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Donnerstag 30.06.16

Recherche zeigt: Hungerlöhne trotz „Made in Europe“

ArbeiterInnen in osteuropäischen Schuhfabriken verdienen oft noch weniger als ArbeiterInnen in China. Neueste Recherchen der INKOTA-Kampagne Change Your Shoes belegen das.

Den Ausdruck „Made in Europe“ verbinden viele mit der Vorstellung von besseren Arbeitsbedingungen als in Asien. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Neue Recherchen zeigen die Realität der Schuhindustrie in Osteuropa auf: Zehntausende ArbeiterInnen stellen dort zu Hungerlöhnen „italienische“ oder „deutsche“ Schuhe her.

Denn die arbeitsintensivsten Schritte der Schuhproduktion werden oft nach Osteuropa oder in die Balkanstaaten ausgelagert. Das hat zwei Gründe: Die Nähe zum europäischen Markt sorgt für kurze Lieferzeiten und das Lohnniveau ist äußerst niedrig.

Schlechte Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne

Der Bericht Labour on a Shoestring zeigt die Realitäten in den Schuhfabriken von sechs europäischen Ländern auf. Das Hauptproblem sind die viel zu niedrigen Löhne: Der gesetzliche Mindestlohn in Albanien, Mazedonien oder Rumänien liegt mit 140 Euro, 145 Euro und 156 Euro pro Monat sogar noch unter dem in China. Die Löhne müssten vier bis fünf Mal höher sein, damit die ArbeiterInnen – vorwiegend Frauen – und ihre Familien davon leben könnten.

Weil viele ArbeiterInnen pro Stück statt pro Arbeitsstunde bezahlt werden, leisten sie zudem unbezahlte Überstunden oder verzichten aus Produktivitätsgründen auf Sicherheitsmaßnahmen, die sie vor Leim und Chemikalien schützen würden. In vielen Fabriken ist es im Winter sehr kalt und im Sommer so heiß, dass immer wieder ArbeiterInnen kollabieren. Es zeigt sich eindeutig: Die Probleme der Bekleidungs- und Schuhindustrie sind ein globales Problem und machen keineswegs halt vor Europa.

Fakten zu Schuhen „Made in Europe“

Über 24 Milliarden Paar Schuhe wurden 2014 weltweit hergestellt. Der grösste Teil wird in Asien produziert, doch gerade bei hochpreisigen Lederschuhen ist auch der europäische Anteil bedeutend: Italien, Portugal und Spanien sind zusammen für die Produktion von 23 Prozent aller Lederschuhe verantwortlich. Italien ist dabei das Schwergewicht der europäischen Schuhproduktion.

Factsheet „Harte Arbeit für wenig Geld“, deutsch (PDF, 1 MB)
Studie Osteuropa «Labour on a Shoestring», englisch (PDF, 3,5 MB)

Erfahren Sie mehr über die Kampagne Change Your Shoes

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