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Linsen und Grinsen – Debut des ersten Berliner Agrar-Slams

Mitten im Herzen Berlin Kreuzbergs lässt es sich nicht nur urban gärtnern – es war auch der perfekte Ort für die Bühne des ersten Berliner Agrar-Slams am 14. Juli 2016.  Kleine künstlerische Interventionen stellten die großen Fragen unseres Ernährungssystems und servierten den über 200 Gästen im Prinzessinnengarten die wilde und kreative Seite von Acker und Teller. Acht verschiedene Formate machten den Abend vor dem roten Samtvorhang der Agrar-Slam-Bühne trotz herbstlicher Temperaturen zu einem abwechslungsreichen Menü.

Wie viel Zucker erträgt der Mensch und ab wann schlägt der Appetit in Abhängigkeit vom industrialisierten Süß um? Das fragte das Choregrafinnen-Duo white.spot.kollektiv inmitten eines Bonbon-Regens und einer Tortenschlacht. Der Liedermacher Noa schlug nachdenklichere Saiten auf seiner Gitarre an und sang Lieder vom Geschmack einer besseren Welt. Mohammad Abu Hajar von der syrischen Band Mazzaj rappte auf Arabisch über den überlebensnotwendigen Zugang zu Saatgut in Kriegszeiten, um mit urbanen Gärten Orte der Selbstversorgung aufzubauen.

Fotografische Eindrücke

Klicken Sie auf ein Foto, um es zu vergrößern. © Volker Gehrmann

Wie ist das, sich als Bauernsohn durch die Einfahrt des Nachbarn zu fräsen, weil man „Trecker-untalentiert“ geboren wurde? Filetstückchen aus der ostwestfälischen Jugend auf dem Land gab Volker Surmann zum Besten. Auch die Publikumsreihen trugen ihren Teil zum Abend bei: gemeinsam mit den Improbanden und deren nicht ganz ernst gemeinten Fragen zu Haltungsbedingungen, Lebensmittelunverträglichkeit und Züchtungsverfahren imaginierten sie mit den Theaterleuten den einzigen „Fachvortrag“ des Abends. Kaleb Erdmann slammte über Konsum und Verzicht und stellte nebenbei seine Vision eines Supermarkts für jeden einzelnen Menschen vor. Das Plastik-Buffet inklusive eines Deckenleuchters auf Wurstpackungen von Isabel Ott lud zwar weniger zum Schlemmen ein, aber dafür aber zu umso mehr Selfies.
Ernstere Töne schlug das einzige Gedicht des Abends von Julia Bartal an, das den Alltag der Bäuerin auf dem Land reflektierte. Mit fliegendem Mehlstaub und der Frage nach dem Bäckerhandwerk von Gestern, Heute und Morgen inszenierte das Tanztheater B.R.O.T.
Das Musik-Quartett Castillo-Lauer-Robles umrundete den Abend mit feinen peruanischen Jazz-Klängen.

Linsen und Grinsen – der erste Berliner Agrar-Slam war eine gemeinsame Veranstaltung von INKOTA-netzwerk, Aktion Agrar, Meine Landwirtschaft, Slow Food Youth Network und Prinzessinnengarten.

Mehr Informationen zum INKOTA-Arbeitsbereich Landwirtschaft und Welternährung

Mehr Informationen zu den beteiligten KünstlerInnen:

Mazzaj
Mohammad Abu Hajar hat 2007 gemeinsam mit Alaa Odeh und Hazem Zghaibe die Rapband Mazzaj in Tartous, Syrien, gegründet. Nach Beginn der Revolution wurde Mohammad wegen seiner musikalischen Aktivitäten und seinem politischen Engagement festgenommen und gefoltert. Um einer erneuten Festnahme zu entfliehen, ging er nach Italien und absolvierte dort einen Master in Politischer Ökonomie. Später zog er nach Berlin und baute gemeinsam mit Ahmad Niou (Percussions und Gesang) die Band wieder auf. Seitdem sind viele Kollaborationen mit deutschen und internationalen Musikern entstanden.
Die Band setzt ihren Fokus auf die Verschmelzung von „westlichem“ Rap mit Elementen der orientalischen Musik, durch die Texte bauen sie außerdem ihre starken politischen Botschaften mit ein. Die Band spielte bereits in einer Vielzahl von Ländern wie Syrien, Libanon, Italien, Schweden, Dänemark, Deutschland, sowie auf Festivals wie dem Phoenix, der Fusion und auf Eutropia.
Beim Agrar-Slam werden Mazzaj Beiträge zum Thema der Hungersnot im Zuge der Belagerungen in Syrien einbringen.

