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Lithium – das weiße Gold in unseren Batterien

Lithium ist das ideale Metall für den Lade- und Entladeprozess einer Batterie: als unedles Leichtmetall gibt seine Elektronen leicht ab. Für die Batterien in Elektromobilen, aber auch für die Speicherung regenerativer Energien ist Lithium derzeit schlicht unabdingbar und damit weltweit immer stärker gefragt. Mancherorts wird es als das Erdöl des E-Zeitalters gehandelt.

Lithiumgewinnung in der Uyuni Salzwüste, Bolivien. Foto: rodoluca (CC BY-SA 3.0)

Lithium wird derzeit nicht in Deutschland gewonnen, der Bedarf kann nur über den Import gedeckt werden. Bereits im Jahr 2015 war Deutschland weltweit fünftgrößter Nettoimporteur von Lithiumkarbonat. Falls es in Deutschland zukünftig zu einer Fertigung von Batteriezellen kommen sollte, wäre die hiesige Industrie noch viel stärker auf den Import dieser Produkte angewiesen. Industrieverbände und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffegehen davon aus, dass die Gesamtnachfrage nach Lithium sich bis 2025 verdoppeln oder sogar mehr als verdreifachen könnte.

Lithium kommt in der Natur nur in Verbindungen vor, zum Beispiel als Lithiumkarbonat oder Lithiumchlorid. Lithium lagert oft in Vulkangestein oder in (ausgetrockneten) Salzseen. Die weltweit größten und mit heutigen Methoden abbaubaren Lithiumreserven lagern in den Salzseen Südamerikas: allein 9 Millionen Tonnen in Bolivien und 7,5 Millionen Tonnen in Chile.

Weißes Gold und sinkende Grundwasserspiegel im Dreieck Argentinien-Bolivien-Chile

Chiles starke Position als einer der führenden Lithiumproduzenten bleibt leider nicht ohne Folgen für Umwelt und Bevölkerung. SQM, ein privater chilenisch-kanadischer Konzern, wird hier bis 2030 Lithium abbauen. Die Bergbaugewerkschaften protestieren – aus Angst, eine staatlich nicht mehr kontrollierte Ausbeutung des Atacama-Salzsees könnte eine Umweltkatastrophe verursachen. Die Sorge ist berechtigt: Bereits beim jetzigen Ausmaß der Förderung sinkt der Grundwasserspiegel, Flussläufe und Feuchtgebiete trocknen aus.

Die ansässige, zum Großteil indigene Bevölkerung, leidet unter Wassermangel. Die Atacama-Wüste zählt zu den trockensten Gebieten der Erde, mit einer Niederschlagsmenge von nur 1mm alle fünf bis 20 Jahre in vereinzelten Gebieten. Die indigenen Völker der Region haben sich bereits gegen den Abbau ausgesprochen.

Noch gibt es keine staatlichen Regulierungen, die das Recht auf Wasser und Boden der Anrainerbevölkerung sichern könnten. Im Gegenteil: In Chile ist das Wassermanagement zu 100% privatisiert. SQM kann gleichzeitig die Wasserressourcen und den Lithiumabbau kontrollieren – eine fatale Kombination, wenn Grundrechte indigener Anrainer und Umsatzwünsche eines Konzerns in den Waagschalen liegen.

Mit schätzungsweise 9 Millionen Tonnen ist die Uyuni Salzwüste ein der größten Lithiumlagerstätten der Welt. Foto: European Space Agency (CC BY-SA 3.0-igo)

Bolivien als Nachbarland spürt von all dem noch nicht viel. Doch der Salar de Uyuni im bolivianischen Hochland beherbergt das weltgrößte Salzvorkommen der Erde. 2008 bereits startete die bolivianische Regierung ein Megaprojekt zum Lithiumabbau. Jahrelange Verhandlungen folgten. Ende 2017 übergab die deutsche Firma K-UTEC einen Plan für eine Anlage zum Lithiumabbau – demnach soll Ende 2018 der Bau beginnen, um anschließend Lithiumkarbonat in Batteriequalität zu gewinnen.

Das Positive an diesem Plan: eine lokale Lithiumindustrie könnte Rohstoffgewinne erwirtschaften, die im Land bleiben. Der Haken: pro Monat könnte die Lithium-Industrie im Salar de Uyuni allerdings nach offiziellen Angaben über 400.000 Kubikmeter Wasser (400 Mio Liter) benötigen. Dafür müsste sehr wahrscheinlich jahrtausendaltes Wasser unter dem Salar angezapft werden. Dass dies ein erheblicher Eingriff in das Ökosystem des Salzsees wäre, darüber sind sich lokale Initiativen der Anrainer und internationale NRO einig.

Lithium wird vor allem durch das Verfahren der gezielten Verdunstung gewonnen: Lithiumhaltiges Salzwasser lagert über Monate in riesigen Becken, um durch gezieltes Verdampfen des Wassers eine Erhöhung der Lithium-Konzentration zu erreichen. Das verdampfte Wasser wird nicht aufgefangen oder wieder dem Grundwasser zugeführt. Damit sinkt der Grundwasserspiegel durch die Förderung der Lake. In der ohnehin sehr trockenen Region rund um den Salar kann selbst eine geringe Senkung des Grundwasserspiegels erhebliche Auswirkungen auf das Ökosystem und die Ernährungssouveränität der Anrainerbevölkerung haben.