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Südlink 158 - Dezember 2011

Ernährung global - Unsere Welt zwischen Hunger und Überfluss

Editorial

von Michael Krämer

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie schon einmal Insekten gegessen? Gegrillt, gebraten, gekocht – in vielen Ländern der Welt gelten sie als Delikatesse. Die Vorteile liegen auf der Hand: Käfer und Grillen, Ameisen und Heuschrecken sind gesund, ökologisch und vielfältig zuzubereiten. Auf ins kulinarische Abenteuer also!

Selbst wenn Sie erst einmal auf gedünsteten Skorpion oder Bambuswürmer in Schokolade verzichten wollen: Wenn wir etwas gegen den Hunger in der Welt und den voranschreitenden Klimawandel unternehmen wollen, sollten wir unsere Essgewohnheiten hinterfragen. Zumindest wenn Sie wie der oder die bundesdeutsche DurchschnittsverbraucherIn mehr als 80 Kilogramm Fleisch im Jahr konsumieren. Je mehr Fleisch, noch dazu aus Massentierhaltung, wir verbrauchen, umso mehr Regenwälder werden für Sojaplantagen und andere Futtermittel gerodet und umso weniger Fläche steht für den Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung. Die Konkurrenz um Anbauflächen treibt die Lebensmittelpreise in die Höhe; bei den Armen im globalen Süden, die schon jetzt bis zu achtzig Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen, endet das schnell in verschärfter Unterernährung und Hunger. Es geht nicht um Verzicht, im Gegenteil: Wir müssen unserem Essen wieder einen höheren Stellenwert beimessen. Den guten Sonntagsbraten statt des täglichen, hormonbelasteten und verwässerten Billigschnitzels. Gemüse und Obst  aus regionalem Anbau schmecken der Umwelt besser als Flugmangos und „echte Bioäpfel“ aus Neuseeland.

Sicherlich: Allein durch individuelle Verhaltensänderungen lässt sich der weltweite Hunger nicht besiegen. Wir brauchen ein neues Regelwerk für den internationalen Agrarhandel und eine andere Agrarpolitik. „Um Hunger nachhaltig zu bekämpfen, muss die ökonomische Situation der Hungernden verbessert werden“, schreibt Christine Chemnitz. Und da drei Viertel der weltweit Hungernden auf dem Land und von der Landwirtschaft leben, müssen zuerst ihre Lebensbedingungen verbessert werden. Der Weltagrarrat hat schon 2008 gefordert, eine angepasste kleinbäuerliche Landwirtschaft stärker zu unterstützen. Den Interessen der großen Agrarkonzerne läuft das natürlich entgegen: Für genverändertes Saatgut und Herbizide von Monsanto beispielsweise ist in so einer die Umwelt schonenden Landwirtschaft kein Platz.

Es ist Zeit umzudenken. Wir brauchen eine andere Politik, auch bei uns. „Die Agrarindustrie verursacht Dioxinskandale, Gentechnik im Essen und Tierleid in Megaställen. Sie verschärft Hungerkrisen, den Klimawandel und das Höfesterben. Das haben wir satt!“, schreibt die Kampagne „Meine Landwirtschaft“ im Aufruf für eine Demonstration am 21. Januar 2012 in Berlin. 
Vielleicht sehen wir uns ja dort. Gründe, um an dieser Demonstration teilzunehmen, werden Sie in unserem Dossier zur Genüge finden.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Michael Krämer

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