Montag 08.06.20

„Letztes Jahr der Zyklon, und nun droht der nächste Rückschlag“

J. MacRobert/CIMMYT, https://www.flickr.com/photos/cimmyt/9371384869

Mosambik befindet sich seit einigen Wochen in einem Lockdown, die Menschen sind aufgefordert, möglichst zuhause zu bleiben, die Grenzen zu den Nachbarländern sind geschlossen. Das wirkt sich besonders auf das Leben derjenigen Menschen aus, die kein geregeltes Einkommen und keine soziale Absicherung haben. Die Versorgungslage hat sich verschlechtert, auch hier in der Hauptstadt Maputo. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind gestiegen – ein Beispiel ist Zucker. Vor der „Corona-Krise“ haben Händler*innen auf dem Markt 100 Meticais (rund 1,35 Euro; Anm. der Redaktion) für drei Kilogramm Zucker verlangt. Nun liegt der Preis schon bei 85 oder sogar 100 Meticais für nur ein Kilo! Dabei wird Zucker sogar in Mosambik produziert, aber die Fabriken können nicht wie gewohnt arbeiten. 

Auch Waren, die aus Südafrika importiert werden, sind teurer geworden. Kartoffeln oder Tomaten werden oft von informellen Händler*innen über die Grenze gebracht, das ist nun alles schwer möglich. Dabei ist der informelle Grenzhandel eine wichtige Einkommensquelle, insbesondere für Frauen.

Der informelle Handel ist insgesamt stark betroffen – rund 88 Prozent der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung in Mosambik arbeitet im informellen Sektor. Diese Leute müssen raus, um zu arbeiten, sie verkaufen ihre Waren in den Straßen. Aber auch die Bauern und Bäuerinnen die Subsistenzwirtschaft betreiben, zählen dazu. Sie alle müssen arbeiten, um sich und ihren Familien mit wenigstens einer Mahlzeit am Tag versorgen zu können.

Unausgewogene Maßnahmen treffen Landbevölkerung

Mit den Bauern und Bäuerinnen aus unserem Projekt in Zentralmosambik sind wir im ständigen Kontakt. Wir machen uns Sorgen um ihre Ernährungssituation. Erst im letzten Jahr waren viele von ihnen vom Zyklon Idai betroffen und haben ihre gesamte Ernte verloren. Und nun droht der nächste Rückschlag. Viele hatten sich gerade erst vom Zyklon und seinen Folgen erholt und die Felder instand gesetzt. Und nun sollen die Menschen zu Hause bleiben – aber wie soll das gehen? Auch sind viele der kleinen Märkte auf dem Land geschossen worden, damit sich nicht zu viele Personen versammeln. Damit fallen auch die wenigen Einnahmen weg, die sonst auf den lokalen Märkten erzielt wurden. Die großen Märkte in den Städten sind allerdings noch geöffnet. Unserer Meinung nach hätten die Maßnahmen besser abgestuft sein müssen, aber die Regeln auf dem Land sind die gleichen wie in Maputo.

Und eine weitere Sache bereitet uns Sorgen: Wir fürchten, dass einige der großen Investoren auf dem Land die Situation ausnutzen könnten, um sich Zugänge zum Land der Bauern und Bäuerinnen zu verschaffen. Einige Gemeinden haben uns bereits berichtet, dass beispielsweise Portucel, ein großer Eukalyptusproduzent, sie kontaktiert hat. Wir raten den Gemeinden, vorsichtig zu sein – viele Menschen sind in einer verzweifelten Lage, und die Aussicht auf kurzfristige Gewinne könnte sie dazu bringen, auch auf unvorteilhafte Geschäfte einzugehen. Wir fordern deshalb, dass für die Zeit des Ausnahmezustands keine Landtitel an Unternehmer*innen vergeben werden.

Aus dem Portugiesischen von Christine Wiid.

 

Belmira Mondlane (linkes Foto) ist Referentin für Lobby und Advocacy und Perito Alper (rechtes Foto) Referent für Menschenrechte bei der INKOTA-Partnerorganisation ADECRU in Mosambik. INKOTA finanziert derzeit ein Projekt von ADECRU zur Durchsetzung von Land- und Forstrechten für ländliche Gemeinden in Zentralmosambik.

 Dieser Bericht ist eine Vorveröffentlichung aus der bald erscheinenden Ausgabe 192 des Südlink-Magazins.

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