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BMW, Daimler & VW: Wie nachhaltig sind ihre Lieferketten?

Nachhaltigkeit wird in der Autoindustrie mittlerweile großgeschrieben. Wir wollten es aber genau wissen und haben die Nachhaltigkeitsberichte von BMW, Daimler und VW unter die Lupe genommen.

von Lara Louisa Siever
Veröffenticht 30. NOVEMBER 2020

Die gute Nachricht ist: Unsere Forderung, dass es mehr Transparenz über die Lieferketten von Automobilherstellern braucht und, dass Menschenrechte und Umweltstandards beim Rohstoffbezug gewahrt werden müssen, ist bei den namhaften Autokonzernen zumindest angekommen. Es gehört mittlerweile zum guten Ton, Mitglied in Rohstoffinitiativen zu sein und eine Unternehmenspolitik zu Menschenrechten und Umweltstandards zu haben. Außerdem fangen die Unternehmen an, über ihr Engagement für Menschenrechte und Umweltstandards zu berichten.

Die schlechte Nachricht ist: Beim genaueren Hinsehen zeigt sich, dass das allein nicht reicht. Vom Anspruch, konsequent und transparent über die genaue Herkunft sowie die Bedingungen beim Abbau der Rohstoffe zu berichten, bleibt am Ende wenig übrig. Nur schleppend und wählerisch übersetzen die Unternehmen ihre Verantwortung in einzelne konkrete Maßnahmen. Deren Wirksamkeit bleibt darüber hinaus fraglich. Das zeigt unsere gemeinsam mit PowerShift herausgegebene Studie „Performance-Check Automobilindustrie: Verantwortungsvoller Rohstoffbezug?“.

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Performance-Check Automobilindustrie: Verantwortungsvoller Rohstoffbezug?
Eine Analyse von Industrieinitiativen und Nachhaltigkeitsberichten
Performance-Check Automobilindustrie: Verantwortungsvoller Rohstoffbezug?
Eine Analyse von Industrieinitiativen und Nachhaltigkeitsberichten
Nachhaltigkeit wird in der Autoindustrie mittlerweile großgeschrieben. INKOTA und PowerShift wollten es aber genau wissen und haben die Nachhaltigkeitsberichte von BMW, Daimler und VW genau unter die Lupe genommen. In unserer Studie haben wir uns verschiedene Rohstoff- und Industrieinitiativen anges...

In der Studie haben INKOTA und PowerShift verschiedene Rohstoff- und Industrieinitiativen analysiert, in denen die drei größten deutschen Autounternehmen BMW, Daimler und VW Mitglied sind. Außerdem wurden ihre Nachhaltigkeitsberichte untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass den großen Worten und hohen Zielen häufig kleine, selektive Taten und niedrige bis gar keine nachvollziehbaren Ergebnisse folgen.

  • Die Berichte geben nur lückenhaft Auskunft über einzelne Rohstoff-Lieferketten. Während die Rohstoffe für E-Auto-Batterien Kobalt und Lithium mittlerweile mehr Aufmerksamkeit bekommen, bekommen die Massenrohstoffe wie Aluminium, Stahl und Kupfer relativ wenig Beachtung.
  • Es wird nur selektiv über Maßnahmen berichtet, die die Autohersteller ergreifen, um ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen - deren Wirkung und Abhilfemaßnahmen werden darüber hinaus kaum bis gar nicht erwähnt.
  • Besorgniserregend ist außerdem, dass keines der untersuchten Unternehmen bisher einen Beschwerdemechanismus eingerichtet zu haben scheint, der den Effektivitätskriterien der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte entspricht. Das heißt, dass Betroffene von Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden, die im Zusammenhang mit Unternehmensaktivitäten stehen, nur unzureichend Möglichkeit haben, sich zu beschweren und angemessen entschädigt zu werden.
  • Außerdem bleibt von außen unklar, inwiefern die Unternehmen bei der Ausgestaltung und Umsetzung ihrer Sorgfaltspflichten potentiell Betroffene einbeziehen, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen dabei zu berücksichtigen.

Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass die Autounternehmen versuchen, ihre eigene Verantwortung durch die Mitgliedschaft in Industrie- und Rohstoffinitiativen auszulagern. Allerdings bleibt die Wirkung der Maßnahmen solcher Initiativen ebenfalls unklar.

Abschließend kommt die Studie zu dem Fazit, dass die deutsche Automobilindustrie von verantwortungsvollem Rohstoffbezug noch weit entfernt ist.

Starkes Lieferkettengesetz nötig

Damit wird einmal mehr deutlich, warum wir ein Lieferkettengesetz brauchen, das Unternehmen keine Wahl lässt, sondern sie verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen. Entscheidend dabei ist, dass solch ein Gesetz, den Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und Umweltverstößen ermöglicht, vor deutschen Gerichten auf Schadensersatz zu klagen.

ANMERKUNG: Überarbeitete Fassung der Studie, Dezember 2020. Die neue Fassung enthält Änderungen auf den Seiten 14 und 32-33. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Gefördert durch Brot für die Welt aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin, sowie durch Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Für den Inhalt dieser Publikation sind die Herausgeber alleine verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Zuwendungsgeber wieder.

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