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Im Textilbündnis beginnt die nächste Phase - Erwartungen an die Mitglieder

Stellungnahme der Zivilgesellschaft im Bündnis für nachhaltige Textilien zur Mitgliederversammlung 2016

[Berlin, 23. November 2016] – Der Steuerungskreis hat Ende Oktober nach langen, nicht immer leichten Verhandlungen den Startschuss für die nächste Phase des Textilbündnisses gegeben. Die Zivilgesellschaft im Textilbündnis begrüßt diese Einigung und sieht dies als wichtigen ersten Schritt hin zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Wertschöpfungskette. Alle Mitglieder müssen nun bis Ende Januar 2017 eigene Umsetzungsziele, sogenannte Roadmaps, erstellen. Die Roadmaps werden die Bereiche benennen, in denen die Mitglieder ihre Lieferanten schrittweise auf bessere Arbeitsbedingungen verpflichten. Die Roadmaps sind also zentrale Leitfäden, an denen abgelesen werden kann, was und wie viel die Mitglieder, insbesondere Unternehmen, aber auch die öffentliche Hand bei der Beschaffung von Textilien in der kommenden Zeit bereit sind zu leisten.

Aus Sicht der Zivilgesellschaft im Textilbündnis sind für wirkungsorientierte und anspruchsvolle Roadmaps die nachfolgenden Aspekte zentral:

  1. Eine anspruchsvolle Roadmap muss ein Ziel zur Umsetzung von existenzsichernden Löhnen in der eigenen Wertschöpfungskette enthalten.
  2. Die Ziele in diesen anspruchsvollen Roadmaps dürfen sich nicht auf die erste Lieferkettenstufe, die Konfektion, beschränken, sondern müssen auch Maßnahmen in der tieferen Wertschöpfungskette, wie zum Beispiel eine Steigerung in der Beschaffung nachhaltiger Naturfasern, enthalten.
  3. Die Veröffentlichung der Roadmaps ist im ersten Jahr freiwillig. Die Zivilgesellschaft erwartet aber, dass ein großer Anteil der Mitglieder ihre Roadmaps bereits im ersten Jahr öffentlich zugängig machen.
  4. Transparenz ist auch über die Roadmaps hinaus ein entscheidendes Kriterium für den künftigen Erfolg des Textilbündnisses. Zu Maßnahmen der Transparenz gehört die Offenlegung der Zulieferer durch die Unternehmen.

Diese Aspekte erwartet die Zivilgesellschaft insbesondere von den Mitgliedsunternehmen des Textilbündnisses, die sich zu den Ambitionierten zählen.

Die ersten wichtigen Hürden hat das Textilbündnis in diesem Jahr genommen. „Damit aber Verbesserungen durch das Textilbündnis bei den ArbeiterInnen in den Produktionsländern ankommen, müssen noch weitere wichtige Entscheidungen im Textilbündnis getroffen werden“, sagt Tim Zahn, Koordinator der Zivilgesellschaft im Textilbündnis. Dazu gehöre die Überprüfung der Roadmaps und der später folgenden Fortschrittsberichte durch eine unabhängige Instanz (den sog. unabhängigen Dritten). „Hierbei kommt es für die Zivilgesellschaft vor allem darauf an, dass eine wirksame Begleitung dieser Instanz durch ein paritätisch aus den Anspruchsgruppen im Bündnis besetztes Gremium erfolgt“, so Zahn weiter. Für die Evaluation der Zielerreichung müssen vor allem die Wirkungen aller Maßnahmen der Mitglieder auf ArbeiterInnen im Mittelpunkt stehen – und nicht allein deren Durchführung.

Weitere Informationen:

Stellungnahme der Zivilgesellschaft als PDF (PDF 484 KB)

Das Bündnis für nachhaltige Textilien: Feigenblatt oder innovative Initiative? - Fachbeitrag von INKOTA-Referent Berndt Hinzmann im Dossier "Wirtschaft und Menschenrechte", März 2016 (PDF, 313 KB)

Ansprechpartner:
Berndt Hinzmann, INKOTA-netzwerk, Tel.: 0160 94 69 87 70, E-Mail: hinzmann@inkota.de