, die Fakten genauer zu betrachten, einige Überraschungen sind gewiss. So bröckelt das Bild von der ach so ausgeglichenen Verteilung des Wohlstands in Deutschland und anderen Ländern mit sogenannter „sozialer Marktwirtschaft“. Denn auch wenn die Einkommensungleichheit in Deutschland im internationalen Vergleich relativ niedrig ist, so hat sie in den letzten zwanzig Jahren doch zugelegt. Vor allem aber ist die Ungleichheit bei der Verteilung des Vermögens laut Bundesbank „nach wie vor im internationalen Vergleich hoch“. Beschämt sollte so manche*r Politiker*in verstummen und nicht mehr länger vom Sozialparadies Deutschland fantasieren. Der Unterschied zwischen Arm und Reich war noch nie so groß wie heute, so Jens Martens und Wolfgang Obenland in ihrem Einleitungsbeitrag zum Dossier in diesem Südlink.

Selbst der Umstand, dass die globale Einkommensungleichheit in den letzten Jahrzehnten gesunken ist, bietet nur wenig Anlass zur Freude. Beruht dieser Trend doch fast ausschließlich auf den hohen Wachstumsraten einiger weniger aufstrebender Ökonomien wie China und Indien. Innerhalb dieser Länder hat die soziale Ungleichheit jedoch zugelegt – ein Trend, der für die meisten Länder weltweit gilt. Die Entwicklungsorganisation Oxfam hat diesen Skandal auf den Punkt gebracht: Acht Menschen besitzen zusammen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, mehr als drei Milliarden Menschen.

Dabei ginge es auch anders, eine so große soziale Ungleichheit wie die heute bestehende ist durch nichts zu rechtfertigen. Immerhin haben sich 193 Staats- und Regierungschefs bei der UN-Vollversammlung im September 2015 auf die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung geeinigt. Das Nachhaltigkeitsziel (SDG) 10 möchte die „Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern“ und formuliert dafür konkrete Vorhaben und Indikatoren. So sollen die Einkommen der ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung überproportional steigen.

Es bedarf keiner Zauberei, um das zu erreichen. Die Instrumente sind bekannt, sie müssen nur umgesetzt werden. Zentral ist eine andere, gerechtere Steuerpolitik. Zurecht fordert das SDG 10 auch eine verbesserte „Regulierung und Überwachung der internationalen Finanzmärkte“. Das ist Teufelszeug für die Apologeten der neoliberalen Globalisierung, der Widerstand gegen eine grundlegende Transformation der globalen Wirtschaftsarchitektur ist groß. Die Agenda 2030 kann helfen, die „Machtverhältnisse anzusägen“, wie Gabriele Köhler in ihrem Beitrag schreibt. Der Weg dorthin aber ist weit: „Es gilt nicht nur“, so Köhler, „die Austeritätspolitik der letzten Jahrzehnte zu kippen, sondern es geht sehr viel grundsätzlicher darum, die Instrumentalisierung des Staates durch das Kapital zu stoppen.“

Dass dies dringend nötig ist, können Sie in diesem Südlink lesen. Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Michael Krämer

Michael Krämer

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

Weitere online verfügbare Artikel aus dem Heft:

Jens Martens und Wolfgang Obenland: Ungleiche Entwicklung –
entwickelte Ungleichheit

Global gesehen nähern sich die Einkommen einander an – innerhalb der Länder aber steigt die Einkommensungleichheit, in Nord wie Süd.

Gabriele Köhler: Taten müssen folgen
Damit die Nachhaltigkeitsziele einen Beitrag zur Verringerung der Ungleichheit leisten können, muss man sie beim Wort nehmen.

Johannes Schorling: Wer verdient an der Schokolade?
Die Kakaolieferkette ist ein Paradebeispiel für globale soziale Ungleichheit.

Nil Mutluer: Beweise nicht nötig
Die Festnahme von zehn Menschenrechtsaktivist*innen in der Türkei ist völlig willkürlich.

Jürgen Gottschlich: Ein Land im Ausnahmezustand
Wer nicht für die Regierung ist, wird in der Türkei heute schnell des Terrorismus und der Verschwörung beschuldigt.

Jane Seruwagi Nalunga: Ausnahmen als Norm
Für die soziale Ungleichheit in Uganda ist auch das unfaire Steuersystem verantwortlich.