Weitere Informationen:

Webseite von Mazzaj

white.spot.kollektiv
Das Choreographinnen-Duo white.spot.kollektiv erprobt emotionale Zuckerzustände am eigenen Körper und Geist und testet mit welchen Mitteln sich das Verlangen stimulieren und beeinflussen lässt.
Die Tänzerinnen und Choreographinnen Sinja Maucher und Annekatrin Kiesel, die sich bereits 2008 im Studium an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln kennenlernten, sind Kern des 2013 gegründeten Kollektivs.
Im Rahmen des Projekts verzichteten sie in einem Selbstexperiment drei Monate lang auf Zucker und jegliche Süßungsmittel.
Mit „Bittersüß • A Piece of Candy“ fokussiert und fatalisiert das white.spot.kollektiv die süße Lust. Dabei wird in ein imaginäres „Candyland“ eingetaucht - mit bitterem Beigeschmack. Die Bühne wird zu einem Labyrinth aus süßen Versuchungen, auf dessen Irrwegen die Künstlerinnen der Besessenheit nach Zucker zusehends verfallen.

Weitere Informationen:

Webseite von white.spot.kollektiv

Volker Surmann
ist Autor, Satiriker, Verleger und Exil-Ostwestfale in Ostberlin. Er veröffentlichte Romane, Kurzgeschichten und Anthologien, schreibt für „Titanic“ und andere Printmedien, verlegt Bücher in seinem Satyr Verlag, liest bei der Lesebühne »Brauseboys« und tritt bei Poetry Slams im gesamten deutschsprachigen Raum auf. Zuletzt erschienen von ihm die Romane »Extremely Cold Water« (2014) sowie »Mami, warum sind hier nur Männer?« (2015).
Beim Agrar-Slam wird Volker Surmann aus seinem Heimatbuch Lieber Bauernsohn als Lehrerkind vorlesen. Als Kind war er immer der Alien vom Planeten Acker. Auf dieses heimatliche Gestirn im System Teutoburger Wald kehrt Volker Surmann im Buch zurück und geht dorthin, wo es wehtut: in seine eigene Landjugend. Ein Bauernsohn mit Heuschnupfen packt aus.

Weitere Informationen:

Webseite von Volker Surmann

Facebook-Seite von Volker Surmann

© theaterderarob@se

B.R.O.T.
Nach fünf Jahren als Bäckergeselle schneidet Theatermacher Philippe Tibbal in dem Tanztheaterstück "B.R.O.T." zusammen mit den beiden Tänzerinnen und Choreografinnen Paola Zadra und Verena Steffen auf der Bühne einen Laib Brot und teilt sie mit Ihnen.
Sie setzen sich künstlerisch mit dem Thema „Brot und Bäckerhandwerk“ auseinander. Mit tänzerischen und schauspielerischen Mitteln geht es in ihrem Stück „B.R.O.T.“ u. a. um wirtschaftliche und politische Dimensionen, z.B. um die große Wertschätzung des Kulturguts Brots in Deutschland bei einem gleichzeitig schlechten Image des Berufs.
Beim Agrar-Slam werden zwei von den sechs Scheiben gezeigt.

Weitere Informationen:

Facebook-Seite von B.R.O.T.

Kaleb Erdmann
macht sich einen Spaß daraus, sein Publikum anzupöbeln. Der 21-Jährige möchte wie viele Poetry Slammer mit seinen schonungslosen Texten zum Nachdenken anregen. Leichte Kost bietet er dem Publikum nicht gerne. Viele seiner Texte sind dunkel und verkopft. Die unbequeme Performance des Politik- und Soziologie-Studenten hat Erfolg: Kaleb zählt mittlerweile zu den bekanntesten Vertretern der Münchner Slam-Szene. Vergangenes Jahr brachten ihn seine zahlreichen Auftritte bis in das Finale der bayerischen Slam-Meisterschaften.
Beim Agrar-Slam wird Kaleb einen Text namens „Konsum und Verzicht“ vortragen.

Weitere Informationen:

Blog von Kaleb Erdmann

Facebook-Seite von Kaleb Erdmann

Das Trio Castillo-Lauer-Robles
Peru ist nicht nur die Heimat von 3800 Kartoffelsorten, sondern auch darüber hinaus ein Land von unüberschaubarer kultureller Vielfalt.
Eine der vielen Musiktraditionen ist die vor allem an der Pazifik-Küste verbreitete „Musica Criolla“ – andine Melodien treffen hier auf spanische Gitarren und afrikanische Rhythmen. Die herzergreifenden Texte handeln wahlweise von der Liebe oder der leckeren peruanischen Küche.
Samuel Castillo (Gitarre) und Laura Robles (Cajon) sind zwei tief in der peruanischen Musik verwurzelte Virtuosen ihrer Instrumente. Beim Agrar-Slam komplettiert Johannes Lauer das Trio, er bringt seine Posaune zum ‚Singen und Swingen’ und einen Muli-Kiefer zum Scheppern.

