Dienstag 09.06.20

Der neue Südlink ist da

Liebe Leser*innen,

mit der Verabschiedung der ILO-Konvention 190 gegen Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt wurde im vergangenen Jahr ein wichtiger Erfolg für den Schutz von Arbeiter*innenrechten errungen. Noch ist die Konvention nicht offiziell in Kraft getreten, und sie muss auch noch von möglichst vielen Staaten ratifiziert und in nationales Recht umgesetzt werden. Aber sie gibt Gewerkschaften und allen Betroffenen ein wichtiges Instrument an die Hand, um in Zukunft gegen Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz vorzugehen. Auch ist die Konvention erfreulich weit gefasst und führt sehr konkret aus, was unter Gewalt und Belästigung zu verstehen ist.

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Ein so schöner wie seltener Erfolg im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Diese ist, so Virginie Le Masson, der „schlimmste Ausdruck der Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern“. Sie ist weltweit und an allen Orten anzutreffen: zu Hause und im öffentlichen Raum, in der Arbeit und in der Freizeit. Gewalt kann körperlich, sexuell, psychisch und ökonomisch sein. Nicht immer, aber meistens sind die Opfer Frauen und Mädchen. Auch Personen mit diversen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten werden zur Zielscheibe. Die Täter hingegen sind meistens Männer, die damit Kontrolle über andere, zumeist weibliche Körper ausüben wollen. Toxische Männlichkeit, die sich häufig mit großer Brutalität bis hin zum Mord äußert.

Gegen diese Feminizide ist vor allem in Lateinamerika in den letzten Jahren eine starke Gegenbewegung entstanden. „Ni una menos“ („Nicht eine weniger“) fordern feministische Gruppen und haben in vielen Ländern große Teile der Gesellschaft mobilisiert. Die Aktionen feministischen Widerstands reichen hin bis zu Streiks mit massenhafter Beteiligung. Sie verlassen die Opferperspektive und stellen „Gender-Gewalt aktiv und nachdrücklich in den Kontext der patriarchalen Logik“, so Elena von Ohlen. Mit Erfolg. Die feministischen Mobilisierungen gegen Gewalt sind in gleich mehreren Ländern Lateinamerikas die stärksten sozialen Bewegungen der letzten Jahre.

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Das sind Erfolge, gegen die Rechtspopulist*innen und konservative religiöse Kräfte weltweit vorzugehen versuchen. Wie sie selbst die aktuelle Coronavirus-Pandemie in ihre antifeministische und gender-feindliche Strategie einbauen, zeigt Christa Wichterich an mehreren Beispielen. Überhaupt führt die Coronakrise mit ihren teils sehr restriktiven Ausgangsbeschränkungen zu einer massiven Verletzung der Rechte von Frauen und Mädchen. In unserem Corona-Extra beschreibt die salvadorianische Feministin Morena Herrera „die wachsende Gewalt, die sie nun hinter verschlossenen Türen erleiden“. Ein Problem, das in den öffentlichen Politiken viel zu wenig Berücksichtigung findet.

Neben unserem Dossier möchten wir Ihnen dieses Corona-Extra empfehlen, das einen besonderen Fokus auf die Auswirkungen der Pandemie in den Ländern des globalen Südens legt.

Eine Horizont erweiternde Lektüre wünscht Ihnen

Michael Krämer

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

 

 

 

 

Themenspezifische Artikel aus dem Südlink:

Virginie Le Masson: Der schlimmste Ausdruck von Ungleichheit

Christa Wichterich: Kulturkampf um Geschlecht und Familie

Christina Stockfisch: Ein Meilenstein für die Arbeitswelt

Corona-Extra:

Michael Krämer und Tobias Lambert: Solidarität in engen Grenzen

„Letztes Jahr der Zyklon, und nun droht der nächste Rückschlag“

Die Gewalt hinter verschlossenen Türen

Zwischen Fakten und Fiktion

Kolumne:

Schwarzes Leben in Deutschland


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