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Freitag 20.09.19

Massensterben in Zentralamerika durch Pestizideinsatz

Kleinbäuerin Corina Martínez aus Nicaragua berichtet vom Pestizideinsatz

Seit 20 Jahren beobachten ExpertInnen eine auffällige Häufung von chronischem Nierenversagen in den Zuckerrohranbaugebieten in Zentralamerika, bereits über 20.000 Menschen sind daran gestorben. Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse beweisen einen Zusammenhang mit dem Einsatz des Unkrautvernichters Paraquat und des Bayer-Pestizids Glyphosat. Auch die Menschen in der Projektregion der INKOTA-Partnerorganisation APADEIM in Nicaragua sind betroffen.

In Nicaragua und El Salvador ist das chronische Nierenversagen je nach Region die zweithäufigste oder sogar die häufigste Todesursache bei Männern in den letzten 20 Jahren. Dabei werden nach und nach alle Organe des Körpers geschädigt, die Betroffenen berichten von Kopfschmerzen, massiver Atemnot, allgemeiner Schwäche. Normalerweise trifft diese Krankheit vor allem Menschen über sechzig Jahren mit Bluthochdruck und zu hohem Blutzuckerspiegel. Die meisten Opfer in Zentralamerika sind jedoch junge Männer mit unauffälligem Blutdruck und normalem Zuckerspiegel, die auf den Zuckerrohrplantagen arbeiten.

Den Giften ausgesetzt

Im Landkreis El Viejo im Nordwesten von Nicaragua stärkt die INKOTA-Partnerorganisation APADEIM kleinbäuerliche Familien. Dort gibt es kaum eine Familie, von der nicht mindestens eine Person im Zuckerrohranbau arbeitet und jeder kennt zumindest einen Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld, der an Niereninsuffizienz erkrankt ist.

„Die Zuckerrohrplantagen, die Monte Rosa hier im unmittelbaren Umfeld unserer Gemeinde angelegt hat, schädigen uns in allen Bereichen," sagt Corina Martínez aus der Gemeinde Sasama, deren Ehemann seit elf Jahren an chronischer Niereninsuffizienz leidet. „Alle zwei Wochen werden Pestizide versprüht, manchmal auch öfter. Meist mit einem Flugzeug, manchmal auch mit ihren Traktoren. Unser Wasser ist vergiftet. Von unserem Brunnen trinke ich schon lange kein Wasser mehr. Hier in meiner Gemeinde ist die Mehrheit erkrankt! Sowohl Männer als auch Frauen und Kinder."

Herbizide sind verantwortlich

Der Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Pestiziden auf den Zuckerrohrplantagen und der chronischen Niereninsuffizienz wurde lange als ein nebensächlicher Faktor abgetan. Neue wissenschaftliche Untersuchungen eines internationalen Forschungsteams aus El Salvador, Belgien, Kuba und Sri Lanka belegen nun, dass die eingesetzten Herbizide Paraquat und Glyphosat maßgeblich für die Erkrankungen verantwortlich sind. Sie führen zur Bildung von krankhaften Veränderungen im Zellstoffwechsel, sodass die Schadstoffe von den Nieren nicht mehr ausgeschieden werden können.

In der Europäischen Union sowie zahlreichen anderen Ländern ist Paraquat seit vielan Jahren verboten aufgrund der Gefahren für die Gesundheit von Mensch und Tier. In Zentralamerika wird es jedoch massenhaft eingesetzt. Hergestellt wird es von dem Schweizer Chemiekonzern Syngenta, der es in Zentralamerika unter dem Handelsnamen Gramoxone verkauft.

Glyphosat, das im Verdacht steht, Krebs zu erregen, kommt ebenfalls auf den Zuckerrohrplantagen Zentralamerikas sowie auf den Reisfeldern Sri Lankas in großem Umfang zum Einsatz. In Sri Lanka wurden in den letzten Jahren ebenfalls vermehrt Fälle von Niereninsuffizienz registriert.

In Nicaragua wächst auf knapp 74.000 Hektar Zuckerrohr. Foto: APADEIM

In Nicaragua wächst auf knapp 74.000 Hektar Zuckerrohr. Foto: APADEIM

Glyphosat  ist das weltweit meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel und gehört seit der Übernahme des US-Konzerns Monsanto im Sommer 2018 der deutschen Bayer AG. Im vergangenen Jahr sind in den USA über 13.000 Klagen von KrebspatientInnen eingegangen, die regelmäßig Glyphosat verwendet haben. In der Broschüre „Advancing Together? Ein Jahr Bayer-Monsanto: eine kritische Bilanz“ sowie in einer Rede auf der diesjährigen Bayer-Hauptversammlung hat INKOTA scharfe Kritik an dem Pestizidgeschäft des Konzerns geübt.

Zum Schutz von BäuerInnen und PlantagenarbeiterInnen weltweit sollte Glyphosat aus INKOTA-Perspektive nicht nur in der EU verboten, sondern auch vom Export in Drittländer, vor allem Länder des globalen Südens, ausgeschlossen werden. Denn 99 Prozent der Fälle von Pestizidvergiftungen ereignen sich in sogenannten Entwicklungsländern.

Weitere Informationen

FAQ zum Thema Niereninsuffizienz in Zentralamerika (PDF 547 KB)

Pressemitteilung zu diesem Thema (PDF 293 KB)

Mehr zu Bayer und Pestizide

Broschüre „Advancing Together? Ein Jahr Bayer-Monsanto: eine kritische Bilanz“

Über die Arbeit der INKOTA-Partnerorganisation APADEIM

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