Freitag 24.04.20

Von Rana Plaza zu COVID-19: Textilarbeiter*innen erneut in tiefer Krise

Andrew Biraj/Reuters, Wikimedia, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Un_empleado_de_una_f%C3%A1brica_textil_en_Dhaka,_la_capital_de_Bangladesh.jpg

Bonn / Berlin, 24.04.2020
Sieben Jahre nach dem Fabrikeinsturz von Rana Plaza stürzen Textilarbeiter*innen durch COVID-19 erneut in eine Krise. Gerade jetzt muss sich das Bündnis für nachhaltige Textilien als Instanz zur Sicherung von menschenrechtlicher Verantwortung beweisen, fordert die Zivilgesellschaft im Textilbündnis. Denn während Marken- und Einzelhandelsunternehmen auf die COVID-19-Krise mit weitreichenden Stornierungen bei ihren Zulieferern reagieren, erleiden Textilarbeiter*innen in den Produktionsländern aufgrund der Einkommensausfälle extreme wirtschaftliche Not. Fällt der reguläre Lohn weg, der ohnehin oft nicht bis zum Monatsende reicht, greifen dort auch keine sozialen Sicherungssysteme.
Das Textilbündnis hat am 21. April mit anderen internationalen Multi-Stakeholder-Initiativen eine Erklärung über gemeinsame Prioritäten zur Bewältigung der Krise in den Produktionsländern veröffentlicht. „Auch der Aufruf zum gemeinsamen Handeln, sofort und langfristig, von internationalen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden auf der Ebene der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) muss nun von Bündnis-Unternehmen unterstützt werden,“ meint Berndt Hinzmann vom INKOTA-netzwerk. „Wie nach Rana Plaza ist jetzt gemeinsames Handeln angesagt. Der geforderte Krisen-Fonds und die in diesen Erklärungen formulierten Leitlinien rücken richtigerweise die Lohnabsicherung von Arbeiter*innen, faire Einkaufspraktiken und den Aufbau sozialer Sicherungssysteme in den Fokus.“
„Es darf aber nicht allein bei diesen Appellen bleiben. Die Mitgliedsunternehmen des Textilbündnisses sollten sich jetzt öffentlich zu fairen Einkaufspraktiken verpflichten,“ fordert Gisela Burckhardt von FEMNET. „Faire Einkaufspraktiken ermöglichen den Zulieferern eine Weiterbeschäftigung und Bezahlung der Arbeiter*innen. Nur eine öffentliche Verpflichtung der einzelnen Unternehmen schafft Transparenz darüber, wer auch in der Krise bereit ist, Menschenrechte zu achten.“
„Aus Rücksicht auf die Krise der Marken und Einzelhändler hat das Textilbündnis zwar die Berichtspflicht für Unternehmen in diesem Jahr ausgesetzt. Das Aussetzen der Berichtspflicht bedeutet aber kein Pausieren der Verantwortung für Menschenrechte und Umwelt in der Lieferkette,“ mahnt Sabine Ferenschild vom SÜDWIND-Institut. „Mit der vollständigen Bezahlung bereits fertiggestellter und laufender Aufträge können Unternehmen in einem ersten Schritt zeigen, dass sie auch in der Krise ihre menschenrechtliche Verantwortung ernst nehmen.“

Hintergrund-Informationen

Bündnis für nachhaltige Textilien
Gemeinsame Erklärung von Multi-Stakeholder-Initiativen „Responding Responsibly to the COVID-19 Crisis“
Internationale Arbeitsorganisation, COVID-19: Action in the Global Garment Industry
Bündnis für nachhaltige Textilien, Leitsätze für verantwortungsvolle Einkaufspraktiken in Zeiten von COVID-19

Diese Pressemitteilung wurde von den zivilgesellschaftlichen Organisationen im Steuerungskreis verfasst und repräsentiert nicht zwangsläufig die Meinung aller zivilgesellschaftlichen Mitglieder. Das Textilbündnis hat 19 zivilgesellschaftliche Mitgliedsorganisationen, die von FEMNET, INKOTA-netzwerk und dem SÜDWIND Institut im Steuerungskreis vertreten werden.

Ansprechpartner*innen:

Dr. Gisela Burckhardt,
FEMNET, gisela.burckhardt@femnet.de,
Tel.: 0152 01774080

Dr. Sabine Ferenschild,
SÜDWIND-Institut, ferenschild@suedwind-institut.de,
Tel: 01578 9606450

Berndt Hinzmann,
INKOTA-netzwerk, hinzmann@inkota.de,
Tel.: 0160 94 69 87 70

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