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Südlink 171 - März 2015

Im Griff der Agrarkonzerne - Bäuerliche Landwirtschaft unter Druck

Editorial

von Michael Krämer

Liebe Leserin, lieber Leser,

als wir uns 2008 in einem Schwerpunkt dem Thema globale Landwirtschaft widmeten (INKOTA-Brief 144), waren wir eher skeptisch, ob die dringend notwendige Wende hin zu mehr sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit gelingen werde. Zu machtvoll seien „die Konzerne und Großgrundbesitzer in Süd und Nord, die von der industriellen Landwirtschaft profitieren – ohne Rücksicht auf Mensch und Natur”.

Sieben Jahre später müssen wir feststellen, dass wir leider Recht behalten haben. Die Konzerne haben ihre Marktmacht in den vergangenen Jahren noch weiter ausgebaut. Kleinbäuerliche Betriebe haben es immer schwerer, gegen die Großen zu bestehen. Dabei produzieren sie auch weiterhin den Großteil der weltweiten Nahrung. Doch kleinbäuerliche Familien im globalen Süden bilden auch das Gros der Armen und Hungernden.

Nicht nur im Anbau, sondern auch im Handel mit Agrargütern und in der Verarbeitung sind kontinuierliche Konzentrationsprozesse zu beobachten. Die Konzerne werden nicht nur größer, sie weiten auch ihre Handlungsfelder aus. Der harmlose Begriff der vertikalen Integration kennzeichnet diesen Prozess, wenn die ganz Großen von Saatgut und Düngemitteln über den Handel mit Agrarprodukten bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel immer mehr Geschäftsfelder kontrollieren.
Es wird intensiv darüber diskutiert, wie Armut und Hunger im globalen Süden wirkungsvoller bekämpft werden können. Milliardenschwere Finanziers wie die Stiftung von Bill und Melinda Gates oder die Rockefeller-Stiftung setzen auf eine weitere Industrialisierung der Landwirtschaft und weisen den großen Agrarkonzernen eine zentrale Rolle zu.

Doch auch die öffentlichen Geber hören eher auf die Großen als auf die Kleinen. So kritisiert Luis Machanga vom mosambikanischen Kleinbauernverband UNAC die 2012 gegründete „Neue Allianz für Ernährungssicherheit” der G7-Staaten. Diese bediene „in erster Linie die Interessen der multinationalen Konzerne”.

Die „German Food Partnership” der Bundesregierung wiederum setzt auf öffentlich-private Partnerschaften, die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen Beratung bieten und sie beim Aufbau von Marktbeziehungen unterstützen sollen. Eine Strategie, die zahlreiche Nichtregierungsorganisationen ablehnen, weil sie sich „viel mehr den Interessen der Agrarkonzerne als denen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verpflichtet sieht”, wie Jan Urhahn in seinem Diskussionsbeitrag feststellt.

Die globale Landwirtschaft gerät mehr und mehr in den Griff der Agrarkonzerne. Die meisten Regierungen setzen auf industrielle Lösungen. Alternative Modelle wie ökologische Landwirtschaft, Agrarökologie oder Agroforstwirtschaft werden von ihnen kaum gefördert. Doch die Ablehnung wächst. In Süd und Nord. Mehr als 50.000 Menschen kamen im Januar 2015 nach Berlin, um eine andere Agrarpolitik einzufordern.

Warum diese dringend nötig ist, dafür finden Sie in diesem Dossier zahlreiche Gründe. Eine erkenntnisreiche Lektüre wünscht Ihnen

Michael Krämer

Weitere Artikel aus dem Heft:

Michael Krämer: Zwei von siebzehn. Mit Guadalupe Vásquez ist die zweite Frau freigekommen, für die sich die Kampagne "Freiheit für die 17" in El Salvador einsetzt.

Uwe Hoering: Im Griff der Konzerne. Große Unternehmen üben immer mehr Kontrolle über die globale Landwirtschaft aus.
Leonardo Rossi: Fruchtbarer Boden für Monsanto. Argentinien will sich als Agrarexportmacht behaupten. Davon profitieren vor allem Großkonzerne.
Stefan Schmitz und Jan Urhahn: PRO & CONTRA - Hilfe für Kleinbauern oder Konzernförderung?

Marita Wiggerthale: Keine Zukunft ohne Agrarökologie. Die globale Landwirtschaft muss sich von industriellen Produktionsmethoden verabschieden.

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