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E-Mail-Aktion an Autohersteller

BMW: Auswertung der Antworten

1. Transparenz der Lieferketten

BMW erläutert in seinem Antwortschreiben Ziele bzgl. der weiteren Erschließung ihrer Lieferketten und nimmt die Komplexität des Lieferanten-Netzwerks als Herausforderung an, die es zu lösen gilt. Bei vergleichsweise fortgeschrittener Kenntnis der eigenen Lieferkette geht BMW insgesamt transparent mit Herausforderungen um, was wir als wichtigen Schritt zur Bearbeitung der menschenrechtlichen Risiken anerkennen.

Der eigenen Aussage nach nutzt BMW verschiedene Kommunikationsmittel, um Lieferkettentransparenz nach außen hin herzustellen. Online ist Außenstehenden der Zugriff auf Ergebnisse des Lieferkettenmanagements möglich, u.a. auf eine zahlenmäßige Auswertung darüber, wie viele menschenrechtliche Risiken identifiziert wurden, wie viele Maßnahmen zur Verbesserung angesetzt und wie viele davon bereits umgesetzt wurden. Zudem ist eine Liste von Kobaltschmelzen zugänglich, inklusive der Angabe der Herkunftsländer des Kobalts. Die konkreten Abbauregionen werden daraus nicht ersichtlich. Die regionale Herkunft anderer Rohstoffe ist ebenso nicht nachvollziehbar.

2. Verankerung menschenrechtlicher Sorgfalt in den Lieferketten

BMW hat eine umfangreiche Menschenrechtspolitik sowie Richtlinien zum nachhaltigen Einkauf etabliert, deren Anwendung regelmäßig intern geprüft wird. Die zahlenmäßigen Ergebnisse dieses Prozesses sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Menschenrechtliche Risiken werden durch Befragungen neuer Lieferanten und regelmäßige Medienrecherche beobachtet.

BMW hat einen mehrstufigen Prozess entwickelt um Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn Risiken festgestellt werden. Dieses Schema ist online zugänglich. Im Falle der Nichteinhaltung beendet BMW die Zusammenarbeit. Auch vor Abschluss von Verträgen müssen neue Zulieferer Maßnahmen zur Minderung menschenrechtlicher Risiken nachweisen.

Bei erhöhtem Risiko beauftragt BMW unabhängige Prüfungen der Zulieferer. Die Ergebnisse dieser Prüfungen sind jedoch nicht zugänglich.

Eine Telefonnummer wie auch E-Mail-Adresse bietet ArbeiterInnen entlang der gesamten Lieferkette die Möglichkeit, Risiken anonym zu melden. Zudem ist eine App für MitarbeiterInnen entwickelt worden. Wir begrüßen grundsätzlich das Angebot einer Telefonzentrale als relativ leicht zugänglichen Kommunikationskanal. Es ist dafür allerdings notwendig, dass alle direkten und indirekten SubunternehmerInnen und ArbeiterInnen umfassend darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass sie für BMW tätig sind. Sie müssen informiert werden, dass für Sie auch die Möglichkeit besteht, das Unternehmen anonym zu kontaktieren um Menschenrechtsverstöße zu melden. Zudem ist es relevant, dass die Gespräche hier in allen Muttersprachen der ArbeiterInnen ermöglicht werden. Ob diese Beschwerde-Mechanismen genutzt werden ist aus der Antwort leider nicht ersichtlich, kann aber Hinweise auf deren Zugänglichkeit geben.

3. Initiativen zur Stärkung von ökologischen Standards und Menschenrechten

Wir begrüßen das Engagement von BMW, verschiedene Industrie-Initiativen zu kritischen Rohstoffen maßgeblich voranzubringen. BMW berichtet hier über vorzeigbare Ergebnisse in der Zusammenarbeit. Eine Evaluierung der Wirkung dieser Initiativen wäre aufschlussreich, um die Reichweite und den tatsächlichen Nutzen für ArbeiterInnen und Bevölkerung vor Ort einzuschätzen.

Wir begrüßen auch die Bemühung von BMW, direkten Einfluss auf die Verbesserung der menschenrechtlichen Situation beim Abbau der Rohstoffe zu nehmen, indem Lieferketten verkürzt und Rohstoffe direkt bezogen werden. Wir bedauern, dass diese Entscheidung dazu beiträgt, den Kobalt-Bezug aus der Demokratischen Republik Kongo gänzlich zu beenden. BMW erhofft sich zeitgleich durch den Ausbau einer Pilotmine vor Ort eigene Erkenntnisse darüber, wie Arbeitsbedingungen im Kobaltabbau konkret verbessert werden können, was nützliche Impulse für den gesamten Sektor liefern kann.

4. Wirkung der Aktivitäten

Eine unabhängige Wirkungsmessung der Aktivitäten im Nachhaltigkeitsbereich weist BMW in seinem Schreiben nicht vor. Unabhängige wissenschaftliche Wirksamkeitsanalysen über die Maßnahmen innerhalb des Lieferkettenmanagements von BMW stellen einen wichtigen nächsten Schritt im Management dar. Die tatsächliche Verbesserung der Situation der Menschen am Anfang der Lieferketten muss bei allen Bemühungen zur Minderung der menschenrechtlichen Risiken das zentrale Bewertungskriterium sein.

5. Wo sehen wir Handlungsbedarf?

Die Kenntnis des eigenen Lieferanten-Netzwerks ist Grundvoraussetzung für die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards. Wir sehen es daher als notwendig an, dass BMW weiterhin die Bemühungen verstärkt, seine Lieferketten vollständig nachzuvollziehen. Die Transparenz nach außen sollte insofern weiter gesteigert werden, als dass die Herkunft aller Rohstoffe durch die interessierte Öffentlichkeit nachvollzogen werden kann. Dadurch wäre dann auch eine verbesserte Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Kräften möglich, um menschenrechtliche Risiken zu erkennen. Die Förderung des Kleinbergbaus wurde bereits von BMW als Ziel anerkannt. Wir begrüßen dies und ermuntern BMW zur vertieften wirtschaftlichen bzw. vertraglichen Zusammenarbeit mit Bergbau-Kooperativen und zur Einbindung der Expertise von Menschenrechts-VerteidigerInnen vor Ort.

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