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Südlink 164 - Mai 2013

Digitaler Süden - Neue Medien und politische Mobilisierung

Digitaler Süden – ein Glossar

von Tobais Lambert und Michael Krämer

von Tobias Lambert und Michael Krämer

Blog
Früher schrieben die Menschen private Gedanken in Tagebücher, die außer ihnen selbst in der Regel niemand zu Gesicht bekam. Heute gibt es Blogs auf Internetseiten, auf denen sich einzelne oder mehrere Personen mitteilen. Ein Blog gleicht somit einem (meist) öffentlichen Tagebuch, das chronologisch aber immer mit dem aktuellsten Eintrag beginnt. Häufig widmen sich Blogs spezifischen Themen.

Crowdmapping
Die kenianische Non-Profit-Unternehmen Ushahidi stellt eine Open-Source-Software bereit, mit der zu einem bestimmten Thema oder Ereignis eine digitale Karte erstellt werden kann. So können zum Beispiel in humanitären Notsituationen per SMS oder über das Internet Informationen zur Versorgungslage auf einer Karte zusammengetragen werden, die Hilfsorganisationen die Arbeit erleichtert.

Crowdsourcing
Viele Leute gemeinsam können eine Aufgabe meistern und durch ihre kollektive Intelligenz dabei zu guten Ergebnissen kommen. Das ist die Grundidee des Crowdsourcing. Im Gegensatz zum Outsourcing, bei dem ein Unternehmen einen Teilbereich an eine andere Firma auslagert, kann dabei im Prinzip jeder und jede auf freiwilliger Basis mitarbeiten, da im Internet räumliche und zeitliche Entfernungen kein Hindernis mehr für ein gemeinsames Projekt darstellen. Crowdsourcing wird in vielen Bereichen eingesetzt und reicht von der gemeinsamen Entwicklung von Open-Source-Software bis hin zu privaten Unternehmensstrategien.

Data-Mining
Aus einem Bergwerk werden wichtige Rohstoffe geholt, die in der Regel nicht offen zugänglich sind, sondern sich inmitten von riesigen Gesteinsmengen befinden. So ähnlich verhält es sich mit großen Datenmengen, die ausgewertet werden müssen, um daraus einen Nutzen ziehen zu können.
Data-Mining bedeutet, mit Hilfe verschiedener Analyseinstrumente einen Datensatz zu analysieren. Im Bereich der sozialen Netzwerke gibt es zum Beispiel die Netzwerkanalyse. Data-Mining wird auch im Marketing oder der Rechnungsprüfung angewendet.

Microblog
Wer wenig Zeit hat oder einfach einmal einen mehr oder weniger knackigen Satz verkünden möchte, kann dies in einem Microblog tun, der nur für sehr kurze Botschaften benutzt wird. Der bekannteste Microblogging-Dienst ist Twitter mit etwa 1,4 Milliarden NutzerInnen. Einzelne Nachrichten (tweets) sind dort auf 140 Zeichen begrenzt und somit ähnlich kurz wie eine SMS auf dem Mobiltelefon.

Social Media / Soziale Medien
Um das Internet zum interaktiven Austausch von Informationen und der Vernetzung nutzen zu können, bedarf es Technologie und digitaler Medien, die diesen Austausch erst ermöglichen. Diese Social Media werden sowohl im privaten als auch im kommerziellen und politischen Bereich eingesetzt. Im Deutschen hat sich auch der Begriff soziale Medien etabliert. Genaugenommen ist diese Übersetzung aber nicht ganz korrekt, da das Wort „sozial” auf Deutsch meist andere Bedeutungen wie „fürsorglich”, „wohltätig” oder „solidarisch” hat. Gemeint sind in diesem Fall aber eher "gesellschaftliche Medien", die direkten Austausch ermöglichen.

