Offener Brief an die Europäische Kommission zu den geplanten Großfusionen im Agribusiness

Wir, die unterzeichnenden Organisationen, fordern die Europäische Kommission auf, die bevorstehenden Fusionen der weltweit größten Agrarchemie- und Saatgutkonzerne zu verhindern. Sie muss stattdessen dringend wirksame Maßnahmen ergreifen, um die Landwirtschaft in der Europäischen Union ökologisch nachhaltiger, sozial gerechter und damit weniger abhängig von der Agenda des Agribusiness zu gestalten.

In einem bereits stark konzentrierten Markt haben die weltweit größten Agribusiness-Konzerne Fusionen angekündigt – Dow Chemical mit DuPont, Monsanto mit der Bayer AG und Syngenta mit ChemChina. Die Fusionen würden die durch die industrielle Landwirtschaft verursachten Probleme weiter verschärfen mit negativen Folgen für das Gemeinwohl und Verbraucher/innen, Bauern und Bäuerinnen, die Umwelt und die Ernährungssicherheit in der EU und weltweit.

Die Fusionen würden zu einer starken Monopolisierung führen, die eine Reihe negativer Konsequenzen nach sich zieht:

  • Wenige Konzerne kontrollieren noch stärker die Landwirtschaft
    Die drei entstehenden Konzerne würden circa 70 Prozent des weltweiten Agrarchemikalien- und mehr als 60 Prozent des Saatgutmarktes kontrollieren. Wegen ihres dominanten Marktanteils und ihrer politischen Macht hätten sie einen viel zu großen Einfluss auf die Ausgestaltung des Landwirtschafts- und Ernährungssystems.
  • Weniger Wahlmöglichkeiten für Bauern und Bäuerinnen
    Geringerer Wettbewerb und eine stärkere Marktdominanz würden die Saatgutvielfalt weiter verringern. Die Auswahlmöglichkeiten von Bauern und Bäuerinnen beim Saatgut sowie ihr Recht auf Nachbau sowie die Weiterentwicklung ihres eigenen Saatguts würden verletzt und die Abhängigkeiten gegenüber chemischen Inputs erhöht. Die drei Giganten könnten die Kontrolle über geistige Eigentumsrechte ausweiten, verbleibende, kleinere Saatgutunternehmen verdrängen und Preise für Landwirt/innen erhöhen – all das hätte negative Folgen für die lokale Wirtschaft und kleinere Lebensmittelunternehmen.
  • Weniger Wahlmöglichkeiten für Verbraucher/innen
    Mehr Marktmacht bedeutet auch für die Menschen in Europa weniger Auswahl bei Lebensmitteln. Die Bauern und Bäuerinnen hätten weniger Möglichkeiten, den Wünschen der Verbraucher/innen nach vielfältigen, gesunden, bezahlbaren, qualitativ hochwertigen und ökologisch erzeugten Lebensmitteln nachzukommen. Kosten, die auf die Öffentlichkeit abgewälzt werden, könnten die Schwächsten am stärksten treffen.
  • Mehr Agrarchemie auf den Äckern schadet der Umwelt
    Eine geringere Vielfalt auf den Äckern und noch mehr Anbau in Monokulturen, der besonders stark auf chemische Inputs und schädliche Pestizide angewiesen ist, würde die Umwelt, die Biodiversität und die menschliche Gesundheit – einschließlich der Gesundheit der Bauern und Bäuerinnen und Landarbeiter/innen – schädigen. Stattdessen müssen wir dringend Landwirtschaft vielfältiger gestalten, um unser Ernährungssystem widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.
  • Bedrohung für Europas Ernährungssouveränität
    Eine wachsende Bewegung von Bauern und Bäuerinnen, Verbraucher/innen und innovativen Unternehmen ist dabei, lebendige, gerechtere und ökologischere Ernährungs- und Landwirtschaftssysteme aufzubauen. Megakonzerne, die ihre Kontrolle über die Landwirtschaft ausweiten, würden die Zukunft dieser Initiativen – und damit die vielfältigen Funktionen von Bauernhöfen als Eckpfeiler der europäischen Landwirtschaft – gefährden.
  • Schwächung der Länder des globalen Südens und des Rechts auf Nahrung
    Die Folgen der Machtkonzentration würden die Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) behindern – insbesondere das zweite Ziel: „Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern“. Das wäre im globalen Süden, wo das Recht auf Nahrung ohnehin schon bedroht ist, besonders schwerwiegend.

