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Freitag 17.04.15

Deutsche Unternehmen und Benetton zeigen Opfern von Rana Plaza weiter die kalte Schulter

Anlässlich des zweiten Jahrestages des Fabrikeinsturzes Rana Plaza in Bangladesch haben Aktivist/innen des INKOTA-netzwerk und der Kampagne für Saubere Kleidung am 23. April 2015 vor einem Einkaufscenter in Berlin protestiert. Mit der Aktion forderten sie Benetton und deutsche Textilhersteller dazu auf, endlich angemessene Entschädigungen in den Fonds einzuzahlen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Entwicklungsminister Gerd Müller riefen die Unternehmen im Rahmen des Textilbündnisses mit deutlichen Worten auf, unverzüglich die notwendigen Einzahlungen in den Fonds zu leisten.

Fotos von der Aktion

Lautes Geratter von Nähmaschinen vor dem Einkaufszentrum Forum Steglitz in Berlin. Plötzlich sind Geräusche eines einstürzenden Gebäudes zu hören. Passant/innen fallen zu Boden. Begraben unter den Logos von Benetton und den deutschen Unternehmen Adler Modemärkte, NKD und Kanz/Kids Fashion Group bleiben sie reglos auf dem Gehweg liegen. Die Umrisse ihrer Körper werden mit Kreide umzeichnet.

Mit dieser Aktion forderten Aktivist/innen des INKOTA-netzwerk und der Kampagne für Saubere Kleidung angemessene Entschädigungszahlungen für die Opfer des Fabrikzusammensturzes von Rana Plaza in Bangladesch. „Die Würde der Opfer wird weiter mit Füßen getreten“, sagt Berndt Hinzmann vom INKOTA-netzwerk. „Rund zwei Jahre nach der Katastrophe erhärtet sich der Verdacht, dass die Unternehmen darauf setzen, dass die Zeit die Wunden vergessen macht“, so Hinzmann weiter. „Dieses Verhalten der Verantwortlichen ist untragbar!“

Im Fokus der Kritik steht vor allem Benetton. Zwar hat das Unternehmen auf öffentlichen Druck hin nach zwei Jahren endlich 1,1 Millionen US-Dollar in den Fonds eingezahlt. Die benötigte Gesamtsumme von 30 Millionen US-Dollar ist aber auch damit noch nicht vollständig erreicht. Außerdem bleibt Benetton mit dem Betrag weit hinter dem zurück, was die Kampagne für Saubere Kleidung als Entschädigungssumme für das Unternehmen berechnet hat. „Wir fordern Benetton auf, umgehend mindestens 5 Millionen US-Dollar in den Entschädigungsfonds einzuzahlen”, sagt Berndt Hinzmann.

Indes sprudeln die Gewinne des Textilherstellers weiter: Allein im Jahr der Katastrophe von Rana Plaza stieg der Gewinn Benettons um 12,4 Prozent und betrug damit 245 Millionen US-Dollar. „Dieser enorme Gewinn wurde erzielt, weil Kleider, die unter anderem in Rana Plaza genäht wurden, profitabel verkauft werden konnten“, erklärt Berndt Hinzmann.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat berechnet, dass 30 Millionen US-Dollar benötigt werden, um alle Opfer und ihre Hinterbliebenen angemessen entschädigen zu können. Bisher sind jedoch nur 21 Millionen US-Dollar in den Fonds von Unternehmen und anderen Organisationen eingezahlt worden. Trotz der fehlenden Einzahlungen sind erste Auszahlungen an die Opfer bereits erfolgt.

Fotos von der Aktion

Liste der Unternehmen, die in den Entschädigungsfonds eingezahlt haben

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