E-Mail-Aktion an Autohersteller

Daimler/Mercedes: Auswertung der Antworten

1. Transparenz der Lieferketten
Daimler arbeitet nach eigener Aussage intensiv daran, Transparenz für die Lieferketten eingesetzter Rohstoffe herzustellen. In Bezug auf einzelne Rohstoffe wie Mica berichten sie von Erfolgen im Lieferkettenmanagement. Dieses Managementsystem soll aktuell auf andere Rohstoffe, wie Lithium und Kobalt ausgeweitet werden. Für Kobalt wurde bereits eine Lieferkette als Pilotprojekt extern auf die Umsetzung von Sorgfaltspflichten hin geprüft. Diese Prüfung soll nun für alle Kobalt-Zulieferer erfolgen. Transparenz über weitere Lieferketten hat Daimler zum heutigen Zeitpunkt nicht. Nach eigener Aussage arbeitet man schrittweise an den riskantesten Lieferketten. Für Lieferketten von Stahl, Aluminium und Metallen der Platin-Gruppe wurden einige Zulieferer zum Thema Menschenrechte befragt um die Transparenz zu erhöhen.

Die Transparenz nach außen ist noch deutlich steigerbar: Daimler veröffentlicht einen Link zu Kobalt-Schmelzen. Die Herkunft des Kobalts wird nicht dargestellt. Auch die Herkunft aller anderen Materialien und Rohstoffe ist bis dato nicht transparent einsehbar.

2. Verankerung menschenrechtlicher Sorgfalt in den Lieferketten

Wir begrüßen, dass Daimler eine umfassende interne Menschenrechts-Politik entwickelt hat. Das sog. Human Rights Respect System steht aktuell am Beginn der Umsetzung. Es wird nach eigener Aussage schrittweise für die Lieferketten von metallischen und mineralischen Rohstoffen angewandt. Größere Investitionen in die Prüfung der Lieferketten würde den Prozess beschleunigen.

Daimler schreibt von Maßnahmen zur Verbesserung der menschenrechtlichen Situation bei Zulieferern des Rohstoffs Mica, der im Lack verwendet wird. Unter anderem wurden in diesem Fall Vertragspartnerschaften aufgegeben, wo Menschenrechte durch Mica Zulieferern nicht geachtet wurden. Daimler beschreibt das Vorhaben, auch bei anderen Rohstoffen Trainings hinsichtlich menschenrechtlicher Risiken durchzuführen. Weitere Beispiele für Maßnahmen werden nicht genannt.

Wir begrüßen, dass Daimler nach eigenen Angaben mit der Weltarbeitnehmervertretung daran arbeitet, menschenrechtliche Risiken in ihrem Lieferketten festzustellen. Zudem erklärt Daimler ein Hinweisgebersystem eingerichtet zu haben, das per Mail, Post oder Formular genutzt werden kann. Für MitarbeiterInnen in Deutschland steht eine neutrale MittlerIn zur Meldung von Verstößen zur Verfügung.

Für SchürferInnen und ArbeiterInnen am Anfang der Lieferkette ist es jedoch notwendig, niedrigschwellige Melde-Mechanismen anzubieten. Diese müssen auch AnalphabetInnen zur Verfügung stehen und dürfen keine technischen oder finanziellen Voraussetzungen mit sich bringen. Zudem muss die Wahrung der Anonymität bei der Meldung von Menschenrechts-Verstößen gewährleistet sein.

3. Initiativen zur Stärkung von ökologischen Standards und Menschenrechten

Daimler ist Mitglied in unterschiedlichen Industrie-Initiativen die sich zum Ziel setzen, Rohstoffeinkauf nachhaltiger zu gestalten. Durch die Zusammenarbeit wollen sich Unternehmen gemeinsam freiwillige Standards für den Rohstoffeinkauf geben und sich durch Informationsaustausch unterstützen. Diese Idee ist hilfreich, um insbesondere kleinen Unternehmen zu ermöglichen, transparente Lieferketten aufzubauen. Die bisherigen Ergebnisse der Arbeit in den Industrie-Initiativen liegen vor allem im internen Abstimmungsprozess. Von nachgewiesener Verbesserungen der Lebensbedingungen der Bevölkerung vor Ort wurde bisher nicht berichtet.
Daimler beteiligt sich nach eigenen Angaben an einem gesellschaftlichen Projekt der Hilfsorganisation Bon Pasteur in der Demokratischen Republik Kongo, mit dem Ziel, die Lebensbedingungen einer Gemeinde in der Kobalt-Abbauregion Kolwezi zu verbessern. Den Ansatz, Menschen dabei zu unterstützen, alternative Wirtschaftszweige aufzubauen, befürworten wir. Die Verantwortung rohstoffverarbeitender multinationaler Unternehmen liegt allerdings in allererster Linie in der Ausgestaltung ihrer Einkaufspraktiken und der Gewährleistung von Menschenrechten und Umweltschutz entlang ihrer Lieferketten. Ein umfassendes Risikomanagement, eine faire Preispolitik die es ArbeiterInnen ermöglicht ihre Familien zu ernähren, die Einrichtung von Beschwerdemechanismen, die Unterstützung von Kooperativen und die Zusammenarbeit mit lokalen MenschenrechtsbeobachterInnen müssen daher im Fokus unternehmerischer Bemühung zu mehr Nachhaltigkeit stehen.

4. Wirkung der Aktivitäten

Daimler beschreibt die unabhängige Prüfung einer zukünftigen Kobalt-Lieferkette durch ein unabhängiges Monitoring-Unternehmen, in deren Zusammenhang auch mit betreffenden Zulieferern an Verbesserungsmaßnahmen gearbeitet wird. Weitere Prüfungen sollen folgen. Die Ergebnisse der bislang durchgeführten unabhängigen Prüfung sind nicht auf der Daimler Webseite einsehbar, was einen deutlichen Mangel an Transparenz darstellt und Aussagen über die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen für die interessierte Öffentlichkeit unmöglich macht.

5. Wo sehen wir Handlungsbedarf?

Daimler erklärt, bereits eine unternehmensinterne Menschenrechts-Politik erarbeitet zu haben. Wir begrüßen diesen ersten Schritt zu Verbesserung der menschenrechtlichen Situation entlang der Lieferketten. Die Umsetzung der Politik steckt bisher jedoch noch in den Kinderschuhen: Einzelne Rohstoffe werden nacheinander betrachtet, einzelne Lieferketten wurden unabhängig ausgewertet und einzelne Maßnahmen zur Verbesserung eingeleitet. Angesichts der Vielzahl von menschenrechtlichen und ökologischen Problemen beim Rohstoffabbau sollte Daimler hier deutlich mehr Geld und Zeit investieren. Solange keine Wirkungen vor Ort erzielt werden, bleiben Bemühungen wertlos für die Bevölkerung.

Bezüglich der Transparenz sehen wir auch bei Daimler erheblichen Nachholbedarf: Mehr Investition in die Erforschung der eigenen Lieferketten ist dringend notwendig um alle weiteren Schritte zur Minderung menschenrechtlicher Risiken anzugehen. Die Transparenz nach außen hin erschöpft sich ebenfalls in sehr oberflächlichen Informationen: Welche Ergebnisse zeigt die Arbeit von Daimler? Woher kommen die Rohstoffe in Ihren Autos? Welche Verbesserungen konnten Sie konkret erzielen?

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