Kampagnen-Infos, Mit-Mach-Aktionen, Termine - Abonnieren Sie den INKOTA-Newsletter und bleiben Sie auf dem Laufenden!

Donnerstag 10.08.17

„Wir haben tausende Bäume gepflanzt“

Odesar

Flor Martínez, Koordinatorin des Projekts der INKOTA-Partnerorganisation ODESAR

Flor Martínez aus Nicaragua berichtet von der Stärkung ländlicher Gemeinden und dem Kampf gegen den Klimawandel

Die hügelige Region Matagalpa im Zentrum von Nicaragua eignet sich hervorragend für den Anbau von Kaffee und Kakao. Doch die bestehenden Landbesitzverhältnisse lassen nicht zu, dass ein Großteil der ländlichen Bevölkerung an den Exportgewinnen dieser Luxusgüter teil hat. Daran hat auch die Agrarreform der sandinistischen Regierung kaum etwas verändert. Nicaragua gehört knapp vier Jahrzehnte nach der Revolution noch immer zu den am stärksten von Armut betroffenen Ländern Lateinamerikas. Die Situation von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in ländlichen Gemeinden Matagalpas zu verbessern ist ein Ziel von INKOTAs Partnerorganisation ODESAR. Wir sprachen mit der Projektkoordinatorin Flor Martínez über die wichtigsten Erfolge ihrer Arbeit. 

Seit nunmehr 18 Jahren arbeiten ODESAR und INKOTA zusammen und haben in Matagalpa einiges bewegt. Wie war die Situation in den ländlichen Gemeinden früher? Was waren die größten Probleme?
Früher hatten die Familien keinen Zugang zu Trinkwasser und keine sanitären Einrichtungen. Es gab kaum befestigte Straßen, so dass man viele Gemeinden mit dem Auto gar nicht erreichen konnte. Es wurde enorm viel abgeholzt und brandgerodet, weshalb ganze Landstriche entwaldet und starker Erosion ausgesetzt waren. Die Mehrzahl der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern besaß nur wenig Land, auf dem meist ausschließlich die Grundnahrungsmittel Mais und Bohnen angebaut wurden.

Wie geht es den Familien heute?
In den Gemeinden, in denen wir aktiv sind, geht es den Menschen deutlich besser als früher. Zusätzlich zu Mais und Bohnen bauen sie heute eine Vielzahl an Gemüse- und Obstsorten an. Dadurch ernähren sich die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern deutlich gesünder. Mit einer großen Wiederaufforstungskampagne haben wir tausende Bäume gepflanzt – insbesondere in den Einzugsgebieten der Wasserquellen. Dadurch haben sich die Quellen etwas erholt. Den Menschen steht wieder mehr Wasser zur Verfügung. Dies hat ihre Lebensbedingungen deutlich verbessert.

Welche weiteren Veränderungen haben Sie mit Ihrer Arbeit erreicht?
Die Familien, mit denen wir zusammenarbeiten, benutzen kaum noch chemische Düngemittel, sondern stellen ihren eigenen organischen Dünger her. Auch verbrennen sie nicht mehr die Ernterückstände und Unkraut, bevor sie ihre Felder bestellen. Um den Boden vor Erosion zu schützen, wurden auf den teilweise sehr steilen Feldern an den Hängen Terrassen angelegt und Hecken gepflanzt, die als Schutzwälle dienen. Insgesamt hat ein starker Wandel hin zu mehr Umweltbewusstsein stattgefunden. Die Menschen haben viel Neues gelernt und sind heute stärker organisiert. In den Gemeinden sind jetzt beispielsweise verschiedene Frauen- und Jugendgruppen aktiv. Frauen sind an Entscheidungsprozessen auf Gemeinde- und Landkreisebene beteiligt. Das wäre früher kaum denkbar gewesen!

Das klingt tatsächlich nach einem grundlegenden Wandel. Wo liegt die größte Herausforderung für die Zukunft?
Die größte Bedrohung für uns ist der Klimawandel, von dem wir hier in Nicaragua besonders stark betroffen sind. So erlebten wir in den letzten Jahren immer wieder starke Dürren und damit verbundene Ernteausfälle – eine Gefahr für die Ernährungssicherheit vieler kleinbäuerlicher Familien. Deswegen müssen wir zusätzliche Anpassungsmaßnahmen ergreifen.

Welche Maßnahmen stellen Sie sich konkret vor?
Ein großer Bedarf besteht immer noch darin, die Wasserversorgung der Familien ganzjährig sicherzustellen. Sinnvoll wären zum Beispiel Systeme, die das Regenwasser während der Regenzeit auffangen und speichern, damit es in der Trockenzeit zum Gießen der Pflanzen genutzt werden kann. Gleichzeitig müssen die Industrieländer ihre Treibhausgasemissionen reduzieren. Viele Menschen des globalen Nordens machen sich kaum Gedanken über den Schutz der natürlichen Ressourcen. Sie leben im Heute und denken weder an ihre eigene Zukunft noch an die Zukunft der künftigen Generationen. Das wäre aber wichtig, damit alle Menschen in Harmonie leben können – schließlich ist die Erde der einzige Planet, den wir haben.

Das Gespräch führte Isabell Nordhausen (INKOTA-netzwerk).

Mehr lesen über dieses Projekt der INKOTA-Partnerorganisation ODESAR

Spenden für dieses Projekt

nach Oben