Mittwoch 09.09.20

Der neue Südlink ist da

Liebe Leser*innen,

mehr als 65 Milliarden US-Dollar ließ sich der Bayer-Konzern den US-amerikanischen Agrar- und Gentechnikriesen Monsanto bei dessen Übernahme im Jahr 2016 kosten. Ein wichtiger Anreiz für den Megadeal war das von Monsanto entwickelte Glyphosat, das weltweit am meisten verkaufte Pestizid.

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Wie wenige andere steht Monsanto als Symbol für eine fehlgeleitete Agrarindustrie und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Vergiftung von Mensch und Umwelt, der Beschleunigung des Klimawandels und zum Verlust an Biodiversität. Doch auch von der weit verbreiteten Kritik, mit Monsanto einen wegen seiner Geschäftspraktiken in vielen Regionen der Welt verhassten Konzern zu erwerben, ließ sich Bayer nicht beirren. Zu attraktiv erschien Glyphosat angesichts eines Weltmarkts für Pestizide, auf dem bereits im Jahr 2018 rund 58 Milliarden US-Dollar umgesetzt wurden, Tendenz steigend. Noch erscheint der Kauf von Monsanto als Fehlinvestition: Zu groß sind die Kosten für bereits bezahlte und noch ausstehende Strafen in zehntausenden Verfahren allein in den USA, in denen Menschen, die Glyphosat nutzten, schwer, zumeist an Krebs erkrankten. Die Klagewelle gegen Bayer-Monsanto ist allerdings nur das prominenteste Beispiel für die großen Gefahren, die weltweit von hochgefährlichen Pestiziden ausgehen.

Über 300 Produkte umfasst die Liste hochgefährlicher Pestizide, die das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) seit 2009 erstellt und laufend aktualisiert. Vehement kritisiert die Agrar- und Chemieindustrie diese Liste, die auch die Kriterien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einbezieht. Und doch konnten Umwelt-, Entwicklungs- und viele andere Organisationen in den letzten Jahren Erfolge beim Verbot einiger Pestizide erzielen. Zum Beispiel in Europa, wo besonders gefährliche Pestizide, die hormonell wirksam, erbgutschädigend oder krebserregend sind, nicht mehr zugelassen werden. Auch wurde einer ganzen Reihe gefährlicher Pestizide oder Wirkstoffe, wie zum Beispiel dem hoch toxischen Paraquat, in der EU bereits die Genehmigung entzogen – oder ist eben diese Genehmigung schwer umkämpft wie bei Glyphosat, das mit tausenden Todesfällen weltweit in Verbindung gebracht wird.

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Gemeinsam mit dem Pestizid Aktions-Netzwerk hat INKOTA nun die Kampagne „Giftexporte stoppen!“ gestartet. Noch immer dürfen europäische Konzerne wie Bayer oder BASF Wirkstoffe und Pestizidprodukte, die in der EU als zu gefährlich gelten und daher verboten sind, ins Ausland exportieren oder sie dort produzieren. Ein gefährlicher Doppelstandard, der auf Kosten der Gesundheit der Menschen und der Umwelt im globalen Süden geht. Dieser Skandal muss ein Ende haben!

Auch Sie können uns dabei unterstützen und zum Beispiel unseren Appell an die Bundesregierung zum Verbot dieser Giftexporte unterschreiben. Machen Sie mit – am besten nachdem Sie sich in diesem Dossier gut informiert haben.

Eine anregende und motivierende Lektüre wünscht Ihnen

Michael Krämer

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

 

 

 

 

 

Lesen Sie hier einige Artikel aus dem Südlink 193

Lena Luig: Gift auf dem Acker

Johannes Schorling: Gegen Moral Distancing

Gloria Silvia Orellana: Wenn die Nieren versagen

Daniel Baumert und Raymond Owusu-Achiaw: Zu gefährlich für Mensch und Natur

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