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Sonntag 20.08.17

Bittere Schokolade im Doppelpack

Gleich zwei spannende Veranstaltungen standen für Make Chocolate Fair! in der ersten Augustwoche auf dem Programm - einerseits mit Nestlé, einem der größten Süßwarenhersteller weltweit, andererseits mit dem für seine Filme über Kinderarbeit bekannten Journalisten Miki Mistrati.

„Wie wird Schokolade fair?“ – Dieser Frage widmete sich der „Ackertalk“ des Projekts 2000m² der Zukunftsstiftung Landwirtschaft am Donnerstag, den 3. August. Auf dem Gelände der Internationalen Gartenausstellung 2017 in Berlin-Marzahn kam es zum Streitgespräch zwischen INKOTA-Referentin Evelyn Bahn und Achim Drewes, dem Leiter des Bereichs Public Affairs von Nestle Deutschland. Hauptthema des Gesprächs war der Nestlé Cocoa Plan, ein von Nestlé 2009 ins Leben gerufenes, unternehmenseigenes Nachhaltigkeitsprogramm mit dem Ziel, die Lebensbedingungen von Kakaobäuerinnen und –bauern zu verbessern. Rund ein Drittel seines Kakaobedarfs deckt Nestlé mittlerweile über dieses Programm. Bei der Veranstaltung betonte Achim Drewes die Erfolge des Cocoa Plans, darunter zum Beispiel die Schulung von 57.000 Bäuerinnen und Bauern in verbesserten Anbaumethoden, die Ausgabe von über 2 Millionen leistungsfähigen Pflanzensetzlingen sowie die Einrichtung eines Systems zur Kontrolle und Verhinderung von Kindearbeit in 69 Partnerkooperativen. „Unser klares Ziel ist, den Bauern und ihren Familien auch im Kakaoanbau eine angemessene Lebensgrundlage zu bieten“, so Drewes.

Evelyn Bahn honorierte in ihren Beiträgen einerseits das Engagement von Nestlé für mehr Nachhaltigkeit im Kakaoanbau. Andererseits betonte sie jedoch, dass dieses bisher nicht ausreiche, um die strukturelle Armut der Kakaobäuerinnen und –bauern zu beenden: „Der Preis einer Tonne Kakao ist so niedrig, dass er weit davon entfernt ist, den Kleinbauern ein existenzsicherndes Einkommen zu gewährleisten. Wir müssen dringend Strategien entwickeln, damit Kakaobauernfamilien einen höheren und stabilen Preis für die Kakaobohnen erhalten“, so Bahn. Dass Unternehmen wie Nestlé Schulungen für die Bauern durchführten, um deren Ernteerträge und damit auch ihre Einkommen zu steigern, sei zwar wichtig, reiche aber alleine nicht aus. Im Gegenteil: Steigende Ernteerträge könnten zu einem Überangebot an Kakao und in der Folge zu einem Preisverfall führen – wie in den letzten Monaten geschehen. Innerhalb von wenigen Monaten war der Preis für Kakao an den Börsen um mehr als 30 Prozent gefallen. Angesichts der aktuellen Preiskrise forderte Bahn die Unternehmen auf, den Bäuerinnen und Bauern durch Prämienzahlungen stabilere Einkommen zu garantieren. Nur so könne vermieden werden, dass die Unternehmen Extra-Gewinne auf Kosten extremer Armut machen würden. Zudem forderte Bahn von Nestlé, sich an der Entwicklung einer Berechnungsmethode für existenzsichernde Einkommen zu beteiligen – was jedoch von Achim Drewes als schwierig gesehen wurde, da für eine solche Berechnung zu viele verschiedene Faktoren berücksichtigt werden müssten. Evelyn Bahn forderte eindrücklich dazu auf, sich dieser Herausforderung zu stellen: „Wer Kinderarbeit ernsthaft bekämpfen möchte, muss die Armut bekämpfen und dafür sorgen, dass die Bauern ein existenzsicherndes Einkommen erzielen.“

Im Anschluss an das Podiumsgespräch gab es viele kritische Fragen aus dem Publikum. Der Ackertalk-Blog schreibt dazu: „Warum faire, feste Preise nicht zu garantieren seien, konnte oder wollte Achim Drewes … leider nicht eindeutig und überzeugend beantworten.“

Lesen Sie hier einen Artikel im Greenpeace Magazin zur Veranstaltung mit Nestlé

Bei der zweiten Veranstaltung mit Miki Mistrati im taz-Café stand das Thema Kinderarbeit im Fokus. Die Dokumentarfilme „Schmutzige Schokolade“ I & II des dänischen Journalisten Miki Mistrati über Kinderarbeit und Kindersklaverei auf Kakaoplantagen hatten 2010 und 2013 viele aufgerüttelt. Ursprünglich war eine gemeinsame Veranstaltung mit Nestlé und Miki Mistrati geplant, doch das Unternehmen lehnte eine öffentliche Diskussion mit dem Journalisten ab. Bei der Veranstaltung bekräftigte Miki Mistrati, dass sich die Situation auf den Kakaoplantagen auch 2017 nicht geändert habe – obwohl die Schokoladenindustrie sich bereits 2001 erstmalig dazu verpflichtet hätten, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu beenden. Miki Mistrati berichtete unter anderem von seiner jüngsten Reise in die Elfenbeinküste und seinen Recherchen zu einer Klage ehemaliger Kindersklaven gegen Nestlé und Cargill vor einem Gericht in Kalifornien. Auch die Zertifizierungsorganisationen nahm Miki Mistrati nicht von seiner Kritik aus: Weder Rainforest Alliance/UTZ noch Fairtrade böten einen wirksamen Schutz gegen missbräuchliche Kinderarbeit.

So bleibt nach den beiden Veranstaltungen die traurige Erkenntnis: Bisher ist Schokolade weit entfernt davon, nachhaltig und fair zu sein. Und Kampagnen wie Make Chocolate Fair! sind leider weiterhin bitter nötig.

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