Wir fordern die Europäische Kommission auf, die Fusionen abzulehnen, den absehbaren, durch diese Unternehmen verursachten Schaden zu verhindern und dringend Maßnahmen zu ergreifen, um ökologischere und sozial gerechte Ernährungssysteme zu unterstützen, die weniger vom Agribusiness abhängig sind. Dazu sind von der Kommission

  • die möglichen Effekte aller drei Fusionen zusammen zu bewerten;
  • die bestehenden Konzentrationen im Ernährungs- und Agrarbereich genau zu beobachten und klare Grenzen für Marktanteile, die einzelne Konzerne kontrollieren dürfen, zu setzen;
  • staatliche Unterstützungen und Subventionen weg vom Agribusiness hin zu einer bäuerlichen, nachhaltigen und agrarökologischen Landwirtschaft zu verlagern;
  • Schutzmaßnahmen für Mensch und Umwelt zu verbessern, um sicherzustellen, dass die negativen Folgen der Aktivitäten des Agribusiness für das Gemeinwohl und Verbraucher/innen, Bauern und Bäuerinnen, Arbeiter/innen sowie die Umwelt verringert werden.

Unterzeichnende Organisationen

International & EU

ACT Alliance EU
ActionAid
Avaaz
Bee Life European Beekeeping Coordination
BirdLife Europe
CIDSE
Compassion in World Farming
CONCORD
Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt e.V.
ECOAR)))
EFFAT (European Federation of Food, Agriculture and Tourism Trade Unions)
European Coordination Via Campesina
European Environmental Bureau
European Secretariat of the World March of Women
Fair Trade Advocacy Office (FTAO)
Food & Water Europe
Friends of the Earth Europe
GRAIN
Greenpeace
IFOAM EU
Pesticide Action Network (PAN) Europe
SAVE Foundation
Slow Food
SumOfUs
Transnational Institute (TNI)
WeMove.EU

Belgien

Aardewerk
Africa Europe Faith & Justice Network (AEFJN)
CADTM Belgique
Climaxi
CNCD-11.11.11
Collectif Stratégies Alimentaires (CSA)
FUGEA (Fédération Unie de Groupements d’Eleveurs et d’Agriculteurs)
Inter-Environnement Wallonie
Les Amis de la Terre Belgique
Mouvement d’Action Paysanne (MAP)
Mouvement politique des objecteurs de croissance (mpOC)
Netwerk Zelf Zaden Telen
Quinoa
SOS Faim Belgique
Woningen123Logements
“Cense équi’voc” asbl

Bosnien & Herzegovina

Center for Environment

Bulgarien

Balkan Institute for Labour and Social Policy
Za Zemiata

Dänemark

NOAH

Deutschland

Agrar Koordination
AGRECOL (Verein zur Förderung standortgerechter Nutzung in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa)
Aktion Agrar
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V.
BI lebenswertes Korbach e.V.
Biosicht Redaktionsbüro
Bluepingu e.V., Nürnberg
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Bündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft Niedersachsen, Bremen, Hamburg
FDCL - Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.
Förderverein Trostberger Rosengarten e.V.
Forum Umwelt und Entwicklung / NGO Forum on Environment and Development
Gen-ethisches Netzwerk e.V.
INKOTA-netzwerk e.V.
Interessengemeinschaft gegen Nachbaugebühren (IG-Nachbau)
Kampagne Meine Landwirtschaft / Wir haben es satt!
Klimagarten Tübingen
Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.
Obst- und Gartenbauverein Bengel e.V.
Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany)
Querbeet Leipzig
Rebsortenarchiv Südpfalzweinberg
Rettet den Regenwald e. V.
Rosa Rose Gemeinschaftsgarten
Save Our Seeds
Slow Food Deutschland e. V.
Ton, Steine, Gärten e.V.
Umweltinstitut München e. V.
Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V.
Zukunftsstiftung Landwirtschaft

Estland

Estonian Green Movement

Frankreich

ActionAid France - Peuples Solidaires
Amis de la Terre France
Attac France
CCFD-Terre Solidaire
Comité pour l’Abolition des Dettes illégitiMes (CADTM)
Confédération paysanne

Großbritannien

Biofuelwatch
Ethical Consumer Research Association
Friends of the Earth England, Wales, Northern Ireland
Global Justice Now
GMWatch
Landworkers Alliance
Nuclear Consulting Group
Permaculture Association
Slow Food in the UK
Sustain: The alliance for better food and farming, UK
Sustainable Food Trust
The Ecological Land Co-operative
The Kindling Trust

