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Stehst du auf Chemikalien?

 

Chemikalien stecken in deinem Schuh!

Lederschuhe sind schön und elegant – ihre Herstellung aber nicht unbedingt. Denn um rohe Tierhaut in strapazierfähiges, geschmeidiges Leder zu verwandeln, muss sie gegerbt werden. Dabei kommen in der konventionellen Lederproduktion viele Chemikalien zum Einsatz. Besonders beliebt ist das Gerben mit Chrom III, das sich bei nicht korrekter Anwendung zu Chrom VI verwandeln kann – und dann hochgiftig ist für Mensch und Umwelt.

Das Factsheet “Giftiges Leder” gibt einen tieferen Einblick in die verschiedenen Schritte der Lederproduktion. Dabei wird deutlich, dass das Gerben ein unglaublich komplexer Prozess ist, in dem verschiedene Chemikalien parallel zum Einsatz kommen. Bei nicht sachgemäßer Anwendung können hier z.T. hochgiftige chemische Verbindungen entstehen. Wenn noch dazu notwendige Gesundheits- und Sicherheitsstandards nicht eingehalten werden - also z.B. nicht ausreichend Schutzkleidung vorhanden ist - kommen ArbeiterInnen in direkten Hautkontakt mit den Chemikalien. Die Gerberei- und FabrikarbeiterInnen sind somit einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt und entwickeln oft chronische, sogar lebensbedrohliche Krankheiten. Ein Beispiel dafür ist Chrom VI, welches zu Geschwüren, Ekzemen, Allergien und sogar Krebs führen kann.

Die gesundheitlichen Folgen der Gerbereiindustrie betreffen tragischerweise nicht nur die ArbeiterInnen selbst, sondern auch die umliegenden Gemeinden. Wenn die festen und flüssigen Abfälle nach dem Gerben nicht sachgemäß entsorgt werden, gelangt der Chemiecocktail direkt ins Abwasser und vergiftet das Grundwasser der umliegenden Gemeinden. Nicht ohne Grund haben die Menschen, die im direkten Umfeld von Gerbereien leben, eine der geringsten Lebenserwartungen weltweit.

So sieht das direkte Umfeld einer Gerberei aus - Hazaribagh, Bangladesch - Foto: GMB Akash

Gerbereien sind zudem die Industrie mit der weltweit viertgrößten Umweltbelastung. So werden schon allein für die Herstellung von 1 kg Rinderhaut 17000 Liter Wasser, 7,4 kg Getreide, 41 kg Viehfutter und über 50 m² Land benötigt. Hinzu kommen ca. 250 Liter Wasser, 2,5 kg Chemikalien und 5 kg fester Abfall für 1 kg Fertigleder. Die mangelhafte Umsetzung von Sicherheits- und Umweltstandards führt in den meisten Produktionsländern dazu, dass die flüssigen und festen Abfälle nicht sachgemäß entsorgt und somit zu einem gravierenden Gesundheits- und Umweltproblem für umliegende Gemeinden werden. Die 20-seitige Infografik “Wussten Sie, dass eine Kuh in Ihrem Schuh ist?” verschafft anhand vieler anschaulicher Grafiken einen umfassenden Überblick über die Umwelt- und Arbeitsbelastung hinter unseren Lederstiefeln von der Rinderweide bis zur Fertigung. Die ausführlichere Version “A tough story of leather” ist auf Englisch verfügbar.

Die Gerbereiindustrie: Ein Sektor mit beträchtlicher Umweltbelastung.

Letztlich kann das Chromgerben  nicht nur für Gerberei- und FabrikarbeiterInnen gesundheitsgefährdend werden, sondern auch für KonsumentInnen, wenn Chrom VI-Rückstände im Endprodukt vorhanden sind. Seit Mai 2015 gibt es daher eine EU-Richtlinie, die für alle Lederprodukte einen Grenzwert  von 3mg/kg für Chrom VI vorschreibt. Dies ist ein erster wichtiger Schritt. Doch die Probleme im Umfeld der Gerbereien bestehen weiter… Es braucht daher strengere Gesetze zum Schutz von Mensch und Umwelt! Das Factsheet “Blut im Schuh” zeigt auf, dass politischer Wille und entschiedenes Handeln für globale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Weltwirtschaft notwendig sind. Verbindliche und klare Regeln für Unternehmen zur Einhaltung der Menschenrechte sind längst überfällig!

Willst Du etwas dagegen tun?

Mit der Kampagne Change Your Shoes tritt das INKOTA-netzwerk gemeinsam mit 17 Partnerorganisationen für eine grundlegende Verbesserungen der sozialen und ökologischen Bedingungen in der Schuh- und Lederindustrie ein. Gemeinsam können wir für mehr Durchschlagskraft in der Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit sorgen!

Informiere Dich weiter: Nicht nur Chemikalien stecken in Deinen Schuhen, sondern auch Ausbeutung und Unterdrückung!

Erfahre mehr über die Kampagne Change Your Shoes!

Auch du bist gefragt! Hier einige Ideen, was du tun kannst...

Das Projekt wird finanziell unterstützt von der Europäischen Union, aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt-Evangelischer Entwicklungsdienst und von Engagement Global im Auftrag des BMZ. Für den Inhalt ist allein das INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich; der Inhalt kann in keiner Weise als Standpunkt der Förderer angesehen werden.