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Unabhängiges Indien: Seit 70 Jahren im Übergang

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 15. August feiert Indien den siebzigsten Jahrestag seiner Unabhängigkeit von Großbritannien. Premierminister Narendra Modi wird die Stärke des Landes beschwören und als Beweis dafür das hohe Wirtschaftswachstum der letzten Jahre anführen. Dies ist mit zuletzt sieben Prozent (2016) in der Tat beachtlich, auch wenn es einige Zweifel daran gibt, ob die Zahl nicht durch eine Umstellung der Berechnungsmethode ein Stück nach oben manipuliert wurde.

Mit seinem Slogan „Entwicklung für alle“ hat der Hindunationalist Modi 2014 die Wahlen gewonnen und sich an den Umbau des riesigen Landes gemacht. Er regiert heute unangefochten – was allerdings nicht nur an der Stärke seiner eigenen Bharatiya Janata Party (BJP) liegt, sondern auch an der Schwäche der Opposition. Vor allem die jahrzehntelang regierende Kongresspartei hat abgewirtschaftet, eine landesweite politische Alternative ist nicht in Sicht.

Modis Politik bewegt sich programmatisch zwischen wirtschaftlicher Liberalisierung und Hindunationalismus. Mit beiden Zielen setzt er sich „klar von Jawaharlal Nehru und den meisten anderen Vätern (und wenigen Müttern) der indischen Unabhängigkeit ab, für die Verteilungsgerechtigkeit, Antikolonialismus und friedliche Entwicklung ganz oben auf der Agenda standen“, wie Heinz Werner Wessler in seiner Einleitung zu unserem Dossier schreibt.

In diesem Sinn sind die Aussichten für Indien alles andere als rosig. Die Wirtschaft boomt, doch die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander. Vor allem in den ländlichen Regionen profitieren nur Wenige vom Aufschwung. Allein 100 Millionen Wanderarbeiter*innen versuchen auf den informellen Arbeitsmärkten ein prekäres Auskommen zu finden. „Freigesetzt aus ihren Wohn- und Lebensräumen flottieren sie zwischen ihren Dörfern und den wachsenden Städten, ohne sich dauerhaft irgendwo festsetzen zu können“, schreibt Hanns Wienold über diese „Unterklasse der Überflüssigen“.

Mit seinem strammen Nationalismus übertüncht Modi, dass viele der Probleme Indiens ihre Ursache in überkommenen und verkrusteten Klassen- und Kastenstrukturen haben. Großbritanniens 200-jährige Vorherrschaft in Indien hat einiges dazu beigetragen, dass sich diese Strukturen so entwickelt und verfestigt haben. Seither aber wurde von offizieller Seite nur wenig unternommen, um sie einzureißen.

Auch siebzig Jahre nach der Unabhängigkeit scheint sich Indien noch immer in einem Übergangszustand zu befinden. Seit Jahrzehnten diskutiert das Land über die Frage, was authentisch indisch ist, und was nicht. Die BJP und ihr Hindunationalismus aber gefährden die seit dem Ende der Unabhängigkeit beschworene „Einheit in Vielfalt“, alternative Lebensentwürfe geraten immer stärker unter Druck.

Noch erhebt die Zivilgesellschaft ihre Stimme gegen das autoritäre Gesellschaftsmodell der Hindunationalisten. Die Räume für offene Diskussionen aber werden enger.

Mögen die Beiträge zu diesen und weiteren Themen in diesem Südlink auf Ihr Interesse stoßen, hofft

Michael Krämer

Michael Krämer

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.