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INKOTA Jahresbericht 2016

Pressemitteilung - INKOTA fordert Kurskorrekturen bei neuer Sonderinitiative des Entwicklungs-ministeriums

Stärkerer Fokus auf die Förderung der lokalen Landwirtschaft und agrarökologischer Anbaumethoden sowie Einbeziehung von Kleinbauernorganisationen sind zentral.

[Berlin, 24. März 2015] – Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) feiert heute öffentlich den Start der Sonderinitiative Eine Welt ohne Hunger (SEWOH). Zentraler Bestandteil der Sonderinitiative ist der Aufbau von Grünen Innovationszentren in Ländern des globalen Südens. Nach Ansicht des entwicklungspolitischen INKOTA-netzwerk lassen sich wirkliche Innovationen, die Hunger und Armut bekämpfen, soziale Gerechtigkeit fördern und eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen stärken, allerdings nur schwer finden.

„Die grünen Innovationszentren folgen einem klassischen Wertschöpfungsketten-Ansatz. Landwirtschaftliche Rohstoffe sollen möglichst günstig angebaut und unverarbeitet aus den Ländern des globalen Südens exportiert werden“, sagt Jan Urhahn, Landwirtschaftsexperte beim INKOTA-netzwerk. „Darin ist keine Innovation zu erkennen. Das ist stumpfe Privatwirtschaftsförderung im Interesse ausländischer Konzerne und zum Nachteil der Mehrheit der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im globalen Süden“, so Urhahn weiter. „Wirklich innovativ wäre es, die lokale Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten zu stärken und damit die lokalen Märkte zu versorgen.“

Einen klaren Fokus auf agrarökologische Anbaumethoden suche man in der SEWOH vergebens. „Stattdessen wird weiterhin eine industrielle Landwirtschaft unterstützt, deren Folgen fatal sind: ausgelaugte Böden, Verlust von Artenvielfalt und Abhängigkeiten der kleinbäuerlichen Erzeuger und Erzeugerinnen von teuren Betriebsmitteln wie Saatgut, Dünger und Pestiziden und damit vom Agribusiness.“ Aus Sicht des INKOTA-netzwerk sollten stattdessen im Rahmen der SEWOH in enger Kooperation mit Forschungsinstituten im globalen Süden und unter Einbeziehung der Verbände von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen lokale Saatgutsorten und Anbautechniken weiter entwickelt werden, die den Bedürfnissen der kleinbäuerlichen Erzeuger und Erzeugerinnen entsprechen und zugleich an die lokalen Begebenheiten angepasst sind.

Obwohl das BMZ von der deutschen Zivilgesellschaft aufgefordert wurde, zivilgesellschaftliche Organisationen gerade in den Zielländern der Grünen Innovationszentren einzubeziehen, geschah das entweder gar nicht oder nur kurzfristig und unzureichend. „Die Vorhaben der SEWOH können nur dann wirklich wirken, wenn die Bedürfnisse der kleinbäuerlichen Erzeuger und Erzeugerinnen ernst genommen werden“, erklärt Jan Urhahn. „Die enge Zusammenarbeit mit Bauernverbänden und zivilgesellschaftlichen Gruppen im globalen Süden muss Kern der SEWOH sein. Die Vorhaben dürfen ihnen nicht von außen aufgedrückt werden“, fordert Urhahn. 

INKOTA begrüßt grundsätzlich, dass das BMZ mit der SEWOH die Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung in das Zentrum seiner Politik stellt und die finanziellen Mittel – auch für die Zivilgesellschaft in Deutschland – erhöht. Damit die SEWOH tatsächlich wirksam wird, sind aus Sicht des INKOTA-netzwerk jedoch Kurskorrekturen notwendig.

Pressemitteilung als PDF (PDF, 55 KB)

Weitere Informationen

Positionspapier des Forum Umwelt und Entwicklung: Die sieben Säulen einer zukunftsfähigen, bäuerlichen Landwirtschaft und souveränen Ernährung in Nord und Süd (PDF, 225 KB)

AnsprechpartnerInnen

Jan Urhahn, INKOTA-Referent für Landwirtschaft und Ernährung, E-Mail: urhahn@inkota.de

Arndt von Massenbach, Geschäftsführer, Mobil: 0177-2872768, E-Mail: massenbach@inkota.de