Kampagnen-Infos, Mit-Mach-Aktionen, Termine - Abonnieren Sie den INKOTA-Newsletter und bleiben Sie auf dem Laufenden!

Donnerstag 05.04.18

Tag des kleinbäuerlichen Widerstands

Gleich zwei Veranstaltungen am 17. April mit VertreterInnen der brasilianischen Landlosenbewegung MST in Berlin: Kundgebung und Abendveranstaltung

Kundgebung: Für Kleinbauernrechte und Ernährungssouveränität!

Der internationale Tag des kleinbäuerlichen Widerstandes am 17. April steht seit 22 Jahren im Zeichen der Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Obwohl sie 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel erzeugen, haben sie oft selbst nicht genug zu essen. Vielmals werden ihre Rechte verletzt und ihre Lebensgrundlagen bedroht. Eine Erklärung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen soll nun ihre Rechte stärken; ein wichtiger Schritt gegen die fortschreitende Diskriminierung und Kriminalisierung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Zuge von Privatisierung und Ausverkauf von natürlichen Ressourcen und Gemeingütern, dem Verlust von Sortenvielfalt auf den Ächern und von traditionellem Wissen.

Denn der aktuelle internationale Rechtsrahmen reicht nicht aus, um Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu schützen. Während auf internationaler Ebene um eine Anerkennung von Rechten von Bäuerinnen und Bauern und die Verankerung des Rechts auf Saatgut, Land und anderem gerungen wird, sind in Brasilien die Entwicklungen gegenläufig.

Etwa zehn Prozent der Bevölkerung Brasiliens besitzen rund 80 Prozent des Landes. Nur 20 Großgrundbesitzer verfügen mit etwa 20 Millionen Hektar Land, über genauso viele Flächen wie circa 3,3 Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zusammen. Ein großer Teil von ihnen ist weiterhin vollkommen besitzlos. Die ökologischen Folgen der industriellen Landwirtschaft in Brasilien sind verheerend: So ist das Land beispielsweise weltweit Spitzenreiter im Verbrauch von Pestiziden. Unter der amtierenden Regierung von Präsident Temer werden zudem soziale Bewegungen diskriminiert, Umwelt- und MenschenrechtsaktivistInnen wie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern massiv bedroht, oppositionelle PolitikerInnen ermordet.

Mit Ceres Antunes Hadich und Matheus Assunção von der brasilianischen Landlosenbewegung „Movimento dos Sem Terra“ (MST) wollen wir vor der brasilianischen Botschaft auf die aktuelle politische Lage in Brasilien aufmerksam machen und gegen die Kriminalisierung sozialer Bewegungen und die Gewalt protestieren. Wir wollen uns stark machen für das Konzept der Ernährungssouveränität, das Recht auf Saatgut und die Verabschiedung sowie Umsetzung der UN-Erklärung für die Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten – sowohl in Brasilien als auch weltweit.

  • Was: Kundgebung: Für Kleinbauernrechte und Ernährungssouveränität! Saatgut ist Kulturgut und gehört in Bauernhand! Stopp der Kriminalisierung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Brasilien! Agrarreform jetzt!
  • Wann: Dienstag, den 17. April 2018 von 12:00 bis 14:00 Uhr
  • Wo: vor der brasilianischen Botschaft, Wallstraße 57, 10179 Berlin

„Zivilgesellschaft unter Druck“. Abendveranstaltung zur aktuellen Situation Brasiliens und der Landlosenbewegung MST

Aktuell werden in Brasilien Programme zur Kleinbauernförderung gekürzt oder ganz eingestampft. Im Nationalkongress, besonders in der Abgeordnetenkammer, aber auch im Senat, ist die „bancada ruralista“ – die Interessenvertretung des Agribusiness – extrem stark und übt erheblichen Einfluss auf die Regierung aus. Nach Angaben von ExpertInnen drohe das Land in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen wieder auf die Welthungerkarte des World Food Programms zurückzukehren.

Dabei sind Alternativen – wie sie die Landlosenbewegung MST mit einem verstärkten Fokus auf agrarökologische Landwirtschaft, Stärkung der Zivilgesellschaft und der Bevölkerung auf dem Land betreibt – wichtige Schritte, um Ernährungssouveränität in Brasilien zu erreichen. Der MST ist es in ihrer Geschichte gelungen, für über 500.000 Familien durch Landbesetzungen an Land zu kommen. Die aktuelle Regierung unter dem Putschpräsidenten Temer kriminalisiert die AktivistInnen der MST und behindert die aktuell für 100.000 Familien noch ausstehende Legalisierung von besetztem Land.

In der Veranstaltung diskutieren wir mit Ceres Antunes Hadich und Matheus de Assunção von der Landlosenbewegung MST und Wolfgang Hees (Vorstand Freundschaftsverein der Landlosenbewegung MST in Deutschland) über diese Situation und über die Frage, wie die Erklärung der Vereinten Nationen für die Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern die Kämpfe der ländlichen Bevölkerung in Brasilien unterstützen kann. Sie werden einen Blick auf die aktuelle Politik und deren Folgen werfen, sowie erläutern, wie die brasilianische Zivilgesellschaft versucht, sich dagegen zu wehren.

  • Was: Abendveranstaltung „Zivilgesellschaft unter Druck“ - Zur aktuellen Situation Brasiliens und der Landlosenbewegung MST
  • Wann: Dienstag, den 17. April 2018 von 19:00 bis 21:00 Uhr
  • Wo: Mehringhof – Versammlungsraum, Gneisenaustraße 2a, Aufgang 3, 1. Etage links, 10961 Berlin

INKOTA ist gemeinsam mit FIAN Deutschland, der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW) und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Kooperationspartner der Kundgebung und der Veranstaltung. Veranstalter sind der Freundschaftsverein der Landlosenbewegung MST in Deutschland, das Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL), die FreundInnen des 17. April und treemedia.

Weitere Informationen

Positionspapier zur UN-Erklärung für die Rechte von Kleinbauern: Bäuerliche Rechte stärken – weltweite Diskriminierungen stoppen

INKOTA-Arbeitsbereich Landwirtschaft und Welternährung

Diese Aktivität wird gefördert mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Für den Inhalt der Aktivität ist alleine das INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt des/der Zuwendungsgeber wieder.

   

 

 

nach Oben