Großfusionen im Agribusiness

Wenn die Fusionen von Bayer-Monsanto, Dow-DuPont und ChemChina-Syngenta allesamt genehmigt werden, bestimmen in Zukunft drei Megakonzerne, was auf den Äckern der Welt angebaut wird und was auf unseren Tellern landet. Die Machtkonzentration hätte vor allem für Kleinbäuerinnen und –bauern im globalen Süden verheerende Folgen.

Welche Bedeutung haben die Fusionen?
Die Zusammenschlüsse der sechs großen Agrarkonzerne würden die ohnehin schon konzentrierte Marktmacht des Agribusiness noch weiter verstärken: Wenn alle drei Fusionen wie geplant umgesetzt werden, kontrollieren in Zukunft drei Konzerne rund 70 Prozent des globalen Pestizidmarktes und mehr als 60 Prozent des kommerziell gehandelten Saatguts. Die Übernahme von Monsanto durch Bayer geht als größte Übernahme durch ein deutsches Unternehmen in die Geschichte ein – mit einer Vertragssumme von 66 Milliarden Euro.

Warum stellen die Zusammenschlüsse eine Bedrohung dar?
Die Fusionen hätten schwerwiegende Folgen für Umwelt, menschliche Gesundheit, Bauern und Bäuerinnen sowie VerbraucherInnen weltweit. Durch die Patentierung genetischer Ressourcen würde der Zugang zu sowie der Tausch und Nachbau von vielfältigem, lokal angepasstem Saatgut weiter beschränkt. Das bedroht die Ernährungssicherheit vor allem in ländlichen Regionen des globalen Südens, die ohnehin schon am stärksten von Hunger und Armut betroffen sind. Auch sind höhere Saatgutpreise absehbar. Steigende Lebensmittelpreise für VerbraucherInnen sind die wahrscheinliche Folge.

Schließlich hätte der zunehmende Einsatz von Pestiziden fatale Auswirkungen auf Biodiversität, Qualität von Wasser und Böden sowie auf die Gesundheit von VerbraucherInnen und von LandarbeiterInnen, die den Pflanzengiften direkt ausgesetzt sind. Ökologische und soziale Kosten würden dabei weiter auf die Zivilgesellschaft abgewälzt.

Großfusion Bayer Monsanto

Was macht INKOTA?
Wir machen Druck, um die drohenden Mega-Fusionen von Agrar- und Chemiekonzernen zu stoppen.

Wir rufen die EU-Kommission auf, die ausstehenden Fusionen nicht zu genehmigen. Wir adressieren die Konzerne direkt - zum Beispiel auf der BAYER-Hauptversammlung am 28.04.2017.

Durch unsere Bildungs- und Informationsarbeit machen wir auf die Gefahren der Machtkonzentration aufmerksam und versuchen, politischen Einfluss zu nehmen, z.B. in Form von Pressegesprächen, Workshops, Publikationen und Vorträgen.

Gleichzeitig setzt sich INKOTA aktiv für die Förderung einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft in Nord und Süd ein. Dafür wollen wir die Konzepte der Agrarökologie und Ernährungssouveränität weiter verbreiten, engagieren uns im Berliner Ernährungsrat und kooperieren mit Partnern wie dem Kleinbauernverband UNAC in Mosambik, der wichtige Arbeit zur Erhaltung der Saatgutvielfalt leistet.

Was fordern wir?

  • Die EU-Kommission sollte die möglichen Auswirkungen der drei anstehenden Fusionen gemeinsam bewerten und muss die noch offenen Zusammenschlüsse unbedingt verhindern
  • Auf nationaler sowie EU-Ebene braucht es klare Grenzen für Marktanteile, die einzelne Konzerne kontrollieren dürfen, sowie Möglichkeiten zur Entflechtung zu großer Unternehmen
  • Staatliche Subventionen sollten nicht in das Agribusiness, sondern in die Umsetzung einer bäuerlichen, agrarökologischen Landwirtschaft fließen
  • Die Schutzmaßnahmen für Mensch und Umwelt müssen so verbessert werden, dass die negativen Folgen der Aktivitäten des Agribusiness abgemildert werden können und die Schwächsten nicht am meisten unter der Machtkonzentration zu leiden haben

 

Weiterlesen:

Offener Brief an die Europäische Kommission zu den geplanten Großfusionen im Agribusiness

Gemeinsamer Aufruf "Fusionen stoppen, Konzernmacht begrenzen" (PDF 0,5 MB)


Diese Aktivität wurde mit finanzieller Unterstützung von Brot für  die Welt – Evangelischer Ent- wicklungsdienst, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Berliner Senats, von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der Europäischen Union gefördert. Für den Inhalt der Aktivität ist alleine das INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Stand- punkt des/der Zuwendungsgeber wieder.