Mit Fahrradschläuchen und Teebeuteln für faire Mode

Was passiert da an einem wunderbar sonnigen Samstag im Juli 2013 auf dem Pariser Platz in Berlin? Ein Karnevalsumzug, eine Tanzveranstaltung oder etwa eine Demo für faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie?

Noch wenige Stunden vor dem Beginn der Demoparade Butt&Better strömten zahlreiche Modeliebhaber in das nur einige Schritte entfernte Zelt der Berliner Fashion Week auf der gegenüberliegenden Seite des Brandenburger Tors. Doch am frühen Abend versammeln sich dort hunderte Menschen in außergewöhnlichen Kostümen: Aus Second-Hand-Klamotten, Pommesschalen, benutzten Teebeuteln und allerlei anderem „Müll” sind phantasievolle so genannte Trashion-Outfits entstanden.  Nach dem Motto „Trashion statt Fashion” machen die Anwesenden begleitet von lauter Bassmusik die ganze Stadt von der Friedrichstraße bis zum Platz der Luftbrücke zu ihrem Laufsteg. Doch es geht nicht nur um alternative Mode: Die aufrufenden Organisationen Kulturersatz e.V., INKOTA und die Kampagne für Saubere Kleidung setzen damit ein starkes Zeichen gegen Fashion-Terror, für faire Arbeitsbedingungen und Löhne in der weltweiten Textilindustrie.

Und so verkündet von einem Feuerwehrwagen ein junger Mann mit einem Umhang aus zusammengenähten alten Fahrradschläuchen: „Wir wollen nicht mehr länger akzeptieren, dass Modekonzerne unverschämt hohen Gewinne auf den Rücken anderer einfahren!” Die bunt verkleidete Menge jubelt ihm lautstark zu. So begreifen schließlich auch die zunächst verwunderten ZuschauerInnen am Straßenrand, dass es sich bei den tanzenden Menschen nicht im eine Tanzveranstaltung, sondern um eine Demo handelt.

Mit dabei sind auch die Cleaning Ladies. Als Putzfrauen verkleidete AktivistInnen der Berliner INKOTA-Aktionsgruppe der Kampagne für Saubere Kleidung sind angetreten, „die Spinnweben in den Köpfen derer, die die Konsequenzen für die Billigstproduktion von Kleidung immer noch nicht anerkennen wollen, zu beseitigen”, erklärt Aktivistin Dorothée Decker. Sie verteilen Flyer an interessierte PassantInnen und bei einem Zwischenstopp auf der Höhe des Luxus-Kaufhauses La Fayette in der Friedrichstraße rufen sie die Menge auf, „endlich mit den unerträglichen Zuständen in der Modeindustrie aufzuräumen”, und verbindliche Standards entlang globaler Produktionsketten festzusetzen.

In diesem Jahr konnte sich die Demoparade über einen enormen Zuwachs an kreativen ModebastlerInnen, UpcyclerInnen und politisch Engagierten freuen, doch „noch immer gibt es einige Dreckecken in der Modeindustrie, die nur allzu gern unter den Teppich gekehrt werden”, sagt Decker. Solange der Fashion-Terror geht weiter, werden auch die UnterstützerInnen Butt & Better nicht aufhören, ihren Protest und die zahlreichen fairen Alternativen zum Neukauf von konventionell hergestellter Kleidung auf die Straße zu tragen. Wir sehen uns im nächsten Jahr wenn es wieder heißt „Alarm schlagen: Modeindustrie aufwecken!”

Erfahren Sie mehr über die Kampagne für Saubere Kleidung

Erfahren Sie mehr über Kulturersatz e.V.

Video-Mitschnitt zur Demoparade von ALEX TV

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Bildergalerie Demoparade

Foto: INKOTA
Foto: Mike Herbst (ubiquit23), flickr
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