E-Mail-Aktion an Autohersteller

VW: Auswertung der Antworten

1. Transparenz der Lieferketten
Aus der Antwort von VW ist zu schließen, dass dem Unternehmen viele Informationen zu seinen Lieferketten nicht vorliegen und VW keinen Einfluss auf die Erteilung von Auskünften seitens Vertragspartnern besitzt. Warum das Unternehmen seine vertragsbasierte strategische Steuerungsposition gegenüber Zulieferern nicht nutzt, um umfassende Auskünfte hinsichtlich der Lieferketten einzufordern, ist angesichts der weltweit erheblichen menschenrechtlichen und ökologischen Herausforderungen beim Rohstoffabbau schlicht unverständlich.
Wir bedauern, dass keine der nachgefragten Informationen transparent an die interessierte Öffentlichkeit kommuniziert werden.

2. Verankerung menschenrechtlicher Sorgfalt in den Lieferketten

Aus der Antwort ist lediglich zu entnehmen, dass durch VW Nachhaltigkeitsanforderungen vertraglich von Geschäftspartnern eingefordert werden. Ab dem laufenden Jahr werden Lieferanten vorab mit einem Nachhaltigkeits-Ranking bewertet werden. Welche Kriterien diesem Ranking im Detail zugrunde liegen und wie der VW Konzern die Einhaltung der Vorgaben kontrolliert oder sanktioniert ist nicht ersichtlich.

Es obliegt der Antwort zufolge den Lieferanten, sicherzustellen, dass die Forderungen ihrerseits an Zulieferer weitergegeben werden. Unabhängige Prüfungen der Lieferketten werden nicht erwähnt.
Hinweise von Dritten werden dem Schreiben zufolge ernst genommen. Wie diese konkret bearbeitet werden und ob bereits ein niedrigschwelliger Beschwerdemechanismus eigerichtet wurde, ist jedoch nicht aus der Antwort ersichtlich.

3. Initiativen zur Stärkung von ökologischen Standards und Menschenrechten

VW ist wie die anderen großen Automobilunternehmen Mitglied in unterschiedlichen Industrie- Initiativen, wie der Responsible Minerals Initiative (RMI), der Global Battery Alliance oder DRIVE. Über diese Zusammenschlüsse von Herstellern ist es möglich, gemeinsam potentielle Risiken zu erforschen und unternehmensübergreifende Maßnahmen für die Verbesserung der menschenrechtlichen Situation in den Abbauregionen auf den Weg zu bringen. Die alleinige Mitgliedschaft in einer Industrie-Initiative besagt hingegen noch nichts über deren Wirkung noch gibt sie Aufschluss über das tatsächliche menschenrechtliche Engagement eines Unternehmens. Die Maßnahmen dieser Initiativen, sowie deren Wirkung vor Ort, müssen wissenschaftlich ausgewertet und der kritischen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

4. Wirkung der Aktivitäten

Ob die Wirkung der Arbeit des VW Konzerns im Nachhaltigkeitsbereich und für Menschenrechte unabhängig geprüft wird, ist aus der Antwort nicht ersichtlich.

5. Wo sehen wir Handlungsbedarf?

Wir sehen erhebliche Mängel in der Kommunikation des VW Konzerns gegenüber der interessierten Öffentlichkeit. Nach der erfolgten Antwort bleiben viele unsere Fragen unbeantwortet und es entsteht der deutliche Eindruck, dass menschenrechtsbasiertes Lieferkettenmanagement eine völlig untergeordnete Rolle für den Konzern spielt.

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