Ernährungssicherheit statt Exportproduktion

Neue Perspektiven für Kleinbäuerinnen in Nicaragua

Promotorin für Ernährungssicherheit Brenda Miranda mit ihrem neuen Eber in der Gemeinde Los Paniquines. Foto: INKOTA-netzwerk

Im Landkreis El Viejo im Nordwesten von Nicaragua werden Zuckerrohr und Erdnüsse im großen Maßstab in Monokulturen produziert – für den Export. Doch von den Exportgewinnen profitieren lediglich ein paar Großgrundbesitzer. Die Mehrzahl der Menschen hingegen besitzt nur ein ganz kleines Stückchen Land, auf dem sie hauptsächlich die Grundnahrungsmittel Mais und Bohnen anbauen. Die Ernte reicht höchstens für den Eigenbedarf aus.

Die Region ist von extremer Armut geprägt. Zahlreiche Kinder leiden an chronischer Mangel- und Unterernährung. Die Wohnverhältnisse sind prekär und vielen ist der Zugang zu Gesundheits- und Bildungseinrichtungen verwehrt. In den meisten Landgemeinden herrscht zudem Wasserknappheit, welche sich durch die Exportproduktion und den Klimawandel immer weiter verschärft.

Frauen besonders von Armut betroffen

Besonders Frauen sind von der Armut betroffen. Sie sind bei den Eigentumsverhältnissen stark benachteiligt – denn jeder wichtige Besitz wie Land, Haus, Hof und Tier, ist in der Regel ein Privileg der Männer. Zudem arbeiten Frauen durchschnittlich länger als Männer, da sie zugleich den Haushalt, die Kindererziehung und zusätzliche landwirtschaftliche Tätigkeiten meistern müssen. Dennoch sind sie häufig von wichtigen Entscheidungen in den Familien und Gemeinden ausgeschlossen.

Die lokale Nichtregierungsorganisation APADEIM hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Landfrauen zu stärken und neue Perspektiven in den ländlichen Gemeinden zu schaffen. Direktorin Ana Celia Tercero erklärt:

Direktorin Ana Celia Tercero im Büro von APADEIM. Foto: INKOTA-netzwerk

„Nicaragua gehört zu den Ländern mit den höchsten Femizidraten in Lateinamerika, häusliche Gewalt ist hier fast an der Tagesordnung. Um dies nachhaltig zu verändern, ist ein harter Kampf und viel Ausdauer erforderlich. Durch unser Programm zur wirtschaftlichen Stärkung von Frauen fördern wir gezielt Landfrauen: Sie bauen sich eine eigene Existenzgrundlage auf und sind nicht mehr finanziell auf ihren Mann angewiesen, können sich von ihm trennen, wenn er sie misshandelt. Wir wollen das Selbstwertgefühl der Frauen stärken und Organisationsstrukturen innerhalb der Gemeinden aufbauen, damit sich die Frauen künftig gegenseitig unterstützen."

Frauen helfen Frauen

Dass dieser Ansatz gut funktioniert, stellt Brenda Miranda aus der Gemeinde Los Paniquines unter Beweis: Sie wurde von APADEIM als Promotorin für Ernährungssicherheit ausgebildet und hat eine Modellparzelle errichtet, auf der sie verschiedene Obst- und Gemüsesorten anbaut. Sie besitzt jetzt Hühner, Säue sowie einen Eber. Sie erzählt von den Fortschritten, die sie im vorigen INKOTA-Projekt erreicht hat:

Promotorin für Ernährungs-sicherheit Brenda Miranda. Foto: INKOTA-netzwerk

„Die Tierhaltung war für mich der Durchbruch. Mein Eber sorgt dafür, dass sich die Schweine in meiner Gemeinde rasch vermehren. Ich verleihe den Eber in der Nachbarschaft und erhalte im Gegenzug ein Ferkel. Der Verkauf von Ferkeln ermöglicht mir gute Einnahmen. Ich kann damit einen wichtigen Beitrag zu unserem Familieneinkommen leisten. Dank der Eier und dem Obst und dem Gemüse, das wir neuerdings selbst anbauen, können wir uns außerdem ausgewogener ernähren – statt wie früher immer nur Maisfladen und Bohnen zu essen. Als Promotorin bin ich in meiner Gemeinde anerkannt und sehr gefragt. Ständig kommt jemand vorbei, um sich bei landwirtschaftlichen Fragen Rat bei mir zu holen. Ich helfe gerne, wo ich nur kann. Manchmal fehlt mir jedoch das nötige Fachwissen.“

Weiterbildung und Starthilfe

Durch das neue Projekt erhalten insgesamt 30 Promotorinnen aus 10 Landgemeinden Fortbildungen zur Hühner- und Schweinehaltung, Gemüse- und Obstanbau, nachhaltiger Bodenbearbeitung und Vermarktung. Ihr erlangtes Wissen geben sie im Anschluss durch Workshops an weitere 160 Projektteilnehmerinnen weiter. Zusätzlich besuchen die Promotorinnen die Parzellen der anderen Projektteilnehmerinnen und leisten kontinuierlich technische Beratung. Dadurch sinkt das Risiko Produktionsausfälle zu erleiden.

Da den Frauen das nötige Investitionskapital fehlt, erhalten sie durch das Projekt außerdem Produktionsmittel wie Saatgut, Zäune und Ställe, um mit dem Gemüseanbau und der Hühner- und Schweinehaltung zu beginnen, oder diese zu verbessern. Das Besondere an dem Projekt ist, dass mit einem Ansatz zur Weitergabe erhaltener Güter gearbeitet wird. So werden die Projektteilnehmerinnen, die beispielsweise Hühner oder Schweine erhalten, nach erfolgreicher Vermehrung jeweils ein Jungtier weitergegeben – dadurch wirkt sich das Projekt positiv für weitere Frauen aus. Das Projekt zeigt: Es gibt alternative Entwicklungswege zum industriellen Anbau von Monokulturen!

Eindrücke aus dem Projekt

Ein neues Tröpfchenbewässerungssystem für den Gemüseanbau von Familie Rodriguez-Nuñez in der Gemeinde Chorrera. Foto: INKOTA-netzwerk
Promotorin für Ernährungssicherheit Brenda Miranda mit ihrem neuen Eber. Foto: INKOTA-netzwerk
María Concepción Neyra freut sich über ihre reiche Kürbisernte dank Bewässerung in der Gemeinde El Manguito. Foto: INKOTA-netzwerk
Rafael Rodriguez zeigt stolz die diversifizierten Gemüsebeete, die er zusammen mit seiner Ehefrau, Promotorin Jenny Nuñez, angelegt hat. Foto: INKOTA-netzwerk
Durch Wassertanks wird Regenwasser gespeichert und für die Tierhaltung und den Gemüseanbau nutzbar gemacht. Foto: INKOTA-netzwerk
Dank Schweinehaltung wird das Familieneinkommen maßgeblich verbessert. Foto: INKOTA-netzwerk

Zum Vergrößern die Bilder bitte anklicken.

Projektinfo

Projekt:Frauenförderung mit den Schwerpunkten Ernährungssicherheit, Einkommensschaffung und organisatorische Stärkung
Ort 10 Gemeinden im Landkreis El Viejo, Nicaragua
Partner APADEIM
Laufzeit 01.11.2018 - 30.06.2020
Kosten 282.614 Euro
Spendenbedarf
31.088 Euro

 

 

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