Private Investitionen im Agrarsektor

Hunger- und Armutsbekämpfung sind kein
„Business Case”!

„Der Privatsektor und insbesondere Unternehmen des Agribusiness und der Ernährungsindustrie sind wichtige Partner im weltweiten Kampf gegen Hunger und Armut.”

So oder so ähnlich lautet die These, wie sie von der Bundesregierung, der Weltbank, dem Weltwirtschaftsforum oder von großen Unternehmen selbst immer offensiver vertreten wird. Doch können privatwirtschaftliche Interessen wirklich essenziell zu Hunger- und Armutsbekämpfung beitragen?

Der Privatsektor als Partner für Entwicklung?

Partnerschaften zwischen Staaten und dem Privatsektor sind „In”. Solche Partnerschaften sind keine neue Erfindung – neu ist jedoch, dass sie von den Regierungen des Nordens und einigen Ländern des Südens als strategische Partner für Entwicklung und Heilsbringer bei der Hungerbekämpfung stilisiert werden. Es gibt eine Reihe von politischen Initiativen und Prozessen, die dem „Who is Who” des Agribusiness – darunter Konzerne wie Monsanto, Yara, Nestlé, Bayer Crop Science oder BASF – dabei eine äußerst prominente und einflusseiche Rolle zugestehen. Darunter die G8-Intitiative für Ernährungssicherheit in Afrika (G8NA) oder die „German Food Partnership” (GFP).

Eines haben alle Initiativen gemein: In den Ländern des globalen Südens sollen die Rahmenbedingungen für private Investitionen so verändert werden, damit sich die Engagements der Privaten rechnen. Im Vordergrund stehen hier einseitig die Geschäftsinteressen der Unternehmen, die obendrein von staatlichen Stellen unterstützt werden, indem sie Investitionsrisiken abfedern oder ein positives Investitionsklima schaffen.

Widersprüche werden ausgeblendet

Auf diese Weise wird von Wirtschaft und Politik eindimensional ein industrialisiertes Agrarmodell gefördert und damit verbundene Probleme wie hohe Treibhausgasemissionen, Verlust der Biodiversität, Land Grabbing und Landkonzentration in den Händen weniger förmlich ausgeblendet. Mögliche Interessenskonflikte zwischen den Geschäftsinteressen der Unternehmen und den Erfordernissen an eine nachhaltige Hunger- und Armutsbekämpfung werden nicht ernst genommen.

Eine grundlegend andere Landwirtschaft ist notwendig

Um Hunger und Armut ernsthaft zu bekämpfen müssen diejenigen, die die Hauptinvestoren im Agrarbereich sind – nämlich die Bauern und Bäuerinnen selbst – ins Zentrum aller Initiativen gerückt werden. Es reicht nicht, sie in Sonntagsreden zu erwähnen und ihre Bedürfnisse faktisch nicht zu berücksichtigen. Gerade die Kleinproduzent/innen in den Ländern des Südens müssen bereits bei der Planung, Entwicklung und Umsetzung von Programmen eine wichtige Rolle spielen. Sie haben das größte Potenzial um den Hunger in der Welt zu stoppen, Armut in ländlichen Regionen zu bekämpfen und entlang strenger ökologischer Kriterien zu produzieren. Dabei ist Ökologie kein Luxus. Wegen den planetarischen Grenzen des Planeten ist ein ressourcenschonendes Agrarmodell notwendiger denn je.

Den Einfluss des Privatsektors schleunigst verringern

Auf politischer Ebene ist es notwendig den Einfluss der Privaten zurückzudrängen und den politischen Gestaltungsraum wieder herzustellen. Der unangemessene Einfluss der Konzerne auf die Entwicklung von Politiken muss beendet werden. Bilaterale Abkommen, handelspolitische Regeln und Investitionsschutzvereinbarungen müssen so gestaltet werden, dass nicht einseitig die Interessen der Unternehmen geschützt werden.