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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

immer mal wieder schwappt die Mär von den angeblichen Segnungen des Kolonialismus für die Entwicklung afrikanischer und anderer Länder des globalen Südens in die Medien. Dem muss entschieden widersprochen werden: Der Kolonialismus war ein Unrechtssystem, das auf der Ausbeutung anderer Weltregionen beruhte und deren Bewohner*innen auf der Basis einer rassistischen Ideologie entrechtete. Da gibt es nichts zu diskutieren und zu deuten. Wenn das Deutsche Reich als Spätstarter auch keine der ganz großen Kolonialmächte war, so hatte es doch für einige Jahrzehnte den zynisch so bezeichneten „Platz an der Sonne“ gefunden.

Zu den Mythen über den deutschen Kolonialismus gehört, dass dieser im Vergleich zu jenem mancher anderer Länder gar nicht so schlimm gewesen sei. Weit gefehlt. Das Deutsche Reich ist unter anderem für den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts verantwortlich. Jede andere Deutung gehört in die Kategorie Kolonialrevisionismus, wie ihn manche Rechte nicht ohne Grund bis heute pflegen: Wo sich ein unkritisches Bild der eigenen Vergangenheit durchsetzt, ist es einfacher, sich der Verantwortung für Ungleichheiten zwischen den Ländern heute zu entziehen.

Magazin
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Südlink - Deutscher Kolonialismus: Wie die Vergangenheit die Gegenwart belastet
Südlink 188 - Juni 2019
Magazin
Südlink - Deutscher Kolonialismus: Wie die Vergangenheit die Gegenwart belastet
Südlink 188 - Juni 2019
Der Versailler Vertrag besiegelte vor 100 Jahren das Ende des deutschen Kolonialreichs. Doch dessen Auswirkungen lasten bis heute auf den ehemaligen Kolonien. Das zeigt nicht nur die aktuelle Debatte um die Raubkunst in deutschen Museen. Im heutigen Namibia verübten deutsche Kolonialtruppen den erst...

Auch deshalb nimmt INKOTA den hundertsten Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles am 28. Juni 1019 zum Anlass für ein Südlink-Dossier über das Thema Kolonialismus. In Versailles wurde das formale Ende des deutschen Kolonialreichs besiegelt. Doch das von US-Präsident Woodrow Wilson proklamierte „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ sollte für die ehemaligen deutschen Kolonien – genauso wie für fast alle anderen –eine Hoffnung bleiben, die sich auf Jahrzehnte hinaus nicht erfüllen sollte.

Weltweit gibt es nur noch wenige Kolonien. Und doch wirkt die Kolonialzeit bis heute fort. Sie ist eine Vergangenheit, die längst nicht abgeschlossen ist. Wie aktuell sie ist, zeigt auch die Debatte um die Restitution von Raubkunst. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte 2017 an, alle afrikanischen Kunstwerke, die in der Kolonialzeit in französische Museen gelangten, zurückgeben zu wollen. Deutschland ist hier noch lange nicht so weit. Dies zeigt auch die Diskussion um das Humboldt Forum in Berlin, das Ende des Jahres eröffnen soll.

Zur Erinnerung an das koloniale Unrecht und zur „Umkehrung des eurozentrischen und kolonialen Blicks“ fordert der Kolonialhistoriker Jürgen Zimmerer im Südlink-Interview die Umbenennung des Humboldt Forums in Benin-Forum. Die Benin-Objekte gehören zu den weltweit berühmtesten kolonialen Raubobjekten, Hunderte von ihnen lagern in den ethnologischen Sammlungen Berlins und sollen im Humboldt Forum ausgestellt werden. Dessen Verantwortliche wollen sich bisher jedoch weder auf eine Umbenennung des Forums noch auf eine massive Rückgabe der kolonialen Raubobjekte einlassen.

Auch darüber können Sie in diesem Südlink lesen, der ein historisches Thema beleuchtet, das doch hochaktuell ist. Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen
Michael Krämer

Zum Autor

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

Michael Krämer arbeitet bei INKOTA und ist Redakteur des Südlink-Magazins.

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