Unterstützen Sie die Eilaktionen! Jetzt online Protest-Mails abschicken!
Ihre Spende für eine unabhängige Kampagnenarbeit. Jetzt online spenden!
Lars StubbeKoordination Eilaktionen
Kampagne für Saubere Kleidung
Tel.: 030 42 08 202-52
Fax: 030 42 08 202-10
Endlich erhalten die Opfer Entschädigungszahlungen. Deutsche Unternehmen beteiligen sich bislang nicht an den Zahlungen.

Am 11. April 2009 jährte sich zum vierten Mal der Einsturz der Spectrum-Fabrik in Bangladesch, bei dem 64 Menschen starben und 80 verletzt wurden, davon 54 schwer. Nach Jahren der Verzögerung kann die Kampagne für Saubere Kleidung nun endlich bekannt geben, dass die Opfer Entschädigungszahlungen erhalten. In Zusammenarbeit mit der Internationalen Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter-Vereinigung (ITBLV) hat der ehemalige spanische Fabrikeinkäufer Inditex (Zara) einen Entschädigungsfonds eingerichtet; verletzte ArbeiterInnen haben bereits einen Großteil der Zahlungen erhalten. Zahlungen an die Hinterbliebenen der verstorbenen ArbeiterInnen wurden eingeleitet. Deutsche Unternehmen wie Arcandor (Mutterkonzern der Karstadt-Warenhäuser), New Yorker, Steilmann, Kirsten Mode und Bluhmode, die bei Spectrum produzieren ließen, beteiligen sich bislang jedoch nicht an den Zahlungen.
Der Entschädigungsfonds – ursprünglich geplant ab September 2006 mit einer Summe von 533.000 Euro – soll den Opfern und ihren Familien ein monatliches Einkommen sowie medizinische Versorgung zusichern.
Im Dezember 2008 erhielten 40 der 54 verletzten ArbeiterInnen die ausstehenden Zahlungen für den Zeitraum von 2005 bis 2008 inklusive monatlicher Rentenbeträge, wobei bereits getätigte Zahlungen abgezogen wurden. Zwei ArbeiterInnen hatten die vollen Zahlungen bereits erhalten. Elf weitere ArbeiterInnen erhalten die Entschädigungen, sobald ihre Kontodaten bekannt sind. Ein Opfer, das nicht in der Spectrum-Fabrik angestellt war, erhielt ebenfalls Entschädigungszahlungen. Die Höhe der Entschädigungszahlungen richtet sich nach der Schwere der Verletzungen. Es ist außerdem vorgesehen, dass die Rentenbeträge um 4,2 Prozent pro Jahr erhöht werden. Momentan ist allerdings unklar, ob die gezahlten Beträge die jährlichen Erhöhungen sowie die Zinsen der letzten Jahre enthalten.
Fast alle verletzten ArbeiterInnen haben neue Jobs bei Zulieferern des spanischen Unternehmens Inditex oder in anderen Fabriken gefunden. Einige der jüngeren ArbeiterInnen haben ihre Ausbildung fortgesetzt und ihre Berufe gewechselt. Die Kampagne für Saubere Kleidung begrüßt diese Entwicklung, da behinderte ArbeiterInnen in der Bekleidungsindustrie oft diskriminiert werden. Sechs ArbeiterInnen leiden seit dem Einsturz an bleibenden Behinderungen und sind dauerhaft auf zusätzliche Zahlungen aus dem Entschädigungsfonds angewiesen. Vier weitere behinderte ArbeiterInnen hatten bisher regelmäßige Zahlungen erhalten, die aber zum Ende dieses Jahres auslaufen.
Fast alle Hinterbliebenen der verstorbenen ArbeiterInnen erhielten Ende 2008 einmalige Entschädigungszahlungen. Allerdings sind ihnen bisher keine Renten ausgezahlt worden, die nach den Vereinbarungen des Entschädigungsfonds ebenfalls vorgesehen sind. Da die Auszahlungen nun begonnen haben, hofft die Kampagne für Saubere Kleidung, dass dies möglichst bald nachgeholt wird.
Alle Informationen zur momentanen Situation der betroffenen Familien sowie zu den geleisteten Zahlungen wurden von der bangladeschischen Gewerkschaft National Garment Worker Foundation (NGWF), einer CCC-Partnerorganisation, bestätigt.
Da der Entschädigungsfonds nun endlich erfolgreich Zahlungen getätigt hat, können sich jene Unternehmen ihrer Verantwortung nicht weiter entziehen, die sich bisher geweigert hatten, sich an den Entschädigungszahlungen zu beteiligen. Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert die deutschen Firmen Arcandor, New Yorker, Steilmann, Kirsten Mode und Bluhmod sowie die französische Carrefour-Gruppe und das belgische Unternehmen Cotton Group auf, sich nun endlich an dem Entschädigungsfonds zu beteiligen.