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Neue Studie belegt: Indische Arbeiter*innen leiden unter katastrophalen Bedingungen in der Schuh- und Lederproduktion

[Berlin, 5. Oktober 2016] – Löhne weit unter dem Existenzniveau, gravierende Mängel in Sachen Gesundheitsschutz und Sicherheit sowie Diskriminierung und Ausbeutung aufgrund traditioneller Geschlechter- und Kastennormen - die Arbeitsbedingungen in der indischen Schuh- und Lederproduktion sind katastrophal. Das belegt die neue Studie der Kampagne Change Your Shoes, die SÜDWIND und INKOTA heute veröffentlichen. Die Organisationen fordern Markenunternehmen weltweit dazu auf, Profite nicht weiterhin auf Kosten der Arbeiter*innen zu erzielen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Europa.

„Die Beschäftigten der Zulieferfabriken europäischer Marken berichten von Löhnen weit unter existenzsicherndem Niveau, von verpflichtenden Überstunden, unzureichendem Schutz vor Gesundheits- und Sicherheitsrisiken, Verbot von Gewerkschaften und Diskriminierung sowie Ausbeutung aufgrund traditioneller Geschlechter- und Kastennormen“, erklärt Mitautor Anton Pieper von SÜDWIND. Auf Grundlage einer Befragung von Beschäftigten aus mehreren Schuh- und Lederfabriken in Ambur in Südindien und Agra in Nordindien zeichnet die Studie unter dem Titel „Auf der Stelle (ge)treten“ ein erschreckendes Bild der indischen Schuh- und Lederproduktion.

„Internationale Markenunternehmen, die ihre Waren von indischen Zulieferern produzieren lassen, müssen ihrer Verantwortung endlich gerecht werden“, fordert Lena Janda von INKOTA. „Sie müssen dringend Maßnahmen ergreifen, die sicherstellen, dass sie ihre Profite nicht weiterhin auf Kosten der Menschen erzielen, die am unteren Ende der Wertschöpfungskette stehen“, so Janda weiter.

Die ArbeiterInnen in Indiens Schuh- und Lederindustrie leiden unter den internationalen Marktschwankungen und Auswirkungen einer zunehmenden Liberalisierung. Sie geht einher mit einer schrittweisen Aufweichung der Rechte von Arbeiter*innen, einem Rückgang von Gewerkschaftsaktivitäten und fehlenden Beschäftigungsalternativen.

Indien ist nach China das Land mit der größten Schuhproduktion weltweit. Allein im Jahr 2015 kamen mehr als 2,2 Mrd. Paar Schuhe vom südasiatischen Subkontinent. Die meisten Exporte gehen nach Europa, vor allem nach Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich. Mehr als eine Million Menschen sind in der indischen Schuhindustrie beschäftigt, in der Lederindustrie insgesamt über 2,5 Millionen. Lederschuhe sind das bei weitem bedeutendste Produkt der indischen Schuhindustrie, sowohl in der Produktion als auch im Export.

Die Befragung wurde vom Change Your Shoes-Partner Society for Labour and Development 2015 durchgeführt.

Studie und Factsheet stehen gedruckt und zum Download zur Verfügung (Studie | Factsheet).

Weitere Informationen:

Studie: „Auf der Stelle (ge)treten. Arbeitsrechtsverletzungen in der indischen Schuh- und Lederindustrie“ (PDF 1.8 MB)

Factsheet: „Auf der Stelle (ge)treten. Arbeitsrechtsverletzungen in der indischen Schuh- und Lederindustrie“ (PDF 1.8 MB)

Pressemitteilung als PDF (PDF 71 KB)

Ansprechpartner*innen:
Lena Janda, INKOTA-netzwerk, Tel.: 030-420 8202-53, E-Mail: janda@inkota.de
Anton Pieper, SÜDWIND, Tel.: +49 (0)1575-0478929 E-Mail: pieper@suedwind-institut.de

„Change Your Shoes“ ist eine Initiative von 18 Menschenrechts- und Arbeitsrechtsorganisationen, die sich für eine nachhaltige und ethische Schuhlieferkette einsetzen. Indem die Kampagne die KonsumentInnen für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisiert, Lobbyarbeit bei PolitikerInnen und Labelorganisationen leistet und Unternehmen drängt ihre Sorgfaltspflichten wahrzunehmen, zielt die Kampagne darauf ab, die sozialen und ökologischen Bedingungen in der Schuh- und Lederindustrie zu verbessern.

Die Kampagne „Change Your Shoes“ wird von der Europäischen Union finanziell unterstützt sowie von Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, durch Brot für die Welt und von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ. Für den Inhalt sind allein die Herausgebenden verantwortlich.