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Südlink 172 - Juni 2015

Mosambik - 40 Jahre Unabhängigkeit

Editorial

von Michael Krämer

Liebe Leserin, lieber Leser,

mehr als zehn Jahre dauerte der Befreiungskrieg gegen die Kolonialmacht Portugal, die auch vor Massakern an der Zivilbevölkerung mit hunderten Toten nicht zurückschreckte. Doch am 25. Juni 1975 war es soweit, als eines der letzten Länder Afrikas wurde Mosambik unabhängig. Mit großem Elan begann die siegreiche Befreiungsbewegung Frelimo mit dem Aufbau eines neuen Landes.

Doch der revolutionäre Frühling dauerte nicht lange. Schon bald begann die von Rhodesien und später von Südafrika ausgerüstete Renamo mit ersten Angriffen, die in einen sechzehnjährigen Krieg mündeten. Bei Unterzeichnung des Friedensabkommens 1992 war Mosambik ein völlig zerstörtes Land, in seiner Entwicklung um Jahre zurückgeworfen.

Mosambik wurde Opfer des unerbittlichen Kriegs der Renamo, der Aggression des Apartheidstaats Südafrika und der Blockkonfrontation des Kalten Krieges, die keinen eigenständigen Weg für das noch junge Land zuließ. Doch für so einige Probleme war die Frelimo mitverantwortlich. „Die Befreier Mosambiks waren nicht nur Befreier. Sie machten aus dem mosambikanischen Volk Geiseln der eigenen ideologischen Ausrichtung“, schreibt Elísio Macamo in seinem Einleitungsbeitrag zu unserem Dossier zu vierzig Jahren Unabhängigkeit Mosambiks. Der Afrikawissenschaftler, der auch im Vorstand des KoordinierungsKreis Mosambik mitarbeitet, beklagt insbesondere den „messianischen Anspruch“ der Frelimo, stets genau bestimmen zu können, was für Mosambik gut war (und ist). Eine Haltung, die das Ende jeder Politik bedeutet – und dies seit nunmehr vierzig Jahren.

Zum Kriegsende 1992 war die Wirtschaft am Boden, das Land gehörte zu den ärmsten der Welt. Erst der Rohstoffboom der letzten Jahre erlaubt Mosambik einen Aufschwung, von dem es lange Zeit nur träumen konnte. Doch der Raubbau an der Natur ist alles andere als nachhaltig und vom Aufschwung profitieren vor allem einige politische und wirtschaftliche Eliten. Korruption und Vetternwirtschaft sind an der Tagesordnung, bei der breiten Mehrheit kommt kaum etwas an. Noch immer leiden etwa neun Millionen MosambikanerInnen an Hunger, weit mehr als ein Drittel der gesamten Bevölkerung.

Dies gilt vor allem für die etwa achtzig Prozent der Menschen, die bis heute auf dem Land leben und arbeiten. Um deren Situation zu verbessern setzt die Regierung auf den Ausbau von Agrarexporten und eine stärkere Rolle von Agrarkonzernen, zumeist ausländischen. Demgegenüber steht ein kleinbäuerliches und genossenschaftliches Agrarmodell, das auf Ernährungssouveränität zielt.

INKOTA unterstützt einige dieser Organisationen, die aufzeigen, dass Alternativen möglich sind. Und die für ein Mosambik stehen, in dem um Politik gerungen wird. Ebendies braucht das Land, das nach vierzig Jahren Unabhängigkeit die Zukunft noch vor sich hat.

Dies jedenfalls ist unsere Hoffnung. Mit diesem Dossier laden wir Sie ein, die Geschichte und Gegenwart dieses Mosambiks kennen zu lernen. Interessante Einblicke wünscht Ihnen

Michael Krämer

Weitere Artikel aus dem Heft:

Elísio Macamo: Wann ist die Unabhängigkeit endlich zu Ende? Mosambik hat seit dem Ende der Kolonialherrschaft Portugals vierzig schwere Jahre durchgemacht. Bis heute bestimmt die einstige Befreiungsbewegung Frelimo über das Land.

Christine Wiid: Der schwierige Weg zur Ernährungssouveränität. Bauernorganisationen arbeiten an alternativen Entwicklungsmodellen für die Landwirtschaft. Von der Regierung bekommen sie nur wenig Unterstützung.

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