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Montag 10.12.18

Rundreise: Warum höhere Kakaopreise so wichtig sind

Anderthalb Schoko-Weihnachtsmänner isst jede/r Deutsche in der Advents- und Weihnachtszeit im Durchschnitt. Kakaobäuerin Elizabeth Osei Agyei aus Ghana hat jetzt zum ersten Mal einen gesehen(!). Auf Einladung von INKOTA ist sie eine Woche lang durch Deutschland getourt, um über die Situation auf den Kakaoplantagen zu berichten. Denn die Kakaobäuerinnen und -bauern haben wenig vom Weihnachtsgeschäft: An einem verkauften Schoko-Weihnachtsmann verdienen sie gerade einmal sechs Cent. Für Elizabeth Osei Agyei und ihre Reisebegleiterin Sandra Kwabea Sarkwah von der INKOTA-Partnerorganisation SEND-Ghana ist deshalb klar: Die Bäuerinnen und Bauern müssen endlich höhere Kakaopreise erhalten.

„Seit 2016 wurde der staatliche Kakaopreis in Ghana nicht erhöht“, beklagt Elizabeth Osei Agyei. „Aber in Ghana haben wir eine hohe Inflation. Wenn ich also heute auf den Markt gehe, kann ich mir von dem Geld viel weniger kaufen als vor zwei Jahren.“ Der Kakaosektor wird in Ghana durch eine staatliche Vermarktungsplattform, das COCOBOD, reguliert, welches jeweils zu Beginn der Erntesaison den Kakaopreis festlegt, der an die ghanaischen Bäuerinnen und Bauern gezahlt werden muss (mehr Infos dazu im Infoblatt „Ghana – Ein Land lebt vom Kakao“). Dass es seit Ende 2016 keine Preiserhöhung gegeben hat, liegt auch daran, dass der Weltmarktpreis für Kakao im gleichen Zeitraum um fast 40 Prozent gefallen ist.

Es ist Montag, der 3. Dezember, und etwa 50 Personen haben sich zur Auftaktveranstaltung unserer Rundreise in der taz kantine in Berlin versammelt. Anhand von Bildern erklärt Elizabeth, wie ihr Alltag als Kakaobäuerin aussieht: Seit zwanzig Jahren betreibt sie in Asamankese in der Eastern Region in Ghana eine Kakaoplantage. Seit 17 Jahren ist sie zudem Mitglied bei Kuapa Kokoo, der größten Kakaokooperative Ghanas, und genießt dadurch auch eine Fairtrade-Zertifizierung. „Der Kakaoanbau bedeutet für uns jeden Tag harte, körperliche Arbeit“, so Elizabeth. „Aber das Geld, was ich dafür bekomme, reicht für meine Familie gerade mal zum Überleben – dabei geht es uns sogar besser als vielen anderen Kakaobauernfamilien. Meine Kinder haben deshalb keine Lust, später Bauern zu werden und meine Plantage zu übernehmen. Wenn das so weiter geht, könnte es sein, dass euch in Europa irgendwann der Kakao für eure Schokolade ausgeht.“

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Anschließend ergreift Sandra Kwabea Sarkwah das Wort. Sie ist Projektreferentin bei der Nichtregierungsorganisation SEND-Ghana und koordiniert dort ein gemeinsames Projekt mit INKOTA, in dem es darum geht, Kakaobäuerinnen und -bauern zu stärken, damit diese ihre Rechte besser gegenüber der ghanaischen Regierung und der Schokoladenindustrie einfordern können. „Die Bauern und Bäuerinnen haben in den letzten Jahren viele Trainings von der Industrie bekommen, wie sie ihren Anbau verbessern und dadurch mehr produzieren können. Uns geht es darum, die Bauern zu ermächtigen, selbst ihre Stimme zu erheben und ihre Interessen zu vertreten“, so Sarkwah.

Foto: Kakaobauern-Vertreterin Sandra Kwabea Sarkwah auf dem Podium

Unsere Gäste erwartet bei der Rundreise ein dichtes Programm: Am darauffolgenden Abend findet schon die nächste Veranstaltung in Oldenburg statt, auf Einladung von Brot für die Welt und dem Oldenburger Weltladen. Unterwegs nutzen wir die Gelegenheit, um die AktivistInnen vom Jungen entwicklungspolitische Forum in Bremen zu besuchen. Diese hatten sich in den vergangenen Jahren mehrmals an der Osteraktion der INKOTA-Kampagne Make Chocolate Fair! beteiligt und die Unternehmen Mondelez und Hachez aufgefordert, Verantwortung für die Situation in den Kakaoanbauregionen zu übernehmen. Für unsere Gäste aus Ghana ist es sehr interessant, zu sehen, dass sich Menschen in Deutschland für sie einsetzen – wie schon bei der Weltkakaokonferenz im April, als Sandra an unserem Protest mit der Initiative „Schoko Fair – Stoppt Kinderarbeit!“ teilnahm.

