Weltagrarbericht

Radikale Wende in der Landwirtschaft nötig

„Business as usual is not an option – Weiter wie bisher ist keine Option mehr!” – Zu diesem Schluss kommen über 400 Experten im Weltagrarbericht, der auf Initiative der Weltbank und der Vereinten Nationen in vierjähriger Arbeit erstellt wurde. Die zentrale Botschaft der Autoren lautet: „Die Landwirtschaft in ihrer heutigen Form hat keine Zukunft.” Zumindest wenn es darum geht, weltweit das Menschenrecht auf Nahrung umzusetzen und den Klimawandel aufzuhalten.

Denn obwohl in der Vergangenheit durch die industrielle Landwirtschaft, erhebliche Produktivitäts- und Mengensteigerungen erzielt werden konnten, steigt die Zahl der weltweit Hungernden weiter an. Der Anbau von Monokulturen, der Einsatz von chemischen Pestiziden und Düngemitteln und die vermehrte Verwendung von gentechnisch verändertem Saatgut, haben in den vergangnen Jahren bereits ein Drittel der fruchtbaren Böden zerstört. Von der industriellen Produktionsweise haben insbesondere große Agrarkonzerne profitiert - Kleinbäuerinnen und -bauern hingegen sind die Verlierer in diesem Spiel.

Hunger und Armut lokal bekämpfen

85 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe werden von Kleinbauern mit weniger als zwei Hektar bewirtschaftet

Für die AutorInnen steht fest, dass Hunger und Armut nachhaltig nur lokal bekämpft werden können. Die Kernaussagen des Weltagrarberichts lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Es bedarf eines radikalen und systematischen Wandels in der landwirtschaftlichen Forschung, Entwicklung und Praxis, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein.
  • Nicht die Steigerung der Produktivität um jeden Preis, sondern der realen Verfügbarkeit von Lebensmitteln und deren Produktionsmitteln vor Ort ist der entscheidende Faktor bei der Bekämpfung des Hungers. Kleinbäuerliche Strukturen sind die besten Garanten lokaler Ernährungssicherheit und nationaler und regionaler Ernährungssouveränität.
  • Ihre Multifunktionalität (ökologische und soziale Leistungen) gilt es anzuerkennen und gezielt zu fördern.
  • Agrarsprit ist keine tragbare Option - effizientere, integrierte und dezentrale Formen der Bio-Energiegewinnung (Strom und Wärme) dagegen sehr wohl. Die Umwidmung von Anbauflächen für Lebensmittel in Treibstoffflächen ist nicht vertretbar.
  • Die ärmsten Länder und die Ärmsten auf dem Lande sind die Verlierer von Globalisierung und Liberalisierung des Agrarhandels. Gentechnik bringt derzeit mehr Probleme als Lösungen und beeinflusst die Ausrichtung des Forschungsinteresses auf patentierbare Produkte.
  • Geistige Eigentumsrechte und -ansprüche, insbesondere in Bezug auf Saatgut, können die Freiheit der Forschung und die Verbreitung von Wissen maßgeblich negativ beeinflussen.
  • Öffentliche Forschung und Entwicklung müssen gestärkt und aus ihrem akademischen Elfenbeinturm geholt werden. Es gilt, die Fragen der Landwirte zu beantworten und diese an den Entwicklungen zu beteiligen.
  • Der ökologische und ökonomische Imperativ, Klimagasemissionen pro Kalorie zu reduzieren, bedarf technologischer Revolutionen und drastischer Einschnitte.

INKOTA fordert: Bundesregierung muss Agrarbericht unterzeichnen

Im April 2008 unterzeichneten 60 Regierungen den Weltagrarbericht. Auch wenn der Bericht allein noch niemanden satt macht, setzten die Regierungen damit ein klares Zeichen für ein Umdenken in der weltweiten Agrarpolitik. Die Bundesregierung hat sich bis heute jedoch nicht zu dem Bericht bekannt. Gemeinsam mit anderen NGOs und Wissenschaftlern fordert INKOTA die Bundesregierung auf, den Bericht zu unterzeichnen und seine Empfehlungen umzusetzen.

Entstehung des Weltagrarberichts

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