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Südlink 173 - September 2015

Ressourcengerechtigkeit - Auf der Suche nach einer anderen Rohstoffpolitik

Editorial

von Michael Krämer

Liebe Leserin, lieber Leser,

sie verfügen über riesige Ressourcenvorkommen, doch die Mehrheit der Menschen lebt in bitterer Armut. Warum profitieren so wenige rohstoffexportierende Länder des globalen Südens von ihren natürlichen Reichtümern?

Zweifelsohne gibt es gewichtige Gründe in den Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens selbst. Schwache staatliche Strukturen, Klientelismus, Korruption und das Zusammenwirken von Polizeien und Armeen mit kriminellen Banden und fanatischen Warlords sind einige Gründe, dass aus dem Reichtum unter der Erde keine Entwicklung zugunsten der lokalen Bevölkerung erwächst. Der alleinige Blick auf Schwächen in den Förderländern des globalen Südens greift jedoch zu kurz. Wie so häufig sind es auch die globalen politischen Strukturen und ökonomischen Ungleichheiten, die dazu beitragen, dass die Profite höchst ungleich verteilt sind.

Denn es sind ja nicht nur irgendwelche skrupellosen Betreiber kleiner und mittelgroßer Minen zum Abbau von Gold, Silber oder anderer wertvoller Rohstoffe, denen die sozialen und ökologischen Folgen ihres Tuns gleichgültig sind. Es sind auch die großen internationalen Rohstoffunternehmen, die ihren Hauptsitz mit wenigen Ausnahmen in den Ländern des globalen Nordens haben, die sich klaren und verbindlichen Regeln widersetzen. Sie wollen keine Verantwortung übernehmen für die Nebenwirkungen der unregulierten Rohstoffförderung in so vielen Gebieten der Erde: für die Vertreibung indigener Gemeinden, die ökologische Verwüstung ganzer Landstriche bis hin zur Beförderung und Verlängerung bewaffneter Konflikte.

Beate Schurath stellt im Einleitungsartikel zu diesem Dossier den Begriff der Ressourcengerechtigkeit vor und erläutert, wie Tilman Santarius ihn in Anlehnung an Aristoteles‘ Grundformen der Gerechtigkeit nutzt, um die Grundlinien einer gerechten Ressourcenpolitik zu skizzieren. Implizit verweisen diese Leitlinien auf die grundlegendsten Ungerechtigkeiten bei der Förderung und Nutzung der globalen Ressourcen. Schon bei der Verteilung beginnt es: Wenige starke Länder oder Gruppen von Menschen eignen sich die begrenzten Ressourcen an – auf Kosten vieler schwächerer Länder oder Gruppen. Ihr Antrieb ist ein viel zu hoher Ressourcenverbrauch. Dies gilt auch für Deutschland, wie Christine Pohl in ihrem Beitrag illustriert.

Wir sind weit von einer „gerechtigkeitsfähigen und nachhaltigen Rohstoffpolitik“ entfernt. Ein Weiter so ist keine Option.

Die im AK Rohstoffe zusammengeschlossenen Nichtregierungsorganisationen fordern verbindliche Gesetze, die die Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten durch Unternehmen sicherstellen. Auch INKOTA wirkt hier mit und hat Ressourcengerechtigkeit zu einem neuen Arbeitsschwerpunkt gemacht. Möge dieses Dossier einige Anregungen bieten, um sich eingehender mit diesem so wichtigen Thema zu beschäftigen.

In diesem Sinne wünscht Ihnen eine anregende Lektüre

Michael Krämer

Weitere Artikel aus dem Heft:

Beate Schurath: Die große Gier. Von Ressourcengerechtigkeit ist die globale Politik und Wirtschaft weit entfernt. Viele Menschen tragen die Folgekosten, vor allem im globalen Süden.

Jaybee Garganera, Farah Sevilla und Check Zabala: Besser selber machen. Auf den Philippinen setzen sich AktivistInnen seit Jahren für ein alternatives Bergbaugesetz ein.

Christine Pohl: Wir leben auf zu großem Fuß. Der Ressourcenverbrauch in Deutschland ist weitaus größer, als global nachhaltig und gerecht wäre.

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