Südlink

Zum Beispiel den Südlink im Probeabo (2 Ausgaben für 6 Euro ohne automat- ische Verlängerung):

Südlink-Abo online einrichten

Bestellformular zum Ausdrucken

(PDF, 281KB)



Angebot

Bei einer Bestellung ab 5 Exemplaren des Südlinks (INKOTA-Brief) gibt es 20 Prozent, ab 10 Exemplaren 30 Prozent Rabatt.

Der Rabatt wird automatisch beim Checkout berechnet.

Alle Südlinks in der Übersicht

Ansprechpartner


Michael Krämer
kraemer[at]inkota.de
Tel.: 030 420 8202-42

Kampagnen-Infos, Mit-Mach-Aktionen, Termine - Abonnieren Sie den INKOTA-Newsletter und bleiben Sie auf dem Laufenden!

Südlink 178 - Dezember 2016

Fairer Handel: Erfolgsmodell mit Schwächen

Erfolgsgeschichte mit offenen Fragen

Der Absatz fair gehandelter Blumen ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen.

von Silke Peters

Das Geschäft mit fairen Blumen boomt. Mittlerweile ziert das Fairtrade-Siegel jede vierte Rose in Deutschland. Doch die Kund*innen kaufen diese vor allem im Supermarkt und sind offenbar kaum dazu bereit, angemessene Preise für qualitativ hochwertige Blumen zu zahlen.

Wer hierzulande von fairen Blumen spricht, meint in der Regel Fairtrade-Blumen. Denn nennenswerte Alternativen zu dem blau-grünen Siegel gibt es im Blumensektor so gut wie nicht – oder nicht mehr. Dabei ist die faire Blume durchaus gefragt: Mit zehn Prozent Anteil am Gesamtumsatz gehörte sie 2015 zu den Spitzenreitern unter den fair gehandelten Produkten. Jede vierte Rose, die in Deutschland über die Ladentheke geht, trägt inzwischen das Siegel.

Im vergangenen Jahr hat Fairtrade den Standard für Blumen und Pflanzen zudem auf die Produktion von Jungpflanzen ausgedehnt. So bekommt man zum Beispiel auch Weihnachtssterne mit dem Fairtrade-Zertifikat. Andere Beet- und Balkonpflanzen, deren Stecklinge in Südamerika oder Afrika produziert werden, folgen voraussichtlich bald, zum Beispiel Geranien.

Das Flower Label Programm bereitete Fairtrade den Weg

Wirtschaftlich betrachtet ist die Fairtrade-Blume eine Erfolgsgeschichte. Den „Boden“ dafür hat das Flower Label Programm (FLP) bereitet. In dieser Initiative haben sich Mitte der 1990er Jahre Blumenhändler*innen, -produzent*innen, Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften zusammengetan. Ziel war die Verbesserung der Umwelt- und Arbeitsbedingungen in der internationalen Blumenproduktion.

Über viele Jahre lief das erstaunlich gut. Da Deutschland der drittgrößte Blumenabsatzmarkt der Welt ist, hatten die deutschen Importeure einen starken Einfluss. Die Umsetzung der Anforderungen bezog sich jedoch nur auf Blumenanbaubetriebe. Der Handel selbst verpflichtete sich zu wenig und verkannte offensichtlich das enorme Vermarktungspotenzial, das in dem Thema steckt.

Als sich den ursprünglich FLP-zertifizierten Farmen im Jahr 2005 der alternative Absatzweg über Fairtrade bot, entschieden sich insbesondere die afrikanischen Produzent*innen für dieses Konzept. Fairtrade eröffnete ihnen durch die Zusammenarbeit mit Supermarktketten deutlich bessere Absatzchancen. Für den FLP e.V. war damit das Ende eingeläutet.

Der Blumenfachhandel hat damit das System verloren, das ein Pendant zum Fairtrade-Siegel im Supermarkt hätte sein können. Mit Blick auf die Bedingungen in der Herstellung hat er allerdings Pionierarbeit geleistet. Und dazu beitragen, dass Fairtrade im Jahr 2005 quasi „aus dem Stand“ mit einer Angebotsmenge und -qualität im Markt auftreten konnte, die für Großabnehmer*innen interessant war.

