Donnerstag 13.08.20

Nothilfe nach Zyklon und langfristige Unterstützung

Dank der Wiederaufbauhilfe von UNAC sind die Ernteaussichten in den unterstützten Gemeinden gut, auch der Mais auf Berta Ciprianos Feldern wächst wieder. Foto: INKOTA-Netzwerk

Im Frühjahr 2019 wollten wir unser neues Projekt mit ADECRU in Mosambik starten. Unsere Partnerorganisation hatte uns um Unterstützung gebeten, um Land- und Forstrechte für die Menschen in Mosambik zu sichern und Bauern und Bäuerinnen gegenüber den großen Eukalyptusproduzenten zu stärken. Denn in einigen Provinzen Mosambiks beanspruchen diese große Flächen und schränken den Zugang der Menschen zu Land drastisch ein. Doch dann kam alles anders: Zyklon Idai machte einen großen Strich durch die Rechnung.

Mitte März hat der tropische Wirbelsturm in Zentralmosambik schwere Verwüstungen angerichtet. Idai traf nahe der Großstadt Beira auf Land. Er zog von dort landeinwärts weiter nach Simbabwe. Fast tausend Mosambikaner*innen verloren ihr Leben, Hunderttausende ihr Zuhause. Mitten in der Erntezeit wurden mehr als 700.000 Hektar Ackerland zerstört – eine Fläche ungefähr dreimal so groß wie das Saarland. Ganze Regionen waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten.

Auch Dörfer und Gemeinden aus der Projektregion von ADECRU waren stark betroffen. Für ADECRU stand sofort fest, dass schnelle Nothilfe geleistet werden muss. „Es gab keinen Strom und deshalb auch keine Kommunikation. Zeitweise war es auf dem Landweg nur über kleine Kanus möglich, Beira zu verlassen oder zu erreichen“, berichtete uns Jeremias Vunhanje, der Geschäftsführer von ADECRU. „Aus den Projektgemeinden in den Provinzen Manica und Sofala haben wir schnell erfahren, dass hunderte Menschen alles verloren haben – ihre Felder, ihre Vorräte, sogar ihre Kleidung. Sie konnten nur ihr Leben retten.“

Um die Menschen wenigstens mit dem Überlebensnotwendigsten auszustatten, organisierte ADECRU die Verteilung von Nothilfepaketen in einigen besonders betroffenen Dörfern in der Provinz Sofala. Hierbei konnte ADECRU auf Unterstützung aus Deutschland zählen: Ein Nothilfeaufruf von INKOTA erzielte eine enorme Resonanz bei unseren Unterstützer*innen. ADECRU konnte die Nothilfepakete auch dank der Spendenaktion unter anderem mit Reis, Mehl, Zucker, Bohnen, Speiseöl, Seife und Kerzen für jeweils eine Familie ausstatten. „Der Transport in die notleidenden Dörfer war schwierig: Die Straßen waren in einem sehr schlechten Zustand“, berichtete Jeremias Vunhanje uns. Aber mit der Aktion ist es ADECRU gelungen, zumindest die akute Not zu lindern und Engpässe zu überwinden.

Klimawandel verstärkt Extremwetter

Zyklone kommen in Mosambik regelmäßig vor und sind an sich kein Ausdruck des Klimawandels. Allerdings steht zu befürchten, dass solche Extremwetterereignisse in Mosambik wegen der Erderwärmung häufiger vorkommen werden als bisher. Wenn sich die Meere aufheizen, beeinflusst das die Stärke der Stürme. Mosambik grenzt in seiner ganzen Länge ans Meer. Es gehört weltweit zu den Ländern, die schon jetzt am stärksten vom Klimawandel betroffen sind.

Auch die INKOTA-Partnerorganisation UNAC entwickelt Strategien, damit Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in Mosambik besser mit den gravierenden Folgen des Klimawandels leben können. Unsere Partner*innen haben die Menschen aus dem Projektgebiet aber auch beim Wiederaufbau nach dem Zyklon unterstützt. Idai hatte einen Großteil der Getreideernte zerstört, vielen Menschen droht noch immer der Hunger. Mit Spenden aus der INKOTA-Wiederaufbauhilfe bekamen die Menschen zudem Wellblech und Holz sowie Hämmer und Nägel, um auch den Wiederaufbau ihrer Häuser zu starten. „Ich bin mit meiner Tochter gerade noch rechtzeitig rausgerannt – Minuten später wurde unser ganzes Haus weggerissen. Wir haben alles im Sturm verloren“, erzählte uns Berta Cipriano, die in der Provinz Manica am UNAC-Projekt teilnimmt. Auch Hacken und Sensen, Gießkannen und Schläuche haben unsere Partnerorganisationen gekauft und verteilt. So konnten die Familien rechtzeitig zur nächsten Aussaat wieder ihre Felder bestellen.

Mit lokalem Saatgut zu Ernährungssicherheit

Auch die lokalen Saatgutbanken und Tauschbörsen für lokales Saatgut, die Teil des Projekts mit UNAC sind, haben sich in der Krise als sehr hilfreich erwiesen. Nur so war trotz Zyklon und Überschwemmungen lokales Saatgut für Mais, Bohnen, Zwiebeln oder Tomaten vorhanden und konnte neu ausgesät werden. Wer kein Saatgut mehr hatte, konnte über die Tauschbörsen von UNAC neues Saatgut erhalten.

Gerade der Nachbau von robusten lokalen Saatgut-Sorten ist eine wichtige Maßnahme von UNAC, um auf den Klimawandel zu reagieren: Dieses Saatgut ist an das sich verändernde Klima angepasst – wie etwa lokale Maissorten, die dürreresistenter sind als das Hybrid-Saatgut der großen Agrarkonzerne. Jimi Sete, ein Bauer aus Manica, spürt den Klimawandel bereits: „Der Regen wird weniger. Früher wussten wir, wann wir aussäen müssen, heute können wir nicht mehr sagen, wann der beste Zeitpunkt für die Aussaat ist.“

UNAC setzt deshalb auch darauf, dass die kleinbäuerlichen Familien nicht nur Mais sondern auch anderes Getreide und unterschiedliches Obst und Gemüse anbauen. Denn Mais ist sehr anfällig, braucht viel Regen zur richtigen Zeit und reift langsam. Ganz darauf zu verzichten, ist in Mosambik kaum denkbar: Für viele Menschen ist er noch immer Hauptnahrungsmittel. UNAC versucht allerdings, den Anbau traditioneller Feldfrüchte wie Maniok, Süßkartoffeln oder Hirse wieder anzuregen. Diese brauchen weniger Wasser und sind dürretoleranter. Außerdem sensibilisieren unsere Partnerorganisationen die Menschen für Klimafragen. Im vielen Gegenden ist beispielsweise die Brandrodung zur Herstellung von Holzkohle noch weit verbreitet. Um eine Wiederaufforstung anzuregen, gehört eine kleine Baumschule zum Projekt, in der die Menschen Setzlinge für Obstbäume ziehen.

Dank der Unterstützung von UNAC und ADECRU haben die Menschen trotz der großen Katastrophe, die der Zyklon bedeutet hat, den Mut nicht verloren. Und auch das wichtige ADECRU-Projekt, das die kleinbäuerlichen Familien gegenüber den Eukalyptusproduzenten stärkt, konnte erfolgreich starten.

Dieser Text ist im Jahresbericht 2019 erschienen

Lesen Sie den ganzen INKOTA Jahresbericht 2019

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