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Südlink 174 - Dezember 2015

LGBTIQ - Kämpfe unterm Regenbogen

Editorial

von Michael Krämer

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer würde sich außerhalb von Berlin noch groß an Klaus Wowereit erinnern, der immerhin bis vor einem Jahr die Hauptstadt regierte, hätte er nicht diesen einen Satz gesagt, der ihn berühmt gemacht und sich in das Bewusstsein der bundesdeutschen Öffentlichkeit eingebrannt hat: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so.“ Das war 2001, und seitdem haben sich die Bedingungen für homosexuelles Leben in Deutschland deutlich entspannt. Es sind zwar längst nicht alle, aber doch viele legale Diskriminierungen abgebaut. Kaum zu glauben, dass der Paragraf 175 des Strafgesetzbuchs, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte, erst 1994 abgeschafft wurde.

Ganz anders stellt sich die Situation in vielen Ländern des globalen Südens dar. Es gibt zwar einige, die Deutschland und anderen eher liberalen Ländern des globalen Nordens in manchen Belangen voraus sind. Zum Beispiel Argentinien, das 2010 nicht nur eines der ersten Länder war, das Menschen gleichen Geschlechts das Recht auf Eheschließung zuerkannte. Seit 2012 ist in dem südamerikanischen Land auch das Recht gesetzlich verbürgt, die eigene Geschlechtsidentität frei wählen und ändern zu können – weltweit das erste so lautende Gesetz.

Mehrheitlich ist es um die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen sowie Queers (LGBTIQ) im globalen Süden jedoch deutlich schlechter bestellt, wie dies Klaus Jetz in unserem Dossier beschreibt. Die wenigsten Länder gehen dabei soweit wie Iran oder Saudi-Arabien, in denen LGBTIQ von der Todesstrafe bedroht sind. Mit 76 Verfolgerstaaten, vor allem in Afrika und Asien, sind es doch erschreckend viele Länder, in denen sich Homo- und Transphobie im Strafrecht niederschlägt. Wir wollen aber nicht vergessen: Deren Zahl nimmt langsam ab, zuletzt hat Mosambik in diesem Sommer Homosexualität entkriminalisiert.

Diskriminierung und Vorurteile, die sich immer wieder auch gewaltsam äußern, sind aber weiterhin in sehr vielen Gesellschaften fest verankert. Immer wieder schüren Politiker*innen eine homo- und transphobe Stimmung, um von eigener Misswirtschaft, Korruption und Armut abzulenken – und so die eigene Macht zu sichern. Vor allem in Afrika wird Homosexualität dabei gerne als Import aus dem Westen präsentiert, der so gar nicht zu den heimischen Moralvorstellungen passe.
Das Gegenteil ist richtig: Die englischen und französischen Kolonialherren brachten nicht die Homosexualität, sondern die in vielen Ländern bis heute gültigen homophoben Gesetzgebungen. Und bei den Igbo in Nigeria konnten schon zu vorkolonialen Zeiten Frauen gleichgeschlechtliche Ehen schließen, wie Leo Igwe in seinem Beitrag erläutert.

Ignoranz und Intoleranz werfen viele Schatten auf den Regenbogen. Aber auch dies können wir dem Dossier entnehmen: LGBTIQ streiten auf sehr vielfältige Weise für ihre Rechte. Manchmal im Verborgenen, manchmal im Licht der Öffentlichkeit –immer jedoch mit einer gehörigen Portion Mut, Ausdauer und Entschlossenheit.

In der Hoffnung, dass diese Reise durch die Vielfalt auch auf Ihr Interesse stößt, wünscht Ihnen eine anregende Lektüre

Michael Krämer

Weitere Artikel aus dem Heft:

Evelyn Bahn: Angst vor der Gretchenfrage. Ohne höhere Preise haben die Kakaobauern und -bäuerinnen keine Chance, der Armut zu entkommen.

Alessa Heuser und Christine Pohl: Ernährungspolitische Vielkönner. In Deutschland entstehen die ersten Ernährungsräte. Sie sind Teil einer globalen Bewegung für eine Ernährungs- und Agrarwende.

Klaus Jetz: Standesamt oder Steinigung. Die Lage von LGBTI im globalen Süden ist höchst unterschiedlich. In vielen Ländern, längst nicht in allen, sind Fortschritte zu verzeichnen.

Isabella Bauer: „Wir sind sichtbar geworden”. Verfolgt und ausgezeichnet – die ugandische Aktivistin Kasha Nabagesera und ihr Kampf für die Rechte der LGBTI.

Nyx Mclean: Zwischen Party und Protest. Die LGBTIAQ-Community in Südafrika hat viel erreicht. Leidet jedoch noch immer unter Diskriminierung.

Markus Plate: Wo Liebe lebensgefährlich ist. In Zentralamerika werden jährlich Dutzende Lesben, Schwule und Transpersonen ermordet.

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