Warum laufend unterstützen?

Dietmar MückeDer Grund dafür, dass ich mich 1999 erstmals auch barfuss an Laufveranstaltungen beteiligte, war ausschließlich der, dass ich für die Leichtigkeit und den Spaß am Laufen werben wollte. Die Verkleidungen – bevorzugt die des Pumuckls– sollten dies unter- streichen. Daran hat sich bis heute nichts Grundlegendes geändert. In den letzten Jahren kam allerdings ein Aspekt hinzu, der alles andere als spaßig ist und den ich nicht auf die leichte Schulter nehmen kann. Mein Schuhverzicht bei manchen Läufen bekam plötzlich auch einen ernsten Hintergrund. Durch die Kampagne für Saubere Kleidung/ Clean Clothes Campaign wurde ich nämlich darauf aufmerksam, unter welchen zum Teil menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen die Großen der Branche die Bekleidung für uns Sportler fertigen lassen. Dies machte mich sehr betroffen, denn wie so oft trifft es auch hierbei die Armen dieser Welt, da die Produktionsstätten ausnahmslos in Ländern Osteuropas, Asiens, Afrikas sowie Lateinamerikas liegen.

Ich musste erfahren, dass die Beschäftigten bei ihrer Akkordarbeit meist utopischen Zielvorgaben unterliegen. Sie werden zu unbezahlten Überstunden, Nacht- und Wochen- endarbeit gezwungen. Urlaub ist häufig ein Fremdwort, Beschimpfungen, Bestrafungen, Schläge und sexuelle Belästigungen dagegen an der Tages- ordnung. Für all das werden sie dann mit Hungerlöhnen abgespeist, von denen nicht einmal ihre Familien ernährt werden können. Kinderarbeit ist die Folge und gleichzeitig bittere Notwendigkeit. Nur gemeinsam kann der Lebensunterhalt gesichert werden.

Was diese Menschen den Konzernen wirklich wert sind sieht man daran, dass es sogar vorkommt, dass ihnen am Arbeitsplatz nur verschmutztes Trinkwasser zur Verfügung steht. Obwohl dies bekannt ist, wird nichts daran geändert. Krankheiten der Arbeiter werden somit billigend in Kauf genommen. Darüber hinaus weisen viele Fabriken akute Sicherheitsmängel auf, welche nicht behoben werden. Großbrände und Einstürze mit unzähligen Toten und Verletzten bestätigen dies leider allzu oft. Versuche, sich gewerkschaftlich zu organisieren, werden im Keim erstickt. Jeder, der sich gegen diese Machenschaften zur Wehr setzt, muss mit seiner fristlosen Entlassung rechnen. Diese Zustände müssen so schnell wie möglich geändert werden. Einem Einzelnen dürfte dies kaum gelingen. Es gilt also, die breite Masse der Verbraucher auf diese Situation aufmerksam zu machen. Die Missstände und diejenigen, die dafür verantwortlich sind, müssen beim Namen genannt werden.

Es kann beispielsweise nicht sein, dass weiterhin viel weniger als ein Prozent vom Ladenpreis eines Sportschuhs als Lohnkosten ausgegeben wird, während die Ausgaben für die Werbung und der Realgewinn steigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Laufkollegen skrupellos– weil mit gutem Gewissen– mehrmals die Woche in ihre Sportklamotten schlüpfen. Sie haben sicher nicht ihre Moral verloren, wie es ganz offensichtlich bei den Mächtigen der Bekleidungsindustrie zu sein scheint. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass es den meisten so geht wie mir noch vor einigen Jahren; sie wissen nichts über die Herkunft der Utensilien, welche für uns Sportler so wichtig sind. Aus diesem Grund stelle ich mich so oft es mir möglich ist in den Dienst der Kampagne. Es ist notwendig, möglichst viele für das Schicksal derer zu sensibilisieren, die sich Tag für Tag für uns unterdrücken und ausbeuten lassen.

Mein Appell an alle Läufer:

Auch wenn bei meinem Outfit während des Einsatzes für faire Arbeitsbedingung meist die Farben rot/gelb/grün überwiegen, so wäre es doch großartig, wenn Ihr ab sofort auf den Laufstrecken dieser Welt auf die Kampagne aufmerksam machen würdet. Und wenn genügend von Euch mitmachen, so können aus kleinen Bächen einiger engagierter Bürger reißende Flüsse werden. Beweist wie beim Laufen Ehrgeiz und Ausdauer! Erklären wir uns also geschlossen solidarisch mit unseren Mitmenschen in den Entwicklungsländern, damit auch deren Menschen- und Arbeitsrechte in Zukunft eingehalten werden.
Wir sind es ihnen schuldig!

Dietmar Mücke
„Deutscher Meister“ im 24-Stunden-Lauf 2005 Guinness-Weltrekordhalter im 24-Stunden-Barfußlauf auf Asphalt Barfuss laufender „Pumuckl“

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