Projekte & Länder

Ernährung sichern, Pestizide bekämpfen

Nicaragua: Mit unseren Partnern unterstützten wir 2019 Bäuerinnen beim Kampf gegen ein Zuckerunternehmen

von Isabell Nordhausen
Veröffenticht 14. AUGUST 2020

Corina Martínez lebt im Landkreis El Viejo im Nordwesten Nicaraguas inmitten einer riesigen Zuckerrohrplantage. Nur eine schmale, unbefestigte Straße trennt ihre Holzhütte von den Feldern. Viele Menschen im Landkreis leben vom Zuckerrohranbau – und fast alle haben einen nahestehenden Menschen, der an chronischer Niereninsuffizienz erkrankt ist. Tausende sind in Zentralamerikas Zuckerrohranbaugebieten bereits an Nierenversagen gestorben. Corina Martínez kann dies nur bestätigen. „Die meisten Menschen in unserer Gemeinde sind krank – Männer, Frauen und Kinder“, erzählt sie. Seit elf Jahren kämpft ihr Ehemann gegen die Krankheit. „Es vergeht kein Tag, an dem er nicht über Schmerzen klagt.“

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INKOTA-Jahresbericht 2019
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Aktuelle Untersuchungen legen einmal mehr nahe: Zusätzlich zu der extremen Hitzebelastung sind vor allem Pestizide schuld. Neben Paraquat – von Syngenta aus der Schweiz vertrieben – steht dabei wieder mal der Unkrautvernichter Glyphosat von Bayer-Monsanto im Verdacht. Mit Flugzeugen und Traktoren versprüht das örtliche Zuckerunternehmen die Chemikalien – und vergiftet damit die Menschen auf den Plantagen und in der Umgebung. Ganz zu schweigen von Böden, Flüssen und Brunnen. Besonders hart trifft das die Kleinbauernfamilien, die ihre Lebensmittel zwischen den Großplantagen anbauen. „Alle zwei Wochen wird bei uns gesprüht, manchmal auch öfter“, sagt Corina Martínez. „Unser Wasser ist dadurch verseucht. Aus unserem Brunnen trinke ich keinen Tropfen mehr.“

Ein hoffnungsvoller Neuanfang

In dieser ausweglos scheinenden Situation hat sich Corina Martínez an die Frauenorganisation APADEIM gewendet. In einem von INKOTA unterstützten Projekt werden Frauen aus dem Landkreis El Viejo weitergebildet und Gemeindeorganisationsstrukturen aufgebaut und gestärkt. Die Frauen organisieren sich nun im Netzwerk für Landfrauen und nehmen dadurch Einfluss auf Entscheidungsprozesse auf Gemeinde- und Landkreisebene. Gleichzeitig erhalten sie Saatgut und Setzlinge für den Obst- und Gemüseanbau und verbessern ihre Ernährungs- und Einkommenssituation. So können sie mit gestärktem Rücken dem Zuckerunternehmen die Stirn bieten.

Alle zwei Wochen wird bei uns gesprüht, manchmal auch öfter. Unser Wasser ist dadurch verseucht. Aus unserem Brunnen trinke ich keinen Tropfen mehr.
Corina Martínez

APADEIMs Beratung war für Corina Martínez der Schlüssel zu einem Neuanfang. „Mein Leben hat sich durch diese Unterstützung wirklich verbessert“, sagt sie. „Es geht mir besser, weil ich endlich wieder Hoffnung habe.“ Corina Martínez möchte nun anderen Kleinbauernfamilien in der Gemeinde helfen: „Als Promotorin trage ich im Projekt eine besondere Verantwortung. Ich gebe mein Wissen weiter – und helfe wo ich kann.“ Das lokale Zuckerunternehmen sprüht zwar immer noch seine Pestizide. Doch durch die bessere wirtschaftliche Situation, die Gemeindeorganisation und das neue Gemeinschaftsgefühl sind die Kleinbauernfamilien zuversichtlich: Am Ende gewinnen sie.

Dieser Text ist im Jahresbericht 2019 erschienen

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