Die Absatzmengen der Fairtrade-Blumen haben sich vom ersten Moment an rasant entwickelt. Bisherige Spitze war das Jahr 2012, in dem der Verkauf Fairtrade-zertifizierter Rosen um 200 Prozent gestiegen ist. Ursache für diesen Sprung war der Einstieg von Edeka und Netto. Supermärkte und Discounter sind bis heute der Hauptabsatzkanal für Fairtrade-Blumen. Zwar bieten mittlerweile auch viele Fachgeschäfte Blumen mit dem Fairtrade-Siegel an, ihr Anteil bleibt aber gering.

Der Qualitätsunterschied – Fachhandels-Fairtrade-Rosen sind oft hochwertige Ware aus dem kenianischen Hochland – reicht für die Kund*innen als Argument nicht, wenn es um die Ecke Rosen mit dem gleichen Siegel für ein Drittel des Preises gibt. Fairtrade-Supermarkt-Blumen stammen in der Regel aus Massenproduktion und bewegen sich trotz Fairtrade-Prämie im unteren Preissegment. Mehr verkaufte Blumen bedeuten dementsprechend nicht automatisch höhere Einnahmen: Im Jahr 2015 ist der Absatz an Fairtrade-Blumen zwar um sechs Prozent gestiegen, der Umsatz aber um vier Prozent gesunken.

Globale Gerechtigkeit gibt es nicht umsonst
Dem Wunsch nach fairer produzierten Blumen, kommt Fairtrade also nach. Aber das Geschäft läuft zwischen einigen wenigen großen Unternehmen, das heißt konkret zwischen 55 Blumenfarmen in Afrika und Lateinamerika und einigen Supermarktketten in Europa. Dass damit viele Arbeiter*innen einbezogen werden, steht außer Frage. Beim Blick auf das „große Ganze“ bleiben dennoch ein paar Fragen offen.

Blumen werden von Hand gepflückt. Sie haben eine vergleichsweise lange Wachstumszeit, in der sie Boden, Wasser, Licht und oft auch Pflanzenschutzmittel brauchen. Wenn sie – wie alle Fairtrade-Blumen – aus Afrika, Lateinamerika oder Asien kommen, müssen sie mit dem Flugzeug transportiert werden. Hinzu kommen Wege innerhalb Europas.

Kann es überhaupt sein, dass sie dann so günstig verkauft werden? Werden hier nicht, wie in vielen anderen globalen Wertschöpfungsketten auch, die tatsächlichen Kosten einfach „ausgegliedert“? Was ist mit den langfristigen Umwelt- und Sozialauswirkungen?

Als Verbraucheri*innen müssen wir lernen, dass Produkte ihren Preis haben. „Fair“ produzierte Waren erst recht. Der Verlust der Wertschätzung ist gerade für die Blumenbranche ein großes Thema. Denn die Preisspirale nach unten betrifft den ganzen Sektor. Mit Kampagnen wie „1000 gute Gründe“ oder „Ich bin von hier“ versuchen Produzent*innen und Händler*innen ein neues Bewusstsein für Blumen und Pflanzen zu schaffen. Die umweltfreundliche und sozialverträgliche Produktion ist dabei ein Aspekt. Die Auseinandersetzung mit Blumen, die alle für sich gesehen einzigartig sind und die nicht immer gleich zu immer gleichen Konditionen für uns bereit stehen, ist ein anderer.

Ein Siegel ist aus Verbrauchersicht eine „schnelle Lösung“. Es nimmt uns die Mühe ab, uns selbst mit den Hintergründen beschäftigen zu müssen und gibt uns ein gutes Gefühl. Dass es dabei den Eindruck vermittelt, es gäbe globale Gerechtigkeit für „fast umsonst“ ist allerdings gefährlich irreführend.

Trotzdem sind fair gehandelte Blumen und Pflanzen je nach Einkaufsort meist die bessere Wahl. Der regionale und saisonale Einkauf im Blumenladen um die Ecke ist aber mindestens ebenso gut. Wer sucht, findet sogar Bioblumen. Die sind oft üppiger und haben kräftigere Stiele, weil sie sich ganz anders gegen Unkraut und Krankheiten durchsetzen mussten als ihre Brüder und Schwestern aus der Massenproduktion.

Silke Peters ist Expertin für Umwelt- und Sozialstandards und ehemalige Geschäftsführerin des Flower Label Programms. Ihr Buch „Blühende Geschäfte. Der weltweite Handel mit der Blume“ ist im Februar 2015 im oekom Verlag erschienen.