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Montag 08.07.19

Wir treffen Bayer - mit unserer Kritik

Bayer ist angeschlagen: zwei Milliarden US-Dollar Schadensersatz für zwei Glyphosat-Betroffene in den USA, eingebrochene Aktienkurse, keine Entlastung des Konzern-Vorstands durch die AktionärInnen, geleakte Listen mit kritischen JournalistInnen und WissenschaftlerInnen, jetzt möglicherweise auch Klagen aus Argentinien… die Liste lässt sich fast endlos fortführen!

Auch INKOTA hat seine Kritik aus entwicklungspolitischer Perspektive an Bayer herangetragen: In unserer Broschüre „Advancing Together? Ein Jahr Bayer-Monsanto: Eine kritische Bilanz“ haben wir zahlreiche Beispiele für Bayers umwelt- und gesundheitsschädliche Geschäftspraktiken gesammelt. Unsere Pressearbeit zu der Studie im Vorfeld der Bayer-Hauptversammlung wurde sehr interessiert von den Medien aufgenommen. Sogar so gut, dass der Chemiekonzern sich am selben Tag der Veröffentlichung unserer Studie gezwungen sah, öffentlich auf unsere Vorwürfe zu reagieren – leider jedoch nur mit hohlen Worten.

Wir treffen Bayer wo wir können - mit Erfolg!

Auch im direkten Gespräch haben wir uns mit Bayer auseinandergesetzt: INKOTA-Referentin Lena Michelsen hat unsere Kritikpunkte bei der Bayer-Hauptversammlung persönlich vorgetragen, und bei zwei Veranstaltungen in Berlin mit Norbert Lemken und Dr. Helmut Schramm von Bayers Agrarsparte diskutiert. Hier wurde eins deutlich: INKOTA ist Bayer schon gut bekannt und mindestens Herr Lemken hat mächtig genervt und fast schon empört auf unsere Kritik reagiert. Zum Beispiel darauf: Bayer verkauft in Brasilien fünf Pestizid-Wirkstoffe, die als hochgiftig eingestuft wurden und in der EU explizit wegen Umwelt- und Gesundheitsrisiken nicht mehr zugelassen sind. Wir finden, das ist eine Frechheit!

Und unsere beharrliche Arbeit zeigt Wirkung: Im Juni hat Bayer angekündigt, seine Maßstäbe für Transparenz und Nachhaltigkeit zu erhöhen. Dabei haben sie sich auch explizit zum Verkauf von Pestiziden in Ländern des globalen Südens positioniert. Ganz klar eine Reaktion auf die von uns erhobenen Vorwürfe! Hier heißt es bei Bayer: „Wir werden Pflanzenschutzprodukte nur in Entwicklungsmärkten auf den Markt bringen, wenn sie sowohl die lokalen Sicherheitsstandards des jeweiligen Landes erfüllen als auch die Anforderungen einer Mehrheit der führenden Zulassungsbehörden.“ Auch wenn dies sicher ein Schritt in die richtige Richtung ist, bleibt abzuwarten, ob den Worten dann auch Taten folgen und ob neue Sicherheitsstandards einen wirksamen Schutz für Menschen und Umwelt bieten.

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Jenseits von Nachhaltigkeitsversprechen wird immer wieder deutlich, dass Bayer auf einem Gebiet völlig blank ist: Menschenrechte. Sowohl bei der Bayer-Hauptversammlung als auch in der direkten Diskussion mit Norbert Lemken hat INKOTA-Referentin Lena Michelsen gefragt, wie Bayer gedenkt, das Recht auf Saatgut einzuhalten, wenn sich der Konzern gleichzeitig etwa für ein neues Saatgutgesetz in Argentinien einsetzt, das bereits unter dem Namen „Bayer-Monsanto-Gesetz“ bekannt ist. Das Recht auf den Nachbau des eigenen, bäuerlichen Saatguts ist im Saatgutvertrag der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation sowie in der neu verabschiedeten UN-Erklärung für die Rechte von Kleinbauern und –bäuerinnen festgeschrieben. Das neue Gesetz in Argentinien soll hingegen die Nutzung bäuerlichen Saatguts einschränken und die Patentierung durch große Konzerne erleichtern. Es handelt sich hier also nicht einfach um Interessenskonflikte, sondern um die Verletzung internationaler Verträge und zentraler Menschenrechte! Bayers Antwort: Schweigen.

Fazit: Unsere Kritik scheint den ohnehin angeschlagenen Bayer-Konzern zu treffen. Hier müssen wir weiter dranbleiben! Eine schwache politische Regulierung in Ländern des globalen Südens – unter anderem auch aufgrund von starker Lobbymacht der (Agrar-)Industrie – schamlos auszunutzen, wird das Image von Bayer weiter ruinieren. Zurecht! Ob die neuen Transparenz- und Nachhaltigkeitsversprechen hier wirklich etwas verändern werden, sieht INKOTA skeptisch.

INKOTA-Broschüre: „Advancing Together? Ein Jahr Bayer-Monsanto: Eine kritische Bilanz

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