Trashroyal
Trashroyal sammelt Konsumabfall, abgelegte Alltagsgegenstände, angeschwemmten Zivilisationsmüll - das Treibgut der Gesellschaft und gibt den scheinbar wertlosen, todgeweihten Dingen eine neue Bestimmung.
Diese Trouvaillen im Spannungsfeld zwischen Natur und Zivilisation, Magie und Moderne fügt Isabel Ott zu einem neuen Kosmos zusammen. Gleichsam irdisch und funktional, dennoch nicht von dieser Welt dokumentieren ihre Objekte die Spuren des Verfalls als Ausdruck von Leben. Die Installation „Polyprop Dinner“ möchte den Wahn und die Schere zwischen dem Streben nach Umweltbewusstsein und Gesundheit und dem paradox gegenläufigen Verhalten der Zivilisation und Industrie erfahrbar machen.
Teil des Polyprop Dinners wird ebenso Bianca Schemel und eine Reihe von Stop Motion Filmen zum Thema Müll, welche sie mit Kindern aus verschiedenen Berliner Schulen gedreht hat. Die Filme sind im Rahmen des Projektes „Junge Reporte für die Umwelt“ des Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU e.V.) entstanden.

Weitere Informationen:

Webseite von Trashroyal

Die Improbanden
Die Improbanden spielen Improvisationstheater. Das neun-köpfige Ensemble existiert seit 2011 und sein Repertoire umfasst kurzweilige Impro-Comedy und eigenentwickelte Impro-Langformate. Seit 2011 sind die Improbanden regelmäßig auf Bühnen im Raum Neukölln/Kreuzberg sowie auf Improtheater-Festivals national und international zu sehen.
„Impro geht durch den Magen“ lautet das Motto ihres Beitrages für den Agrar-Slam, bei dem das Publikum nicht nur entscheidet, was auf den Teller, sondern auch, was auf die Bühne kommt!

Weitere Informationen:

Webseite der Improbanden

Facebook-Seite der Improbanden

Julia Bar-Tal
Julia Bar-Tal ist eine Landwirtin, die die Revolution liebt. Einerseits ist sie auf ihrem Hof mit Tieren und Landwirtschaft zu Hause, andererseits ist sie viel in Syrien, in der Türkei, in Palästina und in Griechenland unterwegs. Neben sonstigem politischen Gerede tritt sie nun das erste Mal bei einem Slam auf und trägt ein Gedicht zum Leben auf einem Hof bei.

Noa
Noa hat als Deutsch-Algerier zwei unterschiedliche Kontexte kennengelernt.
Nachdem er als Koch in deutschen Küchen konventionelle Schlachtfeste zubereiten musste, entschied er sich der irrsinnigen Zubereitung von industriellem Fleisch den Rücken zu kehren. Auf der Suche nach Veränderung zog es ihn ins algerische Hochland, wo er als Helfer eines Schäfers arbeitete. Er musste jedoch feststellen, dass dort auch nicht alles rosig ist — so wächst in dieser Region teurer Weizen, der als Mono-Massenkultur gezüchtet und nach Übersee verkauft wird. Für die dortige Bevölkerung wird billiger weicher Weizen importiert. Die Folgen sind eine einseitige Ernährung, zerstörte Böden und eine ungewisse Zukunft für eine ganze Region.
Seit 2010 wirkt Noa als Mediengestalter in Berlin für NGOs und andere Akteur*innen der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft, die Aufklärung betreiben, statt Gewinne zu generieren. Immer mit einer musikalischen Idee im Handgepäck, die im passenden Moment ausgepackt wird.
In seinen Liedern erzählt er von seinen Eindrücken, (Alp)Traumwelten, verketteten Gedanken und Wünschen, in Tuchfühlung mit der Frage, wie der global-industrialisierte Mensch aus dieser Misere heraus kommt... durch Aufklärung!

Hinweis

Diese Aktivität wurde mit finanzieller Unterstützung von Brot für  die Welt – Evangelischer Ent- wicklungsdienst, der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Berliner Senats, von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der Europäischen Union gefördert. Für den Inhalt der Aktivität ist alleine das INKOTA-netzwerk e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Stand- punkt des/der Zuwendungsgeber wieder.