Schneller, höher ... Gerechter - PLAY FAIR2008

Die Kampagne PlayFair2008 ist ein weltweiter Zusammenschluss von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen, der sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der globalen Sportartikelindustrie einsetzt.

Seit den Olympischen Spielen in Athen 2004 fordert PlayFair2008 auch vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK/ IOC), dass internationale Arbeitsrechtsstandards in die Verträge mit Lizenznehmern integriert werden müssen.

Olympia und der Profit

ProtestinfoAm 08.08. 2008 starten die Olympischen Spiele in Peking. Athleten aus verschiedenen Erdteilen wetteifern um Medaillen und Erfolg. Internationale Sportbekleidungsunternehmen wetteifern im Voraus um die beste Platzierung. Enorme Summen werden gezahlt, damit die Marken im richtigen Licht mit den Olympischen Idealen stehen. Etwa 800.000 internationale und 1 Million inländische Besucher werden in Peking erwartet. Die Bilder der Veranstaltung -und die Werbung der Sponsoren - werden auf der ganzen Welt im Fernsehen zu sehen sein.

Das Internationale Olympische Komitee sieht in den Spielen "die effektivste aller internationalen Marketingplattformen für Unternehmen" mit der "Milliarden von Menschen in über 200 Ländern und Gebieten auf der ganzen Erde" erreicht werden (IOC - http://www.Olympic.org/uk/organisation/facts
/programme/sponsors_uk.asp
, Abrufdatum 06.06.2007). Allein in China rechnen die Firmen mit einem Zuwachs in der Sportartikelindustrie von etwa 20%.

Die Sommerspiele in Peking könnten die gewinnbringendsten seit Beginn der Olympischen Spiele werden. Mit einem Direktgewinn von über 225 Millionen US-Dollar wird gerechnet. Hein Verbruggen, Leiter der Koordinierungskommission des IOC: "Es würde mich nicht wundern, wenn diese Spiele mehr Gewinn einbringen als alle anderen Spiele zuvor."

Laut Informationen soll Adidas eine außergewöhnlich hohe Summe von 80 bis 100 Millionen US-Dollar in Geld und Waren u. a. für Sportuniformen bezahlt haben, um sich den Sponsorenvertrag für die Olympischen Spiele in Peking zu sichern. Das IOC hat weitere 11 Sponsoren, die für vier Jahre bis 2008 insgesamt 866 Millionen US-Dollar zahlen.

Arbeitsrechte ohne Wertung

Adi-lass-das SchuhAnlässlich des Treffens des Internationalen Olympischen Komitees (IOK/IOC) in London am 12. Juni 2007, veröffentlicht die Kampagne Playfair2008 den Bericht "Keine Medaille für Olympia!". Darin werden massive Arbeitsrechtsverletzungen in chinesischen Fabriken, die Merchandising Produkte wie Taschen, Kopfbedeckungen und Schreibwaren für die Olympischen Spiele in Peking herstellen, aufgedeckt.

Die ArbeiterInnen in den vier untersuchten Fabriken - Lekit Stationary Co, Mainland Headwear Holdings Ltd, Eagle Leather Products und Yue Wing Cheong Light Products - bekommen bis zu 50 % weniger Lohn als vorgeschrieben, sind teilweise unter 12 Jahre und werden dazu gezwungen Zwölfstundenschichten sieben Tage die Wochen zu arbeiten. Dazu kommen gesundheitsgefährdende Bedingungen. Freie Gewerkschaften gibt es in China keine. So können die ArbeiterInnen kaum ihre Rechte einfordern.

"Wir versuchen die Taschen mit dem Olympischem Logo fristgerecht fertig zu stellen, aber wir sind völlig erschöpft! Zum Teufel mit den Olympischen Produkten, ich bin zu müde", sagt ein Arbeiter im Interview zu den PlayFair- 2008 MitarbeiterInnen.

Die Olympische Bewegung und insbesondere das Internationale Olympische Komitee (IOK/IOC) hat sich jedoch geweigert anzuerkennen, dass in ihrer Lieferkette das Arbeitsrecht verletzt wird. Anstatt, im Hinblick auf diese Verstöße, Verantwortung für die Schaffung eines moralisch einwandfreien Marketing- und Lizenzprogramms zu übernehmen, wird ein anderes Marketingziel verfolgt.

Die "Mission" des Lizenzprogramms Peking 2008 ist es, "das Markenimage der Pekinger Spiele und des Chinesischen Olympischen Komitees (COC) zu för- dern". Das Programm will außerdem "die einzigartige Kultur Chinas und Pekings durch ein Angebot von verschiedenen traditionellen Produkten zum Ausdruck bringen, chinesische Unternehmen in das Lizenzprogramm ein- binden, chinesische Produkte präsentieren, die Formel "Made in China = Gute Qualität" in den Köpfen der Verbraucher verankern und Geldmittel für die Pekinger Spiele 2008 sammeln".

Traurigerweise finden Themen wie angemessene Entlohnung, grundlegende Arbeitsnormen oder auch nur die Einhaltung von lokalen Gesetzen nirgends Erwähnung.

Die Losung "One World - One Dream" wird lieber favorisiert. Für diejenigen, die die Sportartikel fertigen, scheint es eher ein Alptraum zu werden. Denn in diesem Wettkampf wird das PLAY FAIR auch bei den Mitverantwortlichen, den Markenfirmen und Sportartiklern, ganz, ganz klein geschrieben.

Arbeitsrechte statt Imagepflege

Unternehmen in der Sportartikelindustrie erwirtschaften Profite auf Kosten der Würde, Gesundheit und Sicherheit von ArbeiterInnen weltweit. Die ag- gressiven Einkaufspraktiken der großen Sportartikelfirmen stehen im Wider- spruch zu ihren eingegangenen ethischen Verpflichtungen. Damit die be- gehrte Sportbekleidung zu den von den Marken geforderten zeitlichen und Kostenkonditionen geliefert werden, zwingen die Zulieferer ihre Beschäftigten zu überlangen, unbezahlten Überstunden, zu Akkordarbeit bei Hunger- löhnen.

Wir fordern konkrete Verantwortungsübernahme der Sportartikelindustrie!

  1. unabhängigen Kontrollen und Verbesserungsmaßnahmen
  2. Gewerkschaftsfreiheit und
  3. existenzsichernden Lohn in der weltweiten Bekleidungsproduktion

Wir fordern vom Internationalen Olympischen Komitee:

Play Fair
  1. Eine klare und öffentliche Befür- wortung von grundlegenden Arbeitsnormen, insbesondere in der Lieferkette der Sportartikel- industrie und eine Aufnahme der Forderungen in die olympische Charta
  2. Bindende Formulierungen in Lizenz- und Sponsorenverträgen des IOC bezüglich der Arbeitsnormen in der gesamten Wertschöpfungskette der betroffenen Unternehmen
  3. Entwicklung von effektiven und wirkungsvollen Maßnahmen bei Verletzungen dieser Arbeitsnormen
  4. Konkrete Schritte zur Sicherstellung, dass die Nationalen Olympischen Komitees und die Organisationskomitees ebensolche Vorkehrungen beschließen und durchsetzen



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