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Lars StubbeKoordination Eilaktionen
Kampagne für Saubere Kleidung
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In der Industriestadt Savar nordöstlich der Hauptstadt Dhaka in Bangladesch stürzte am 11. April 2005 ein neunstöckiges Fabrikgebäude ein und begrub hunderte ArbeiterInnen unter sich. In dem Gebäude befanden sich die Fabriken Spectrum Sweaters Ltd und Shahriyar Fabriks Ltd. Monatelang warteten die Opfer auf die Behandlung ihrer Verletzungen und jahrelang auf die Zahlungen von Entschädigungen.
Im Juni 2005 reisten auf massiven Druck der Öffentlichkeit hin erstmals VertreterInnen europäischer Unternehmen nach Bangladesch, um sich über die Hintergründe der Spectrum-Katastrophe zu informieren – darunter auch ein Vertreter von Karstadt Quelle (heute Arcandor). Sie besuchten den Unglücksort und trafen sich vor Ort mit VertreterInnen der Regierung, von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. In Absprache mit der Arbeitgebervereinigung BGMEA (Bangladesh Garment Manufacturers and Employers Association) versprachen die europäischen Unternehmen einen Entschädigungsfonds einzurichten. Noch während des Besuchs der Delegation eröffnete die BGMEA eine Kontaktstelle am Unglücksort, um die Hintergründe des Unglücks aufzuarbeiten. Außerdem sicherten die europäischen Unternehmen zu, künftig bei der Vergabe von Aufträgen in Bangladesch auch auf die bautechnischen Standards zu achten. Im Juni und September des Jahres reisten UnternehmensvertreterInnen erneut nach Bangladesch.
In Deutschland trafen sich die Kampagne für Saubere Kleidung und die bangladeschische Textilgewerkschaft National Garment Workers Foundation (NGWF) mit dem damaligen Karstadt-Quelle-Vorstandsmitglied Helmut Merkel im Juni 2005 in Düsseldorf. In dem Gespräch sagte Herr Merkel zu, der NGWF eine Liste mit allen Karstadt-Quelle-Lieferanten in Bangladesch zu überreichen, um in Zukunft ähnliche Unglücke zu verhindern. Leider hat Herr Merkel bis heute sein Versprechen nicht umgesetzt.
Im Juni 2006 erklärte Inditex endlich in einem offiziellen Schreiben, einen Entschädigungsfonds einzurichten. Das spanische Unternehmen lud die anderen Unternehmen ein, sich zu beteiligen. Die Kalkulation über die benötigten finanziellen Mittel hatte über ein Jahr angedauert und basierte auf detaillierten Recherchen der Nichtregierungsorganisation Incidin Bangladesh. Der erforderliche Bruttobetrag zur Unterstützung der ArbeiterInnen wurde auf 533.323 Euro festgelegt. Der Vorschlag von Inditex sah vor, dass der Treuhänderfonds von einem Treuhänderausschuss geleitet wird, der VertreterInnen aller teilnehmenden Stakeholder-Gruppen einschließt. Neben den Beiträgen der Markenfirmen und Einzelhändler, die ihre Ware bei Spectrum gekauft hatten, waren Gelder des Fabrikbesitzers, der Regierung Bangladeschs, der BGMEA sowie Beiträge von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Einzelpersonen vorgesehen.
Die ersten Zahlungen waren ab September 2006 geplant gewesen. Jedoch erhielten die Opfer die ersten einmaligen Entschädigungszahlungen erst zwei Jahre nach der Katastrophe im April 2007 und erhalten regelmäßige Zahlungen erst seit Ende 2008 – fast vier Jahre nach dem Unglück.