Soziale Netzwerke
Für die einen sind soziale Netzwerke eine ausufernde Möglichkeit, Zeit zu verschwenden oder private Dinge zu veröffentlichen, die kaum jemanden etwas angehen. Andere sehen darin eine Vielzahl von Chancen für InternetnutzerInnen, die sich zusammenschließen, um Informationen auszutauschen. Soziale Netzwerke werden für unterschiedliche Zwecke genutzt, wie zum Beispiel zur privaten Kontaktpflege, zur beruflichen Vernetzung, aber auch zur politischen Mobilisierung. Das mit über einer Milliarde Mitgliedern weltweit am häufigsten genutzte soziale Netzwerk ist Facebook. Aufgrund datenschutzrechtlicher Bedenken stehen soziale Netzwerke häufig in der Kritik.

Überwachungstechnik
Die neuen Medien sind in vielen Ländern ein wichtigtes Instrument der politischen Opposition. Zahlreiche Menschenrechtsverletzungen werden erst durch Handykameras und das Internet bekannt – und sind den Unrechtsregimen dieser Welt daher ein Dorn im Auge. Dementsprechend groß ist deren Interesse an Technologie zur digitalen Überwachung. Diese ist häufig „made in Germany”. Welches Unternehmen in welchem Land an der Unterdrückung der Opposition verdient, kann auf der Webseite www.frieden2punkt0.de nachgelesen werden. Diese haben die grünen Abgeordneten Barbara Lochbihler (MdEP) und Konstantin von Notz (MdB) erstellt, die von der Bundesregierung eine effektive Exportkontrolle von Überwachungstechnologie einfordern.
Doch nicht nur deutsche Unternehmen sind in arabischen Ländern aktiv, wenn es um die Überwachung des Internets geht. So haben noch bis Oktober 2010 Beamte des Bundeskriminalamts den ägyptischen Staatssicherheitsdienst im Thema „Internetauswertung” geschult, wie kürzlich durch eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten der Linken, Andrej Hunko, bekannt wurde. Das war nur drei Monate, bevor der Despot Hosni Mubarak von der zivilen Opposition gestürzt wurde, die ihre Proteste in hohem Maß über das Internet koordiniert hatte.

Video-Kampagnen
Bewegte Bilder haben auch in Zeiten des Internets besondere Beweis- und Überzeugungskraft. Videospots sind daher nicht nur ein wichtiges Medium der Werbewirtschaft, sie werden auch für die politische Arbeit in vielfältiger Weise genutzt. Webseiten und Kanäle wie YouTube machen es möglich: Videos sind im digitalen Zeitalter ein wichtiges Mittel um auf die eigenen Themen aufmerksam zu machen und andere zu überzeugen.

Web 2.0
Web 2.0 ist der Oberbegriff für die Möglichkeiten, das Internet interaktiv zu nutzen. Heute muss niemand mehr  eine eigene Webseite programmieren, um das weltweite Netz inhaltlich aktiv mitzugestalten. Während InternetnutzerInnen zuvor Inhalte überwiegend konsumiert haben, stellen sie nun selbst geschaffene ins Netz und tauschen diese mit anderen NutzerInnen aus (User Generated Content). Wie bei neuen Softwareprodukten üblich hat sich dafür die Nennung einer Versionsnummer (2.0) etabliert. Populäre Anwendungen, die mit dem Begriff Web 2.0 verbunden sind, sind private Blogs, soziale Netzwerke wie Facebook oder Foto- und Videoplattformen wie FlickR und YouTube.

Weitere Artikel aus dem Heft

Editorial

Jan Hanrath: Der globale Süden vernetzt sich. Macht, Möglichkeiten und Grenzen neuer Technologien für soziale Mobilisierung im globalen Süden.

Abdou Rahime Diallo: Und dann wurden sie ein Paar. Wie die afrikanische Diaspora das Internet für Familienzusammenhalt, politische Information und Geldtransfer nutzt.

Juliane Schumacher: Die Medien der Revolution. In Ägypten haben soziale Medien und Netzwerke bei den Umbrüchen eine zentrale Rolle gespielt. Es wäre aber falsch, von einer „Facebook-Revolution” zu sprechen.

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