Dienstag 16.06.20

Modeunternehmen zur Verantwortung ziehen

Jahrzehnte ausbeuterischer Arbeitsbedingungen haben die überwiegend weiblichen Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie in Armut gehalten. Die Fabrikschließungen und die Gesundheitsrisiken der Pandemie treffen die Arbeiter*innen, die meist ohne jegliche Ersparnisse in prekären Verhältnissen leben, mit voller Härte.

Die Armutslöhne in der globalen Bekleidungsindustrie führten schon vor der Krise zu prekären Lebensbedingungen und erlauben keine Rücklagen für Notsituationen. Der Verlust der Arbeit oder ausbleibende Lohnzahlungen bedeuten nun für viele Menschen unmittelbar Hunger und einen drohenden Verlust des Wohnraums.

Appell: Was wir von Modefirmen, Einzel- und Online-Händlern fordern

Wir stehen solidarisch an der Seite der Arbeiter*innen in den Lieferketten der Bekleidungs- und Schuhindustrie, die besonders hart von der Krise getroffen sind. Gemeinsam mit Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen der internationalen Clean Clothes Campaign fordern wir von Modefirmen sowie Einzel- und Online-Händlern in Deutschland und weltweit:

Lassen Sie nicht die Schwächsten in der Lieferkette für die Covid-19-Krise bezahlen!

  • Stornieren Sie keine Aufträge, zahlen Sie Ihre Lieferanten fristgerecht, stimmen Sie Bitten um Fristverlängerung zu und sanktionieren Sie keine Verzögerungen oder Produktionsausfälle.
  • Stellen Sie sicher, dass die Beschäftigten in Ihren Lieferketten nicht entlassen werden, dass ausstehende Löhne sofort bezahlt werden und dass alle Arbeiter*innen und Arbeiter während der gesamten Dauer der Krise weiter ihre gesetzlich vorgeschriebenen Löhne, Leistungen und eventuelle Abfindungszahlungen erhalten.
  • Egal ob in Fabriken, Logistik, Verkauf oder Zustellung: Die Sicherheit der Beschäftigten muss Vorrang haben. Setzen Sie den Betrieb nur fort, wenn Sie die Sicherheit und Gesundheit aller Beschäftigten gewährleisten können und die Empfehlungen der WHO für physischen Abstand, Hygiene und Schutzausrüstung umgesetzt werden.
  • Garantieren Sie, dass Beschäftigte sich ohne Sanktionen isolieren und zu Hause bleiben können, wenn sie oder Personen aus dem gleichen Haushalt zu Risikogruppen gehören oder Covid-19-Symtome haben. Achten Sie das Recht, Arbeit aufgrund von Risiken für Gesundheit und Leben zu verweigern.
  • Stellen Sie sicher, dass die Pandemie nicht als Vorwand für Rechtsverletzungen genommen wird, dass Arbeiter*innen nicht diskriminiert werden und garantieren Sie das Recht auf Kollektivverhandlungen und Gewerkschaftsfreiheit auch in der Krise.
  • Stellen Sie Menschen vor Profite: Zahlen Sie keine Dividenden oder Boni aus, wenn Beschäftigte entlassen werden oder ihre Löhne nicht erhalten.
  • Setzen Sie sich für Rettungspakete ein, die den Schwächsten zugutekommen. Hilfsmaßnahmen und Überbrückungskredite müssen bei den Arbeiter*innen in der gesamten Lieferkette ankommen und darauf abzielen, Beschäftigung und Lohnzahlungen aufrechtzuerhalten und bereits entlassene Arbeiter*innen wieder einzustellen.

Leisten Sie zudem Ihren Beitrag für eine gerechtere Modeindustrie nach der Pandemie:

  • Nehmen Sie Ihre Verantwortung zum Schutz von Menschenrechten in Ihren Lieferketten wahr und gestalten Sie Lieferketten nachhaltiger, gerechter und widerstandsfähiger gegenüber Krisen.
  • Sorgen Sie dafür, dass alle Beschäftigte existenzsichernde Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und Zugang zu Sozialleistungen haben.

Unterzeichnen Sie jetzt den Appell

Weitere Informationen:

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