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Am nächsten Tag gleich das nächste interessante Erlebnis: Wir besichtigen in Herford die Schokoladenfabrik der Firma Weinrich, die unter anderem die Schokolade für das Fairhandelsunternehmen GEPA produziert – für Sandra und Elizabeth ist es das erste Mal in einer Schokoladenfabrik. Sie staunen insbesondere über die großen Maschinen, mit denen aus den Bohnen Schokoladentafeln werden. Mit Geschäftsführer Cord Budde tauschen sich Elizabeth und Sandra darüber aus, welche Möglichkeiten es gibt, damit Kakaobauernfamilien einen höheren Preis erhalten. Aber auch die KonsumentInnen müssten bereit sein, einen höheren Preis für Schokolade zu zahlen, wenn sie wirklich fair sein soll.

Foto: Kakaobäuerin Elizabeth Osei in einer Schokoladenfabrik in Herford

Immer wieder geht es bei unserer Reise auch um den Fairen Handel – so zum Beispiel bei unserer Veranstaltung in der Stadtbücherei in Tübingen, wo derzeit auch unsere Ausstellung „Süß&Bitter“ zu sehen ist. Die BesucherInnen wollen es ganz genau wissen: Wie viel bringt der Faire Handel den Bäuerinnen und Bauern? Elizabeth erklärt: Durch die Fairtrade-Zertifizierung erhält sie eine Extra-Prämie von 8 Cedis (umgerechnet 1,40 Euro) für jeden verkauften Kakaosack á 64 kg. 5 Cedis davon erhält sie direkt in bar, der Rest wird für Projekte wie z.B. den Bau von Schulen, Krankenhäusern oder Brunnen verwendet. Im Vergleich zu nicht zertifizierten Kakaobauern hat sie am Ende der Saison gerade mal 13 Euro mehr in der Tasche. Viel Geld ist das nicht. Vor diesem Hintergrund ist die Erhöhung des Kakao-Mindestpreises auf 2.400 US-Dollar pro Tonne zu begrüßen, welche Fairtrade während unserer Reise verkündete.

Die nächste Station unserer Reise am folgenden Tag: Speyer. Hier diskutieren wir am Vormittag mit den SchülerInnen der Oberstufe des Edith-Stein-Gymnasiums über die Frage: Was bedeutet eigentlich „Fairness“? Die deutliche Antwort von Sandra: „Fairness ist, wenn die Bäuerinnen und Bauern für ihre harte Arbeit ein existenzsicherndes Einkommen erhalten. Erst dann können wir sagen, dass Schokoladen wirklich fair ist.“

Foto: Kakaobauern-Vertreterinnen aus Ghana im Gespräch mit Schülerinnen in Speyer

In der Berliner Marienkirche gedachten Elizabeth und Sandra bei einem Gottesdienst anlässlich des 70. Jubiläums der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte all denjenigen, die weltweit noch immer von Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. Sandra berichtete im Gottesdienst über die Situation von Kakaobauernfamilien und dass ausbeuterische Kinderarbeit immer noch zum Alltag in vielen Kakaodörfern gehört. Landesbischof Dr. Markus Dröge erklärte in seiner Predigt: „Die internationale Staatengemeinschaft hat die Menschenrechte zwar durch viele völkerrechtliche Verträge als verbindlich anerkannt. Sie sind bei uns im Grundgesetz verankert. Und doch steht ihre Verwirklichung immer noch aus; ja schlimmer noch: diese Rechte werden weltweit vielfach mit Füßen getreten.“ Er lobte den Mut, sich für Menschenrechte einzustehen und appellierte an alle nicht nur an das eigene Recht zu denken, sondern auch an das Recht der Mitmenschen. „Das Recht, das mir gewährt wird, berührt auch das Recht, das andern gewährt wird. Leichter ist es, auf andere zu zeigen, die sich ändern müssen. Schwerer ist es, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen.“

Foto: Kakaobauern-Vertreterinnen aus Ghana beim Gottesdienst mit Bischof Dröge zum Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

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