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Guatemalas Präsident Alvaro Colom hat Anfang September den Hungernotstand verkündet. Mehr als 450 Menschen sind bereits an den Folgen des Hungers gestorben, über 50.000 Familien sind von der Katastrophe bedroht. Vor allem sterben die unternährten Kinder. In Guatemala ist jedes zweite Kind unter fünf Jahren unterernährt, das ist die höchste Quote Lateinamerikas und die vierthöchste der Welt.
Lokale Nichtregierungsorganisationen machen die Regierung für die Katastrophe mitverantwortlich. Besonders betroffen ist die indigene Landbevölkerung. Während die Mayas kaum Unterstützung erhalten, fördert der Staat seit Jahren Großplantagen für den Anbau von Ölpalmen für die Biospritproduktion sowie den Goldabbau.
Die Hungersnot in Guatemala ist ein trauriger Beweis dafür, dass Hunger Folge von sozialer Ungerechtigkeit ist. Das kleine mittelamerikanische Land verfügt über genügend fruchtbaren Boden, so dass auch bei vorübergehenden, regionalen Dürren genügend Nahrungsmittel produziert werden kann. Doch den indigenen Völkern wird das Recht auf eigenes Land verweigert. Um Platz für Großplantagen für den Ölpalmbau zu schaffen, wurden allein in diesem Jahr bereits 20 Dorfgemeinschaften vertrieben.
Auch die INKOTA-Partnerorganisation COPAE berichtet von Vertreibungen. COPAE-Mitarbeiter dokumentierten, dass in der Region San Marcos mit zum Teil erpresserischen Methoden der vorwiegend indigenen Bevölkerung das Land zu Billigpreisen abgetrotzt wurde, um Platz für eine Goldmine zu schaffen. Heute wächst auf dem Land nichts mehr, das Wasser ist vergiftet und Brunnen ausgetrocknet. Die Menschen haben kein Geld, um sich Essen zu kaufen. Ihre Existenzgrundlage wurde durch den Goldabbau vernichtet.
Für die aktuelle Ernährungskrise in Guatemala ist die internationale Nothilfe angelaufen, an der sich auch Deutschland beteiligen wird. Nahrungsmittelhilfen in akuten Krisen sind gut und richtig, aber nachhaltige Hungerbekämpfung muss weitergehen. Auch die Bundesregierung und die EU müssen ihre Entwicklungszusammenarbeit stärker auf die Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft ausrichten und ein Importstopp für Biosprit aus Entwicklungsländern verhängen.
Damit die nächste Hungernothilfe überflüssig wird, muss vor allem die Diskriminierung und Vertreibung der indigenen Bevölkerung beendet werden und das Menschenrecht auf Nahrung umgesetzt werden. Guatemala braucht eine radikale Agrarwende, die eine kleinbäuerliche Landwirtschaft unterstützt und die lokale Nahrungsmittelproduktion fördert.