Ireland

Friends of the Earth Ireland

Italien

FOCSIV (Federazione Organismi Cristiani di Servizio Internazionale Volontario)
Legambiente
Mani Tese
Navdanya International

Kroatien

Brod Ecological Society-BED
Centar za mirovne studije
Centar za zdravo odrastanje Mali Losinj
Code for Croatia
EKO Ekološko društvo Oroslavje
Eko-Eko
GONG
Udruga za samozastupanje
UOKOLO udruga za građanstvo okoliša
Zelena akcija/FoE Croatia
Zeleni dan
Zeleni Osijek
Ženska mreža Hrvatske

Lettland

Green Liberty (Zala briviba)

Malta

Friends of the Earth Malta

Niederlande

ASEED Europe
Both ENDS
Hivos
ICCO Cooperation
Milieudefensie
Slow Food Nederland
SOMO, Centre for Research on Multinational Corporations

Norwegen

Naturvernforbundet

Österreich

Get Active - for a Sustainable Planet
GLOBAL 20000
Welthaus Diözese Graz-Seckau
ZIMD

Polen

Polski Klub Ekologiczny
Stowarzyszenie Ekologiczno-Kulturalne ZIARNO

Portugal

Campo Aberto - Associação de Defesa do Ambiente
Portuguese GM Free Coalition (Plataforma Transgénicos Fora)

Russland

The Russian Social-Ecological Union

Schweden

Solidarity Sweden - Latin America (SAL)

Schweiz

Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien ask!
Brot für alle
MultiWatch
Public Eye
SAG Schweizer Allianz Gentechfrei
SOLIFONDS
SWISSAID

Spanien

AEA-Madrid asociación educación ambiental de Madrid
Aicar-Adicae, Organización de consumidores críticos, responsables y solidarios
Amigos de la Tierra
ASiA-Associació Salut iAgroecologia
Asociación Marisatsa
Asociación Vida Sana
ATTAC España
AUPA
BioAlai
Centro de Estudios Rurales y de Agricultura Internacional
Colectivo Asamblea del Bien Común
Ecologistas en Acción
Ekoactivo educación ambiental
EQUO
ESPEM
Garua S. Coop. Mad
Germinando Coc Coop Mad
La Garbancita Ecológica S. Coop. Mad. de Consumo Responsable Agroecológico
Plataforma contra la especulación de Candeleda
Plataforma Rural
Red de semillas de Aragon
ReHd Mad! Red huertos urbanos comunitarios de Madrid
Butroi Bizirik-en Transicion (BBT)
Lur Gozo

Tschechische Republik

AREA viva, z.s. – spolek pro ekologii a zemědělství
Asociace Místních Potravinových Iniciativ, o.p.s.
Ekumenická akademie, z. s.
Hnutí DUHA
PRO-BIO Liga, pobočný spolek
Záhony Pro Skolky (Gardens for Schools)

Ungarn

Beklen a Nagykunsági Civil Társadalomért Alapítvány
Beretzk Péter Természetvédelmi Klub
Bodrog  Association
Bors Foundation
Börzsöny-Ipoly-mente Polgári Természetőrség
Cserhát Értékeiért Alapítvány
EcoOne Hungray
E-misszió Természet- és Környezetvédelmi Egyesület
Energia és Környezet Alapítvány
Fauna Foundation for Animal Welfare and Nature Protection
Forrásvíz Természetbarát Egyesület
Giligán Egyesület
Göcsej Természetvédelmi Alapítvány
Green Island Circle Nature Examining Public Association
Herman Ottó Természetvédő Kör
Holocén Természetvédelmi Egyesület
Hungarian Climate Alliance
Kalocsakörnyéki Környezetvédelmi Egyesület
Magosfa Foundation for Environmental Education and Eco-tourism
Magyar Természetvédők Szövetsége (MTVSZ) / National Society of Conservationists
Ökorégió Alapítvány a Fenntartható Fejlődésért
Polyán Egyesület
Reflex Environmental Association
Small Communities Programme (Kisközösségi Program)
Tanácsadók a Fenntartható Fejlődésért
Towards Sustainability Association
Zöld Akció Egyesület
Zöld Kapcsolat Egyesület
Zöld Kör
Green Women
Közép-magyarországi Zöld Kör

Zypern

Friends of the Earth Cyprus