Unternehmensverantwortung

Arbeitsrechte statt Imagepflege

Soziale Verantwortung von Unternehmen – Corporate Social Responsibility (CSR) – ist ein seit Jahren heiß diskutiertes Thema. Aufgrund der öffentlichen Aufmerksamkeit für das Thema und jahrelanger Kampagnen müssen Unternehmen und Industrieverbände inzwischen akzeptieren, dass Firmen grundlegende Arbeitsnormen und Menschenrechte zu beachten haben – ganz gleich, wo auf der Welt sie investieren oder ihre Waren beschaffen.

Eine verbindliche rechtliche Regulierung ihrer internationalen Geschäftspraxis lehnen die Unternehmen indes bis heute ab. Dabei sprach sich das Europäische Parlament bereits im Mai 2002 in einer Entschließung für eine rechtsverbindlichere Regulierung der Unternehmensverantwortung aus und forderte

  • eine Berichterstattungspflicht über sozial- und umweltpolitische Aspekte der Geschäftspraxis von börsennotierten Unternehmen
  • eine unabhängige Überprüfung der Sozial- und Umweltberichte der Unternehmen und
  • die Etablierung eines europäischen Forums für die soziale Verantwortung von Unternehmen, das sich konstruktiv-kritisch mit freiwilligen Verhaltenskodizes von Unternehmen und der Berichterstattung darüber befassen soll.

Transparenz und Verpflichtung statt Beliebigkeit

Nach Jahren intensiven kritischen Dialogs zwischen Unternehmen, ihren Verbänden, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und VertreterInnen von Regierungen besteht Klarheit, dass mit freiwilligen Regelungen keine wesentlichen Fortschritte im Bereich der CSR erreicht werden können. So existiert für den Textilbereich mit der Fair Wear Foundation inzwischen zwar eine sehr gute Überprüfungsorganisationen, doch es lassen sich nur wenige Unternehmen von ihr überprüfen.

So wichtig freiwillige Initiativen für die Entwicklung innovativer Ansätze sozial-ökologischer Unternehmensverantwortung sind und auch nicht durch staatliche Regulierung ersetzt werden können, so sehr bleiben Transparenz, Objektivität und damit auch Glaubwürdigkeit vieler dieser Initiativen auf der Strecke, weil die KonsumentInnen kaum Möglichkeiten haben, den Wahrheitsgehalt der Behauptungen der Firmen, ihrer Umwelt- und Sozialberichte und Gütesiegel zu überprüfen.

Gemeinsam öffentlich Druck machen

Wirtschaftliches Handeln erfordert verbindliche Rahmenbedingungen. Regelungen, die auf Freiwilligkeit setzen, können die seit Jahren gleichbleibenden Grundprobleme der systematischen Verletzung grundlegender Menschenrechte bei der Herstellung von Bekleidung nicht beheben. Die Clean Clothes Campaign fordert deshalb gemeinsam mit nationalen und internationalen Netzwerken zur Sozialen Verpflichtung von Unternehmen wie CorA und ECCJ verbindliche Umwelt- und Sozialstandards und eine Berichtspflicht über die Einhaltung dieser Standards.

Netzwerk Unternehmensverantwortung

Im Netzwerk Unternehmensverantwortung (CorA, Corporate Accountability) hat sich INKOTA mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen wir die gesellschaftliche Debatte über das wirtschaftliche und politische Handeln transnationaler Unternehmen verstärken und für Corporate Accountability eintreten. Unsere wichtigsten Forderungen an die Politik:

  1. Rechenschafts- und Publizitätspflichten für Unternehmen
  2. Gesellschaftliche Anforderungen für die Vergabe öffentlicher Aufträge
  3. Verankerung von Unternehmenspflichten in internationalen Wirtschaftsabkommen und bei der Wirtschaftsförderung
  4. Gerechte Unternehmensbesteuerung zum Nutzen der Gesellschaft
  5. Wirksame Sanktionen und Haftungsregeln für Unternehmen
  6. Stärkung der Produktverantwortung und Förderung zukunftsfähiger Konsum- und Produktionsmuster

Die CorA-Mitglieder fordern die Bundesregierung auf, einen Aktionsplan aufzustellen, der die Durchsetzung eines verantwortlichen öffentlichen Beschaffungswesens zum Ziel hat.

Vorschlag des CorA-Netzwerks für einen "Aktionsplan sozial-ökologische öffentliche Auftragsvergabe"

(PDF, 1,8 MB)

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